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- Kategorie: Winter 19 / 20: Argentina
Pucará de Tilcara - die Inka-Ruinen
Wir blieben heute in der Gegend der Quebrada, da es hier für uns noch einiges zu sehen gab. Morgen fahren wir weiter in Richtung Susques, einer kleinen Ortschaft vor der Grenze zu Chile
Oberhalb von Tilcara bauten die Inkas im ausgehenden 12. Jhdt. eine Stadt, die heute Pucará genannt wird. Im 16. Jhdt. wurde die Stadt verlassen, als die Spanier die Gegend überrannten. Archäologen gruben die Reste wieder aus und restaurierten die Gemäuer nach ihren Vorstellungen.

Beim Eingang in den Park steht eine Gedenktafel für die 420 Studenten und Professoren der Universität Buenos Aires sowie den mehr als 200 Verschwundenen der Provinz Jujuy und den insgesamt mehr als 30’000 Opfern des staatlichen Terrorismus der Jahre 1976 bis 1983. Damit ist die Zeit der Militärdiktatur von Jorge Vidal gemeint, während der all diese Personen getötet wurden. Schliesslich wird auch des Genozides an den Urvölkern Amerikas gedacht, welcher ab der Ankunft von Kolumbus in der neuen Welt 1492 stattfand. Nunca Mas! - Nie wieder!

Beim Aufstieg vom Parkplatz zum Aussichtspunkt auf 2’500 m.ü.M. ergaben sich immer wieder schöne Ausblicke über das Tal und die Felsformationen der Quebrada. Viele grosse Candelaria-Kakteen hatten kleine, weisse Blüten.

Die Siedlung wurde von den Archäologen wieder aufgebaut, viele Häuser und Stallungen sollen wohl, zumindest nach der Vorstellung der Wissenschaftler, einmal so ausgesehen haben. Pläne oder Bilder aus der Zeit existieren nicht.

Die Anlagen wurden aus grossen, behauenen Steinen gebaut, die Dächer mit Holz von Kakteen und Bäumen gedeckt sowie anschliessend mit Lehm abgedichtet.

Ob dieses Gebäude wohl mal so ausgesehen hat? Was genau in diesen Gebäuden los war, bleibt weitgehend im Dunkeln.

Diese Anlage wird Iglesia genannt, es soll eine Art Kirche gewesen sein. Für die sehr gläubigen Argentinier muss natürlich auch ein Altar hier sein. Wirklich?

Ein Blick über eine andere Häusergruppe mit den farbigen Bergen der Schlucht im Hintergrund. Dazwischen immer wieder grosse Candelabria sowie viele andere Kakteen-Arten.
In der Anlage gibt es einen Stein, der Piedra campana genannt wird. Der Glockenstein gibt einen schönen Ton von sich, wenn er entweder mit der Hand, einem Stück Holz oder mit einem anderen Stein angeschlagen wird. Es soll sich um ein vulkanisches Gestein handeln.

Vom Aussichtspunkt aus gibt es einen schönen Blick in Richtung Norden. Die Quebrada de Humahuaca verläuft von hier aus noch ein paar dutzend Kilometer.

Am späteren Nachmittag machten wir nochmals einen Spaziergang im Dorf Tilcara, wo ich diese hübsche Türe fotografierte. Das Haus zum Neuen Fortschritt (El nuevo Progreso) stammt aus dem Jahr 1917.

In dieser Gegend sind die meisten älteren Häuser in der Adobe-Technik ausgeführt. Die Bachsteine werden aus Lehm, der mit Gras oder Stroh vermischt ist, in Formen gepresst und anschliessend an der Sonne getrocknet. Die dicken Mauern isolieren so gut gegen die Kälte und auch gegen die Sommerhitze.

An einer anderen Stelle des Tales fotografierte ich heute diesen Friedhof mit einem roten Berg als Hintergrund. Auch hier sind die Gräber mit künstlichen Blumen geschmückt.

Schliesslich wieder zurück im Dorf begegneten wir diesem Haus. Hier wurde in der Nacht vom 10. Oktober 1841 die Totenwache für die sterblichen Überreste des Generals Lavalle gehalten. Dieser wurde in Jujuy erschossen (mein Artikel dazu) und seine Leiche anschliessend bis nach Bolivien transportiert, damit diese nicht in die Hände seiner Feinde fiel. Hier machten seine Freunde einen Zwischenhalt auf dem Weg zur Grenze. Etwas weiter nördlich von hier lösten sie das schon stark verweste Fleisch von den Knochen und begruben es. Die Knochen fanden ihren Weg schliesslich über Bolivien nach Buenos Aires, wo sie auf einem Ehrenfriedhof ihre letzte Ruhe fanden.
