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- Kategorie: Winterreise 17 / 18 - 1. Etappe: Namibia 17 mit Paul
Sossousvlei im Grossen und im Kleinen
Nach dem Frühstück machten wir uns heute nochmals auf den Weg in die Sossousvlei, die Ebene mitten in den Dünen, wo die beiden Flüsse, wenn sie denn Wasser führen, versickern. Die letzten 5 km Tiefsandpiste liessen wir heute aus und genossen vielmehr die An- und Rückfahrt zum Parkplatz für „normale“ Auto. Gestern brachte uns unsere Luxuskarosse problemlos über den Sand, heute hatten wir keine Lust mehr auf die Fahrt mit dem Risiko des Absaufens im Tiefsand.. Zumal die Landschaft am unteren Ende der Sandpiste nicht sehr viel anders aussieht.

Bereits unterwegs zeigten sich viele Dünen im schönsten Licht, der Himmel war heute im Gegensatz zu gestern nahezu wolkenlos und die Temperatur stieg „nur“ bis 41° Celsius. Die spärliche Vegetation reicht offenbar für ein vielfältiges Tierleben auf und in der Düne aus: Sandvipern, verschiedene Arten von Echsen, sowie auch eine spezielle Art Maulwurf leben hier. Gesehen habe wir allerdings keine.

Von einem schönen Aussichtspunkt aus zeigte sich die Landschaft von ihrer schönsten Seite. Eine grosse, flache Ebene mit schwarzen Bergen und im Hintergrund die roten Dünen. Das Teerband der Strasse schlängelt sich bis zum ersten Parkplatz. Dies ist eine der wenigen Teerstrassen im Süden Namibias, dank dieser ist es im Park nicht so staubig, ohne diese Strasse wären die Dünen im Dunst, den die vielen Autos aufwirbeln, wohl kaum zu sehen.

Ein ikonisches Namibia-Bild: Ein Oryx vor einer roten Sanddüne unter dem tiefblauen Himmel. Dazu einige wenige Kameldorn-Bäume, eine Akazien-Art, die in dieser Gegend sehr häufig vorkommt. Was die Oryx auf diesem ausgedörrten Boden zu fressen finden, würde mich sehr interessieren. Viel kann es wohl nicht sein. In Namibia wird oft Oryx serviert, dieses Fleisch stammt aber aus Zuchten, doch auch dieses enthält sehr wenig Fett.

Die Kante zwischen Luv und Lee der Dünen sind oft messerscharf. Diese hier ist hingegen ausgetreten, da einige Touristen am frühen Morgen auf diese Düne hochklettern und dies jeweils über die Kante tun.

Bei der berühmten Düne 45 gingen heute viele Wanderer hoch. So auch Paul, da es noch nicht allzu heiss war. Ich blieb unten, für mich ist der Aufstieg nicht möglich.

Paul kümmerte sich um das Grosse, ich in der Wartezeit um das Kleine. Rund um die Dünen gibt es immer viel zu entdecken. So auch diesen verdorrten Kameldornbaum, der wohl schon lange nur als Skelett hier steht.

Eine verdorrte Pflanze erzeugt am Boden etwas Windschatten, in welchem sich der Flugsand anlagert und so unter glücklichen Umständen zum Beginn einer neuen Düne werden kann. Noch sind es lediglich einige Sandkörner und bis zur ausgewachsenen Düne dauert es noch viele, viele Jahre. Aber alles hat einmal klein angefangen. Und der Wind hat unbeschränkt Zeit.

Im Sand entdeckte ich Spuren der nächtlichen Aktivitäten. Eine kleine Mausart, die hier über den Sand lief und ihre Fussabdrücke hinterliess?

Welches Tier hinterliess während der Nacht wohl diese Spur? Es müssen viele kleine Füsschen gewesen sein. Ein Tausendfüssler?

Bei diesen Mustern ist der „Schuldige“ schnell klar. Der Wind verziert die Dünen mit schönen Mustern, welche im Streiflicht der tief stehenden Sonne durch den erzeugten Schatten auffallen.

In einem noch lebendigen Baum traf ich auf einen Kestrel, ein Vertreter der Falkenfamilie, der gerade seine Füsse inspizierte. Von mir liess er sich in seinem Tun nicht ablenken, er war ja auf sicherer Höhe, unerreichbar für mich.

Hier wollte er mich wohl abschrecken, trotz seinem stechenden Blick und den bedrohlich gezeigten Krallen gelang es ihm aber nicht und sein Bild landet trotzdem im Internet.

Als ich mit meinen kleinen Dingen fertig war, hatte Paul auch sein grosses Ding geschafft, mindestens den Aufstieg. Nun ging es noch hinunter, was wohl ebenso mühsam ist, wie der Aufstieg. Die Temperatur steig zudem langsam an, sowohl jene der Luft als auch jene des Sandes.

Eine interessante Dünenformation ist hier zu sehen. Hinter den Dünen sind noch weitere Dünen und dies für etwa die nächsten 50 km bis hin zum Atlantischen Ozean. Zu Fuss ist diese Strecke wohl nicht zu schaffen und mit einem Auto nur unter den grössten Strapazen.

Die heisseste Zeit am Nachmittag verbrachte ich am Pool während Paul im Zimmer blieb. Am späteren Nachmittag fuhren wir nochmals aus und konnten noch einige Tiere in der Abendsonne fotografieren. Diese Gruppe von Oryx rastete während der heissesten Zeit im Schatten des Baumes, als die Sonne nicht mehr so stark brannte, kam Leben in die Gruppe. Gross und Klein machten sich auf den Weg zu den Weidegründen oder irgend einer Wasserstelle.

Den Schluss macht dieser Oryx, der hier zwischen den Steinen doch noch etwas Fressbares findet. Feiss wird er davon sicher nicht.
