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Restaurant Mandarin, Saigon, Vietnam
Das Restaurant Mandarin gilt als eines der besten Restaurants Vietnams. Warum also nicht meinen Geburtstag hier feiern?

Bereits das Gedeck versprach einiges ... . Schöne Teller, exclusive Stäbchen und eine vergoldete Schale für die Serviete. Wir entschieden uns für ein Menu, welches ab zwei Personen serviert wird. Zusätzlich natürlich eine Flasche guten Rotweins, diesmal schon als Vorfreude auf Kommendes einen Australier. Die Erfahrung mit einem vietnamesischen Wein rief nicht nach einer Wiederholung.

Eine „Spicy & sour Seafood soup in coconut“ mundete sehr gut. Die Kombination der Kokosnuss harmonierte ausgezeichnet mit der würzigen Suppe. Und was liegt ganz verschämt neben der von der äussersten Hülle befreiten Kokosnuss, richtig: Der nicht nur in der vietnamesischen Küche weit verbreitete Peterli durfte natürlich auch hier nicht fehlen.

Die „Mandarin Style Spring Rolls“ als nächster Gang waren nicht wie sonst in Asien üblich fritiert, sondern roh. Das Reispapier wurde kurz in Wasser eingelegt und dann mit Crevetten und Gemüse gefüllt. Die ungekochten Rolls schmecken ganz ungewohnt, zumal immer auch etwas frische Minze als Gewürz dabei ist. Die Gemüse sind nicht einfach achtlos auf den Teller geknallt, sondern zu wahren Kunstwerken geschnitzt. Zu schade, dass sie dann wegen Überangebot meinst im Abfall landen. Kein Peterli, sondern etwas Dill zur Dekoration!

„Shrimp in rice paper triangles“ waren für einmal nur ein kleiner Zwischenakt. Auch als Intermezzo liessen wir uns auch dies mehr als gefallen. Karotten mit Chili-Schoten zu Blumen geschnitzt. Peterli durfte natürlich auch diesmal nicht fehlen. Die Crevetten wurden auf einem Bananenblatt drapiert, was in Asien häufig so gemacht wird. Schön und völlig rückstandsfrei natürlich abbaubar.

Ein mir unbekanntes und eher geschmackloses Gemüse (Kürbis ?) wurde durch das Messer und die geschickten Hände des Kochen zu einem Drachenkopf. Die Illusion eines roten Auges wird durch eine kleine Scheibe einer Chilischote erreicht.

„Grilled chicken with cinnamon“. Lecker gebratene Stücken einer Pouletbrust wurden in mundgerechte Häppchen zerteilt, sie sind auf dem Teller begleitet von Vögeln, die aus einer Tomate und einem Lauch-ähnlichen Gemüse bestanden. Kein Peterli? Weit gefehlt, diesen vermeintlich unverzeihlichen Fehler macht kein guter Koch! Wozu besucht man denn sonst internationale Kochschulen?

Zur gegrillten Hühnerbrust wurde „Steamed Rice in Lotus Leaves“ serviert. Die Lotus-Blütenblätter hätten uns als Dekoration mehr als ausgereicht. Die noch grüne Samenkapsel des Lotus machte sich ebenfalls sehr gut. Nicht zum Verzehr gedacht, sondern lediglich schmucke Dekoration. Der Peterli wurde nicht mal durch den Schöpflöffel verdeckt. Dann wäre aber sogar dem Koch aufgefallen, dass er eigentlich völlig überflüssig ist.

Der „Steamed King Prawn with garlic“ entpuppte sich als veritable Crustacea. Lange Gliedmassen und ebensolche Fühler. Auch hier ist leider mehr als die Hälfte Abfall, da nicht geniessbar. Der geniessbare Teil des Schwanzes ist hingegen wirklich sehr, sehr schmackhaft. Natürlich auch hier wieder eine Peterli-Orgie.

Das Desert mussten wir zuerst hart verdienen. Eine Köchin kam extra aus der Küche, um die Abfacklung persönlich zu übernehmen. Die Flamme schoss recht eindrücklich in die Höhe und der Hitzeschwall brannte mir beinahe die noch verbleibenden Haare vom Kopf. Glücklicherweise nur beinahe, ich darf also weiterhin Geld für den Coiffeur ausgeben, Juhui!

Das fertige Kunstwerk, „Fresh Mango with rhum“ schmeckte nicht nur wegen des Rums sehr gut, auch die Glacé für einmal in Form einer Maus ergänzte die ganze Chose sehr gut. Dass dieser Gang ganz Peterli-los war, störte überhaupt nicht.
Insgesamt ein gelungenes Geburtstagsessen, nicht der sonst üblichen Routine folgend, sondern für einmal sehr speziell und von sich jagenden Überraschungen geprägt. Da die einzelnen Portionen eher klein waren, war die gesamte Mahlzeit dann doch nicht überaus sättigend. Den Peterli assen wir nicht, das wäre dann doch zuviel des Guten gewesen!
