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- Kategorie: Atlantik, USA und Mexico 14 - Teil 2 Route 66
Route 66 - Tag 9 - Gallup, NM - Williams, AZ: Ein Riesenloch als Vorbereitung für das andere

Nun bin ich wirklich wieder in meiner absoluten Lieblingsregion der USA: Der Südwesten, seit heute morgen in Arizona. Gigantische Himmel, die sich über endlose Landschaften spannen und ab und zu die Wolken, die den Himmel erst richtig zur Geltung bringen. Vier und mehr Diesellokomotiven schleppen Kilometer lange Züge in Richtung Osten und auch wieder zurück nach Westen. Die Hochebene liegt auf über 2000 m.

Der erste Stop galt heute einer kleinen Stadt im Osten von Arizona: Winslow. Offensichtlich an der Route 66, da kommt kein Zweifel auf! In der Innenstadt sind zwei, drei Strassen schön renoviert. In den übrigen Strassen herrscht leider viel Verfall, da in diesen abgelegenen Gebieten kaum Jobs zu finden sind und viele Junge abwandern.

Auch Winslow ist aus der populären Musik bekannt. Die Eagles sangen in „Take it Easy“ die Strophe „Standin’ on a Corner in Winslow, Arizona …“ (Youtube) und deshalb wird dieses Städtchen jährlich von tausenden Touristen besucht. Alle machen ein Bild von sich vor dieser Statue. Ausser mir.

Zwischen Winslow und der nächsten Station, Flagstaff, liegt ein interessantes Naturphänomen, der Meteor Crater. Ein eindrücklicher Krater, den vor 50’000 Jahren ein Meteorit in die sonst flache Landschaft geschlagen hat. In der Verlängerung der Strasse ist am Horizont der Rand des Kraters zu sehen. Man schätzt, dass er Eisen- / Nickelmeteor etwa 45 m Durchmesser hatte und mit einer Geschwindigkeit von knapp 42’000 km/h durch die Atmosphäre raste und schliesslich in die Ebene knallte.

Der Krater hat 1.2 km Durchmesser und eine Tiefe von 220 m. Da in dieser Gegend nur sehr wenig Niederschlag fällt, ist er kaum erodiert, auch nicht nach dieser langen Zeit. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts gab es Versuche, den Eisenkern des Meteoriten zu orten und diesen kommerziell zu nutzen, damals wurden die Eisenbahnen quer durch den Kontinent gebaucht und Eisen war sehr teuer. Allerdings wurde der Kern nie gefunden, heute nimmt die Wissenschaft an, dass der grösste Teil beim Einschlag verdampft sein muss.
Die NASA trainierte im Krater die Mondlandung, da die Oberfläche offensichtlich mit der erwarteten Beschaffenheit des Mondes vergleichbar war. Zudem gibt es auch Spinner, die heute noch glauben, dass die ganze Mondlandung in diesem Krater gefilmt wurde.

Das grösste Stück des Meteoriten ist im Visitor-Center ausgestellt, etwa einen Meter lang und 40 cm Umfang. Viele kleinere Stücke liegen in vielen Museen in der ganzen Welt. Für die Amerikaner ist dies natürlich der weltweit grösste vollständige Meteorit, offensichtlich kennen sie aber Namibia nicht. Dort trafen wir auf einer früheren Reise ein viel grösseres Stück.

Durch ein Loch in der Umfassungsmauer beim Visitor-Center zeigt sie der eindrücklich Vulkankrater bei Flagstaff, der San Francisco Peak, mit 3’850 m der höchste Punkt in Arizona.

Ausserhalb von Flagstaff auf dem Weg zu meinem heutigen Standort sah ich zum ersten Mal auf dieser Reise den Endpunkt der Route 66 angezeigt: Los Angeles. Bis dahin dauert es für mich aber noch einige Tage, da ich noch viel ansehen will.

Auf allen meinen früheren Reisen in den USA sah ich diese Verkaufslokale von Dairy Queen, war aber noch nie Gast in einem solchen. Heute wollte ich mal sehen, was das Angebot ist: Viele Glace, Frappés, Milchshakes und andere auf Milch basierende Produkte. Oft auch mit frischen Früchten hergestellt. Ich genoss ein Frappé mit Mango, sehr schmackhaft! Eine Erfahrung, die ich gerne wiederholen werde.

Williams ist eine kleine Stadt etwa 50 km westlich von Flagstaff. Dort suchte ich mir heute ein Hotel. Williams erhielt eine traurige Berühmtheit als letzte Stadt, die 1984 durch den Interstate vom Verkehr abgeschnitten wurde. Bei unserem ersten Besuch im Jahre 1987 in dieser Ortschaft waren wir enttäuscht, ziemlich herunter gekommen und praktisch nichts los. Dieses Bild hat sich stark geändert, viele Route 66 Fahrer steigen hier ab und sorgen so für einen ökonomischen Aufschwung.

Das letzte Bild sagt alles über meine Pläne für morgen Sonntag aus. Ein guter Startpunkt für das "bloody big hole", welches nur eine gute Fahrstunde im Norden von Williams liegt. Um 7 Uhr geht es morgen früh los, das Wetter soll wieder sehr schön sein.
