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- Kategorie: Bretagne 23
Carnac - Besuch bei Obelix und vielen grossen Steinen
In der Nähe des kleinen Küstenorts Carnac fanden die Archäologen unzählige Menhire, bei uns besser als Hinkelsteine bekannt. Diese wurden teilweise schon vor 5’000 Jahre vor unserer Zeitrechnung aufgestellt. Diese ungefähr 5’000 Steine stehen in parallelen Reihen über nahezu 4 km. Was genau deren Bedeutung war, ist nicht abschliessend erklärt. Von Mondkalender über Erntekalender bis hin zu religiösen Bauten gibt es allerhand Spekulationen. Meine Erklärung ist viel simpler: Es ist der Schauraum von Obelix, der hier seine Hinkelsteine den Interessenten zum Verkauf anbot.

Die meisten der Steine stehen heute innerhalb von eingezäunten Gebieten. Die Touristen können sie nur mehr von aussen fotografieren. Vor vielen Jahren war das noch anders, ich erinnere mich, dass wir damals frei zwischen den Steinen spazieren konnten.

Einzelne Steine sind eher klein, andere wiederum recht eindrücklich. Zwischen den Steinen gab es ab und zu Schafe, welche die Wiese auf natürliche Art gepflegt hielten.

Behauen sind die wenigsten der Steine, auch wenn dieser hier fast wie ein halbes Gesicht aufweist. Reiner Zufall.

Einige weitere der 5’000 Steine in der Gegend. Vom Boden aus lässt sich die reihenweise Anordnung nicht gut sehen. Die Reihen verlaufen immer von Nordost nach Südwest.

Im Internet fand ich eine gute Aufnahme, welche wohl mit einer Drohne gemacht wurde. So werden die Reihen gut sichtbar.

Der Géant du Manio steht etwas abseits der abgetretenen Touristenpfade mitten im Wald. Er ist über einen Wanderweg von 500 m erreichbar und misst gute 6 m. Damit ist er der grösste Menhir der Region Carnac. Seinen Namen erhielt er, da von einer bestimmten Stelle aus gesehen er fast ein Gesicht hat. Auch dies jedoch eher Zufall.

Ich dachte, was Obelix kann, kann der Willy auch. Doch auch mit noch soviel Kraftaufwand liess sich das Teil nicht bewegen. Dem Schwächling fehlt offensichtlich der Zaubertrank des Druiden. Und ohne Potion magique geht eben nicht viel. Da nützen auch die aufgeplusterten Backen nichts.

In der Nähe des grossen Obelisken liegt eine trapezförmige, mit kleinen Steinen eingefasste Struktur, die sogenannte „Quadrilatère“. Was genau deren Bedeutung war, ist nicht überliefert.

Der nächste Besuch galt dann noch einer prähistorischen Anlage in Locmariaquer, dem sogenannten Table-des-Marchands Tumulus. Die ganze Anlage besteht aus drei Strukturen. Zuerst einer grossen Steinanlage mit einem Grab in der Mitte. Dieses ist nicht besuchbar.

Der eigentliche Table des Marchands (Tisch der Händler) ist der Deckstein in dieser Grabanlage, einem sogenannte Dolmus.

An der Stirnseite im Innern steht eine gravierte Sandstein-Stele, welche für diese Gegend und Zeit sehr selten ist. Auch diese Anlage wurde vor etwa 6’000 Jahren erbaut.

Auch der Deckstein ist gigantisch. Er trägt wenige Verzierungen, welche aber mit meiner Ausrüstung nicht zu fotografieren waren. 5.70 m lang und bis zu 4.10 m breit. Er soll etwa 60 t schwer sein. Wie brachten die damaligen Baumeister dieses Monstrum dahin?

Um die Jahrtausendwende war der Deckstein noch freigelegt, erst zu Beginn des 20. Jhdt. wurde der Domen darum wieder aufgebaut. Der originale Dolmen wurde im Laufe der Jahrhunderte als Steinbruch genutzt und so landeten die meisten Steine in irgend einem Gebäude. Am Ende blieb nur noch der Deckstein zusammen mit einigen ihn stützenden Steinen stehen.

Den Abschluss des heutigen prähistorischen Tages machte noch der zerbrochene grosse Menhir. Er besteht aus Orthogneiss, welcher nur in gut 10 km Entfernung vorkommt. Mit 20 m Höhe muss es einen gigantischen Anblick geboten haben. Er soll einmal 320 t gewogen haben. Teile davon landeten in der Zwischenzeit ebenfalls in umliegenden Bauten. Unvorstellbar, wie die Arbeiter vor 7’000 Jahren die 320 t über diese Distanz transportierten und das Monstrum aufstellten!
