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- Kategorie: Winterreise 14 / 15 - 1. Etappe Südamerika
Tschau Chiloé
Mein Plan war zuerst, statt der normalen Strasse in der Mitte der Insel zu folgen, entlang der Küste zu fahren und so noch etwas vom Meer zu sehen. Die Küste sollte einige schöne Ausblicke bieten. So fuhr ich zuerst etwa 25 km zu einer kleinen Ortschaft im Osten von Chiloé, von wo aus die Küstenstrasse abzweigt. Doch zuerst der Reihe nach.
Die Palafitos, die Stelzenhäuser der Fischer, standen heute morgen wirklich auf Stelzen. Es war gerade Ebbe und so war der ganze Unterbau der Häuser exponiert. Sehr stabil sehen diese Stelzen in meinen Augen nicht aus …
Auch die Schiffe können ohne Wasser nicht schwimmen und liegen einfach auf der Seite. Was müssen die Fischer wohl vorkehren, damit ein Schiff diesen Wechsel der Lage zweimal pro Tag aushält? Was geschieht mit nicht verschlossenen Rumflaschen?
Auf dem Weg ans Meer bemerkte ich dieses Pferd, welches sich lieber ans karge Gras hält, statt die vielen saftig-grünen Rhabarber-ähnlichen Pflanzen zu fressen. Diese werden hier Nalca genannt, botanisch heissen sie Gunnera tinctoria; in der Umgangssprache auch Giant Rhubarb. Sie sind zwar mit unseren Rhabarber nicht verwandt, doch sehen sie ähnlich aus und werden auch ähnlich in der Küche eingesetzt. Teilweise werden die Pflanzen bis 2 m hoch! Die Blätter sind sehr rau, auch als Pferd würde ich diese nicht fressen.
Diesen Vogel sah ich öfter auf dieser Reise, leider konnte ich ihn nicht identifizieren, vermute aber, es handle sich um einen Falken. Diese Exemplar beobachtete mit Sperberaugen die kleinen Kücken, welche im Innenhof des Hauses umher spazierten. Plötzlich schnappte er eines und flog damit auf und davon.
Harmloser waren diese beiden Ibise, welche sich auf dem Torpfosten eines Fussballfeldes niederliessen. Mit ihren langen Schnäbeln stochern sie normalerweise im Boden nach Essbarem, meist wohl Würmer, Maden und ähnliches Getier.
Eine weitere Holzkirche, von denen es auf Chiloé sehr viele gibt. Giftgrün und rot passen für meinen Begriff nicht zusammen, entsprechend war die Kirche auch am heutigen Sonntag vollkommen leer. Die Drähte verunzieren leider auch dieses Bild, mich stören sie schon gar nicht mehr.
Einige Familien versammelten sich auf dem Dorfplatz und spielten mit den hier fest installierten Fitness-Geräten. In vielen Ortschaften Chiles sah ich solche Installationen, meist jedoch verwaist, wer trainiert schon gerne so ausgestellt in aller Öffentlichkeit?
Auch die Fischerboote hatten am Sonntag nichts zu tun, sie lagen an der Küste und warteten auf den kommenden Montag, wenn sie wieder in Einsatz kommen. Neben dem Zuchtlachs gibt es in diesen Gewässern noch viel mehr Fisch, der wild gefangen wird. Der meiste davon bleibt in Chile und wird in lokalen Restaurants serviert. Einige Sorten werden aber auch exportiert, zB. der Chilean Seabass, den ich abends in Puerto Varas genoss (Klick mich!).
Die lokale Polizeistation gab mir sehr gerne Auskunft über den Zustand auf der ungeteerten Küstenstrasse. 45 km relativ rauhe Strasse mit viel Wellblech und grossen Schlaglöchern würden mich erwarten. Dazu praktisch kein Verkehr. Ich entschloss mich deshalb, der normalen Strasse zu folgen, ich wollte nicht in der Mitte von Nirgendwo ohne Telefonempfang mit einer Panne liegen bleiben.
Von Chiloé geht es per Fähre zurück aufs Festland, die knappe halbe Stunde ging schnell vorbei und der Rest der Strecke war dann nur noch eine Schnellstrasse. Das Internet, welches sogar auf dem Schiff gratis verfügbar war, brauchte ich nicht, die Aussicht auf das Meer war viel interessanter.
