- Details
- Kategorie: Winter 19 / 20: Argentina
Unten durch nach Argentinien!
276 km trennten uns heute von unserem Hotel in Los Andes, Chile, bis zu unserem neuen Hotel in Mendoza, Argentinien. Dazwischen lagen die höchsten Berge sowohl der Süd- als auch der Westhalbkugel der Erde, die Andenkette. Wir mussten sie heute über- und unterqueren.

Die Strasse auf der chilenischen Seite windet sich an einer Stelle über mehr als 20 Haarnadelkurven in die Höhe. Unser Ausgangspunkt lag auf 690 m und bis zur Passhöhe auf 3’185 m waren es doch einige Höhenmeter.

Schon alleine beim Anblick der Kurven im Navi könnte einem schlecht werden. Glücklicherweise gab es heute nur wenig Verkehr, so dass wir unser Tempo fahren und nach Belieben anhalten konnten.

Kurz vor der Passhöhe verabschiedete sich Chile von uns. Die Grenze lag aber noch ein gutes Stück vor uns. Grenzformalitäten gab es hier keine, auch keinerlei Hinweis auf einen offiziellen Zollposten. An einem halbwegs offiziell aussehenden Haus fragte ich einen Mann, wo wir denn die Grenze überqueren müssten. Er meinte, das sei erst in 18 km soweit. Eine etwas bessere Signalisation wäre hier für alle wünschenswert.

Auf der Passhöhe liegt bei 3’185 m ein Tunnelportal, dessen Beginn noch in Chile liegt. Die Landesgrenze verläuft auf den Bergkämmen hoch über dem Tunnel. Durch diesen Tunnel ersparten wir uns heute einige Höhenmeter auf dem Weg in ein für uns beide neues Land!

Im Innern ist diese Landesgrenze gut zu sehen. Einerseits wechselt plötzlich die Beleuchtung, die in Chile mit weisslichem Licht sichergestellt wird, in Argentinien wiederum sind es die rötlichen Quecksilber-Dampf-Lampen. Auch der Strassenbelag wechselt die Qualität. Die Landesflaggen markieren zudem noch die genaue Stelle.

Auf der anderen Seite hiess uns die Republik Argentinien willkommen. Der Himmel war in dieser Höhe noch ziemlich bedeckt und die Temperatur lag bei knapp 9 Grad.

Die Landschaft auf dieser Seite sah anders aus. Statt einer gigantischen Treppenstufe erwartete uns hier ein weit ausladendes Tal, welches links und rechts aber immer noch von Schneebergen gesäumt war.

Ein Lastwagen hatte weniger Glück, bereits vor längerer Zeit kam er von der Strasse ab und legte sich auf den Bahngeleisen auf der Seite zur Ruhe. Die Bahn fährt nicht mehr, obwohl an vielen Stellen noch Tunnels und Geleise sichtbar sind.

Der Aconcagua - der kleine Gipfel auf dem Schneeberg hinten links im Bild - misst als höchster Berg der Andenkette 6’961 m. Auch wenn er in seinem Teil der Welt ein Gigant ist, gibt es noch 187 höhere Berge in Asien! An einer Stelle ist er von der Strasse aus zu sehen, einen besseren Blick gäbe es, wenn man noch etwa 15 km auf einer Staubstrasse zu ihm hinfahren würde. Wir liessen es heute bei diesem Bild bleiben.

Bald danach kamen wir am fast leeren Zollgebäude an. Die Dokumente waren sehr schnell abgefertigt. Der Beamte auf der linken Seite vertritt Chile, der eher mürrische Herr auf der rechten Seite ist für Argentinien zuständig. Beide arbeiteten sehr speditiv und bereits nach wenigen Minuten waren wir wieder unterwegs.

Der Fluss, der sich hier in die Landschaft sein Bett eingegraben hat, heisst Mendoza, genau gleich wie unser nächstes Ziel. Er führte heute nur wenig Wasser, die Breite des Flusslaufs zeugt aber von ganz anderen Zeiten. Je weiter wir von den Bergen wegkamen, desto blauer wurde der Himmel und die Temperatur stieg mit jeder Kurve an.

Ein weiterer Zeuge der Eisenbahn ist diese nun funktionslose Brücke. Ähnliche Konstruktionen gab es viele auf dem Weg, offenbar lohnt es sich nicht einmal, diese abzubauen.

Immer weiter öffnete sich das Tal, die Berge rückten zur Seite und die Wolken taten es ihnen gleich.

An einer Stelle wollte ich einen Blick zurück zu den Bergen fotografieren und gerade, als ich auf den Auslöser drücken wollte, sah ich diesen Mann, der mit einer Fischerrute ausgerüstet war. Woher und wohin er wohl unterwegs war?

Genau wie in Chile gibt es auch hier den Brauch, dass bei Unfall-Orten kleine Gedenk-Kapellen errichtet werden und den Verstorbenen gefüllte Wasserflaschen auf den Weg mitgegeben werden. Hier waren es ausnehmend viele Flaschen, was auf einen grösseren Unfall hindeutet.
