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- Kategorie: Winter 19 / 20: Chile
Rundfahrt rund um Santa Cruz - wieder Demos

Als wir heute Morgen zum Frühstück gingen, war ein älterer Mann schon daran, den Rasen bei unserem Hotel zu manikürieren. Er verwendete dazu ein Messer und schnitt damit Wurzeln von diversen Unkräutern aus dem Boden. Eine mühselige Arbeit, das Resultat spricht aber für ihn.

Wir machten uns dann auf den Weg nach Curicó, einer Stadt mit einem schönen zentralen Platz im Zentrum. Der Weg auf Nebenstrassen führte uns durch eine schöne Gegend, hier wird viel Wein angebaut. Die Gegend rund um Santa Cruz heisst Colchagua Tal und gilt als eine der besten Weinregionen Chiles. Heute wollen wir beim Nachtessen etwas davon mitbekommen.

Die Plaza de Armas in Curicó liegt in der Mitte der Stadt, sie gilt als eine der schönsten Plazas in Chile. Angeblich 60 grosse kanarische Palmen stehen zusammen mit anderen Bäumen im Park. Ebenfalls gibt es hier einen Musikpavillon, wo ab und zu ein Orchester spielt und die Einwohner dazu im Park tanzen. Heute war davon nichts zu sehen. Den Chilenen ist es in diesen unruhigen Zeiten nicht ums Tanzen.

An einer der Säulen des Pavillons hing ein Plakat mit dem Portrait eines jungen Mannes, welcher vor wenigen Tagen hier von der Armee während der Proteste getötet wurde.

An einigen Häusern sahen wir Plakate mit dem Slogan „No estamos en guerra“ - Wir sind nicht im Krieg. Und dazu ein Aufruf „ En Curicó estamos unidos! - In Curicó stehen wir zusammen! Das auch als Reaktion auf den Spruch des Präsidenten, dass die Demonstrationen ein Kriegsakt seien.

Die Iglesia La Matriz steht am einen Ende des Parks. Sie hat ein seltsames Aussehen. 1985 wurde sie von einem Erdbeben stark beschädigt, aber wieder in Stand gestellt. Ein weiteres, stärkeres Beben gab ihr 2010 schliesslich den Rest. Heute stehen nur noch die Fassade und ein Teil der Seitenmauern.

Direkt hinter der Frontfassade liegt ein heute leerer Innenhof, die Reste der Kirchenstruktur sind noch gut sichtbar. Man liess die Front absichtlich stehen. Sie lässt immer noch einen Eindruck der ehemaligen Grösse erkennen.

Die eigentliche Kirche wurde neu und sehr modern gebaut, Teile der Seitenwände sind noch original, alles andere ist neu. Mir gefällt die gelungene Symbiose von altem Gemäuer und sehr modernem Innenleben, auch wenn ich das Gebäude in seiner zugedachten Funktion in meinem Leben nicht brauche.

Gerade als wir aus der Kirche wieder ins Freie traten, kam ein Protestzug mit riesigem Lärm daher. Auf Plakaten wurde einmal mehr der Präsident zum Verschwinden aufgefordert. Seit nunmehr sieben Tagen demonstrieren die Chilenen auf den Strassen und gemäss den Medien bewegt sich die Obrigkeit nicht. Immerhin war heute weder Polizei noch Armee zu sehen.

Offenbar glauben die Leute auch den Berichten der Fernsehstationen nicht mehr, „La TV miente“ - Das TV lügt, weist darauf hin. Dieser Umzug wurde von vielen Arbeitern angeführt, später folgten auch hier Eltern mit ihren Kindern und viele Jugendliche. Der Umzug fand um die Mittagszeit statt. Auch heute wieder galt ein nationaler Streik, welcher aber von den meisten Geschäften nicht befolgt wurde. Auch die Banken waren, soweit wir das beurteilen können, geöffnet.

„Los Delincuentes están en la Moneda“ - Die Gauner sind in der Moneda, zeigt, was die Bevölkerung von der aktuellen Regierung hält. Die Moneda ist der Präsidentenpalast in Santiago de Chile. Wie lange die wohl dort noch ausharren?

Im Park steht eine aus einem grossen Baumstamm geschnitzte Statue von Toqui Lautaro, einem Häuptling der Mapuche-Indianer, der Ureinwohner dieser Gegend. Er war der Anführer im Kampf der Mapuche gegen die Spanier, wurde aber im April 1557 von den Spaniern gefangen und getötet. Damit war dieser Aufstand beendet und die Spanier waren die unangefochtenen Herren im Land.
