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- Kategorie: Winter 18 / 19: 2. Etappe Namibia mit Ruth
Ein interessantes Hotel zum Abschluss des heutigen Tages

Unsere gestrige Lodge lag innerhalb eines privaten Game Reserves. Im Gebiet leben auch Eland-Antilopen, die hier eher an Autos gewöhnt sind und deshalb nicht ganz so scheu sind, wie in anderen Gegenden. Diese beiden sind noch jüngere Tiere, zeigen aber schon die arttypischen Gehörne. Ausgewachsen ist Afrikas grösste Antilope noch um einiges imposanter.
Wir waren heute auf dem Weg zum Fish River Canyon, unserem Ziel für den morgigen Tag. Keetmanshoop war die einzige grössere Stadt auf dem Weg und selbstverständlich statteten wir ihr einen kurzen Besuch ab. Die grösste Attraktion der Stadt liegt jedoch etwa 17 km ausserhalb.

Der Köcherbaumwald ausserhalb von Keetmanshoop ist kein eigentlicher Wald, es stehen auf recht begrenztem Raum aber mehrere Dutzend der Köcherbäume. Diese Aloe Art heisst Aloe dichotoma, da sich jeder Ast in immer zwei weitere Äste teilt. Ein echt digitales Gewächs!

Weitere Bäume derselben Art wachsen inmitten der schwarzen Steine. Bei unserem Besuch um etwa 15 Uhr lag die Luft-Temperatur bei 38°, die Steine waren noch viel heisser. Dass hier noch Pflanzen wachsen können, ist immer wieder beeindruckend!

Der rechte Baum im obigen Bild wächst über einen Stein, es sieht fast so aus, als ob ein Mann auf dem Stein sitzen würde. Der Stein fühlte sich wie eine heisse Herdplatte an, der Aloe ist dies aber offenbar egal.

Der ‚Wald‘ ist eher eine Ansammlung von verteilten Bäumen. In den Steinen leben auch Klippschleifer (Hyrax), von den wir heute aber lediglich zwei mumifizierte Exemplare sahen. Offenbar war es auch den noch lebenden putzigen Tierchen zu heiss und sie blieben in ihren Bauten.

Ich buchte im Mai ein Hotel auf dem Weg von Keetmanshoop zum Fish River Canyon. Das Hotel Seeheim liegt an der Bahnlinie von Keetmanshoop nach Lüderitz, es sah im Internet interessant aus; ein grosses Haus wie eine Burg in einem Tal. Die Kritiken waren ebenfalls gut. Als wir heute in die Nähe kamen, sahen wir, dass das Haupthaus ausgebrannt war. Wir fuhren trotzdem zum Hotel und meldeten uns an der Rezeption.
Die nette Dame teilte uns mit, dass eine ehemalige Angestellte beim Stehlen von Geld ertappt und angezeigt wurde. Sie kam in Haft, wurde aber bald wieder gegen Kaution freigelassen. Sie kehrte umgehend zurück und zündete das Hotel an, 15 Zimmer im Haupthaus brannten vollständig aus. Der Eigentümer war offenbar so unterversichert, dass er nun einen Grossteil des Schadens selber berappen muss. Zurzeit sind einige der Zimmer in den Nebenhäusern unversehrt, auch das Restaurant und die Küche funktionieren. Wir entschlossen uns deshalb, trotzdem zu bleiben.

Ein Teil der Elektroinstallation verbrannte im Gefolge des Brandes ebenfalls. Als uns die Empfangsdame unser Zimmer zeigte, entschloss ich mich, nochmals einige 100 m zurück zu fahren, um ein besseres Bild der Ruine zu schiessen. Die Empfangs-Dame meinte offenbar, wir würden wieder abreisen und war dann ganz erstaunt, als wir nur drei Minuten später wieder auftauchten.
Die nette Dame erzählte uns später beim Bier noch, dass der Eigentümer zur Zeit gerade in Windhoek sei, wo er sich in einem Spital vier Bypässe setzen lassen müsse. Auch dies ohne Versicherung, die Kosten dafür beliefen sich auf etwa 50 K€. Keine guten Aussichten. Die wenigsten Weissen in Namibia hätten eine Versicherung, da diese sehr teuer sei. Die Schwarzen seien nahezu alle unversichert.

Der Graupapagei ist ein wichtiger Teil der Tiere des Hauses. Er heisst Omaruru, wird aber von allen einfach Parrot genannt. Fliegen kann er nicht, da ihm laufend die Flugfedern gestutzt werden.
Ich erfuhr noch, dass die Bahnstrecke von Keetmanshoop über Aus bis hinunter an den Atlantik bei Lüderitz seit drei Monaten wieder offen sein soll. Bei meinem letzten Besuch in Lüderitz erfuhr ich, dass schon einige Jahre früher eine Düne die Strecke blockiert hatte und die Reparatur wohl noch etwas dauere. Planmässige Zuge verkehren aber immer noch keine.
