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- Kategorie: Winterreise 17 / 18 - 3. Etappe: Australia 17 / 18
Alice Springs, West MacDonnell Ranges
Nachdem wir uns gestern die East MacDonnell Ranges ansahen, war heute der westliche Teil der Bergkette auf unserem Programm.

Ein erster Stopp galt dem Simpsons Gap, einem weiteren Durchbruch durch die Kette. Im Bachbett führt ein Weg in die Schlucht, neben einigen grossen Steinbrocken trotzen hier auch stattliche Eukalyptus den gelegentlichen Wassermassen. Ein wenig Wasser stand auch heute noch am Grund der Schlucht.

Die Hauptattraktion des Gap ist aber nicht die Schlucht, sondern sind die wenigen hier lebenden Black-footed Rockwallabies. Diese kleinen Tiere sind schwierig zu fotografieren, als dann noch die lange Linse im Auto blieb, war es umso schwieriger. Glücklicherweise waren heute nur wenige Wanderer unterwegs, so dass sich die scheuen Tiere zeigten. Auf diesem Suchbild ist ein einzelnes Tier zu sehen.

Einfacher zu fotografieren war dieser Lizard, der überhaupt nicht scheu war. Vom Kopf bis zur Schwanzspitze misst er gute 30 cm, wobei der Schwanz fast zwei Drittel der Länge ausmacht. Die schwarz-gelbe Färbung lässt ihn gefährlich erscheinen, für uns Menschen jedoch ist er absolut harmlos. Anders sieht es hingegen für Ameisen und andere kleine Insekten aus, denn diese zählen zu seiner Diät.

Die zweite Anlaufstelle war der Stanley Chasm, eine weitere Schlucht im Gebirge. In dieser Gegend leben noch einige der seltenen MacDonnell Cycads, Diese Pflanzen zählen zu den ältesten Pflanzen auf unserem Planeten. Vor 200 Millionen Jahren teilten sich diese die Erde mit den Dinosauriern. Letztere starben aus, die Cycads leben noch heute und lassen uns zwischen sich herumspazieren.
Die Pflanzen haben einen interessanten Lebenszyklus: Ein kleines Insekt, Cycadothrips albrechti lebt in den männlichen sogenannten Zapfen. Alle paar Jahre werden diese vom starken Geruch der reifen männlichen Pollenkörper angezogen und fressen den Pollen. Die weiblichen Fruchtkörper verströmen zu dieser Zeit einen noch intensiveren Geruch und ziehen so die Insekten an und werden so bestäubt. Das Alter einiger der Pflanzen in dieser Gegend werden auf bis zu 1’000 Jahre geschätzt. Die nächsten Verwandten dieser Pflanzen leben gegen 1’400 km entfernt im Norden Australiens. Eine faszinierende Geschichte!

Der Stanley Chasm ist ebenso faszinierend: Die enge Schlucht liegt in einem Grundgestein, welches etwa 2.2 Milliarden Jahre alt ist. Der Spalt entstand nicht durch einen Fluss, feine Risse im Gestein wurde durch aus der Tiefe aufsteigendes Gestein auseinander gedrückt. Im Laufe der Jahrmillionen entstand die enge Schlucht, als das weichere aufgestiegene Gestein weg-erodiert wurde.

An der engsten Stelle ist der Spalt nur knapp zwei Meter breit. Glücklicherweise ist noch genügend aufgestiegenes Material vorhanden, so dass sich der Spalt heute nicht geschlossen hat und wir die Stelle unbeschadet verlassen konnten.

Als wir wieder bei unserem Camper ankamen, wurden wir von zwei schwarzen Raben begrüsst, welche in der Zwischenzeit auf unser Fahrzeug aufgepasst hatten.

Zurück auf dem Campground traf mich fast der Schlag: Eine deutsche Reisegruppe kam mit dem Rollenden Hotel an. Ein roter Bus, in dessem vorderen Teil die Gäste während des Tages sitzen, im hinteren Teil gibt es sarg-ähnliche Kabinen, in welchen die Passagiere die Nacht verbringen. Die meisten Gäste waren schon im fortgeschrittenen Alter, sie üben vielleicht schon? Ich sah diese Reisegruppen schon auf allen Kontinenten, zum ersten Mal 1984 in Marokko und dann immer wieder. In den meisten Fällen hatten die Reisebusse deutsche Nummern, hier in Australien ist dies offenbar nicht erlaubt, sie fahren mit Nummernschildern aus SA, South Australia. Ich kenne lediglich eine Person, welche schon so reiste. Sie bezeichnet es als "Erfahrung".
