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- Kategorie: Winterreise 17 / 18 - 1. Etappe: Namibia 17 mit Paul
Vom Mahnfinger zur Galerie

Als wir von der Vingerclip Lodge losfuhren ergab sich heute ein schöner Blick zurück auf einen Tafelberg und rechts davon die Vingerclip. Aus der Distanz und im Vergleich zum Tafelberg wirkt sie gar nicht so gross.
Unser nächstes Ziel hiess Twyfelfontein, eine grosse Open-Air-Kunstausstellung in der Wüste. Bis dahin waren aber noch einige km zu fahren. Ab und zu musste Paul aussteigen und ein Tor öffnen sowie nach der Durchfahrt wieder schliessen. Die Aufforderung in Afrikans war für einen Schweizer gut zu verstehen, auch ohne den englischen Text zu übersetzen.

Unterwegs bemerkte ich diese seltsame Pflanze, welche an eine Rübe erinnert, die ausgerissen und verkehrt herum wieder eingepflanzt wurde. Es handelt sich um einen Vertreter der Moringa-Familie, die genaue Art kenne ich nicht. In Deutsch werden diese Pflanzen Mehlsack-Baum genannt. Es gibt Vertreter der Familie, bei denen der Name schnell klar ist, dieses Modell stellt einen eher seltsamen Sack dar.

Die Damara, die ortsansässige Bevölkerung, baut traditionell mit Adobe. Dazu wird zuerst ein Gerüst aus Holzstäben gebaut, dieses dann mit Stoh ausgekleidet und schliesslich mit Lehm überzogen. Eine gute Isolation sowohl gegen Kälte als auch gegen Hitze. Die Blechdächer sind eher unpraktisch, diese sorgen nur für Hitze und Kälte. Das grösste Problem ist hier nahezu keines: Bei Regen verursacht das Dach einen Höllenlärm!

Ein Holländer betrieb in diesem Talkessel einige Jahre Landwirtschaft. Die Quelle unter dem Blechdach hinten links versprach etwas Wasser, leider aber nicht konstant, so dass er den Betrieb bald wieder aufgeben musste. Er nannte die Quelle Twyfelfontein, zweifelhafte Quelle. Der Name blieb erhalten und steht mittlerweile für ein Weltkulturerbe.

In dieser Geröllhalde verbergen sich mehr als 2’500 Gravuren im Sandstein. Das genaue Alter ist nicht bestimmbar, da für die Gravuren keine Farben verwendet wurden und Stein lässt sich kaum zuverlässig datieren. Es wird aber spekuliert, dass die meisten Figuren mehrere Tausend Jahre als seien.

Sehr gut sind einzelne Tiere zu erkennen. Zebras, Nashörner und auch Fussspuren von Tieren sind hier dargestellt.

Giraffe, Oryx und auch Menschenfüsse sind hier zu erkennen. Die Künstler konnten die Figuren nur in den Stein ritzen, wenn die Platte frisch exponiert war. Sobald der Sandstein vollständig getrocknet war, konnte er nicht mehr bearbeitet werden.

Giraffen, Springböcke, Oryx sowie ein Strauss sind hier abgebildet. Der Strauss ist sehr interessant, es ist eine Art Trickfilm vom trinkenden Tier. Vermutlich einer der ersten Trickfilme weltweit! Im nächsten Bild habe ich die einzelnen Stellungen des Kopfes nachgezeichnet, um die Sequenz zu veranschaulichen.

Der Kopf ist in vier Stellungen gezeichnet: Zuerst ganz unten und am Schluss wieder ganz oben. Vielleicht aber auch in umgekehrter Reihenfolge.

Neben Giraffen, Rhino und Springböcken sind hier noch zwei weitere Tiere dargestellt, welche die Künstler in dieser Gegend sicher nicht angetroffen haben: Ganz rechts aussen ist eine Robbe dargestellt, diese kommen nur etwa 100 km östlich am Atlantik vor.

Auf derselben Platte links aussen ist schliesslich ein Pinguin zu sehen, diese Tiere finden sich heute bei Lüderitz, viele hundert km südwestlich. Es kann sein, dass diese in früherer Zeit auch nördlicher zu finden waren, auf jeden Fall aber viele km westlich am Atlantik. Diese beiden Darstellungen zeigen, dass die nomadischen Künstler grosse Strecken auf ihren Wanderungen zurück legten.

Ein weitere schöne Platte ist dieser Zoo: Giraffe, Gazellen, Oryx, Nashorn sowie ein grosser Löwe, der irgend etwas in der Schnauze trägt, ein Beute- oder ein eigenes Jungtier? Die Künstler können leider nicht mehr befragt werden.

In der Nähe gibt es noch sogenannte Orgelpfeifen, Basaltsäulen, die schön freigelegt sind. Als Grössenvergleich muss hier Paul hinhalten.
