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- Kategorie: Winterreise 17 / 18 - 1. Etappe: Namibia 17 mit Paul
Da platzte eine grosse Blase!
Den Fish-River Canyon liessen wir heute hinter uns und fuhren weiter nach Norden in die Wärme, ja Hitze. Ein langes Stück unserer Reise bis kurz nach Mariental führte über Staubstrassen, lediglich etwa ein Drittel sollten wir auf einer Teerstrasse zurücklegen.

Die Strasse folgte über weite Strecken der Eisenbahn von Windhoek über Keetmanshoop bis nach Lüderitz. An einigen Stellen musste die Bahn einen Fluss überqueren, so wie hier mithilfe einer Brücke.

Unser erster Halt galt Keetmanshoop, einer Stadt, in welcher wir vor dem Ausflug nach Lüderitz und in den Süden schon mal übernachtet haben. Diesmal hatten wir etwas mehr Zeit und schauten uns die Innenstadt etwas genauer an. Das 𝔎𝔞𝔦𝔰𝔢𝔯𝔩𝔦𝔠𝔥𝔢 𝔓𝔬𝔰𝔱𝔞𝔪𝔱 zeugt noch von der deutschen Kolonialherrschaft. Heute beherbergt das Gebäude die Touristeninfo.

Die politische Kolonialherrschaft mag vorbei sein, die kommerzielle hält immer noch an. Spar-Filialen gibt es im ganzen Land immer wieder. Auch halten Kentucky Fried Chicken langsam Einzug. Lediglich Pauls Favoriten Aldi und Lidl haben es noch nicht hierher geschafft.

Ein hübsches kleines Guesthouse in einer Seitenstrasse bot Illy-Kaffee an, gerade richtig für einen Unterbruch der Fahrt. Der doppelte Espresso schmeckte sehr gut!

Die afrikanische Farbwahl erstaunt mich immer wieder: Hier ist es Gelb mit Ocker und Frosch-Grün bei der Waldorf-Bäckerei, dazu die braunen Klinkersteine. Eine schweizerische Baukommission erlitte einen massiven Herzinfarkt, würde ein Bauherr solche Farben anbringen wollen. Hier passt es irgendwie.

Mit einem kleinen Umweg konnten wir uns heute eine geologische Besonderheit ansehen: Der Brukkaros sieht aus der Ferne wie der Rest eines Vulkankraters aus. Die ganze Gegend ist nahezu komplett flach, dann ragt plötzlich dieser Berg aus der Ebene. Was anderes als ein ehemaliger Vulkan wird es wohl sein?

Beim Näherkommen sieht es immer noch wie eine vulkanische Caldera aus, die schon stark erodiert ist, oder deren Spitze weggesprengt wurde. Zwar hat diese Formation mit Vulkanismus zu tun, es handelt sich aber nicht um Reste eines Vulkans. Vielmehr stieg vor etwa 80 Mio. Jahren eine grosse Magmablase aus der Tiefe auf und heizte das Grundwasser in den darüber liegenden Erdschichten so stark aus, dass sich der entstehende Dampfdruck mit einer gigantischen Expolsion den Weg ins Freie suchte. Das Magma selber vermochte die unter dem Wasser liegenden Schichten nicht zu durchdringen, sondern erkaltete langsam wieder. In der Gegend rund um die geplatzte Blase fanden Geologen keinerlei vulkanisches Gestein, nur die Reste der Erdschichten rund um den heute noch zu bestaunenden Berg, der etwa 600 m über die umliegende Landschaft aufragt.

Aus der Nähe zeigt sich der Ausfluss aus dem Innern wo sich das Wasser einen Weg gesucht hat. Nur zu gerne wäre ich beim grossen Rums dabei gewesen, es muss ein gigantisches Schauspiel gewesen sein! Lieber aber in einem sicheren Bunker.

Zwei mal überquerten wir heute auf unserer Fahrt zum und vom Krukkaros den Fish-River. Hier führt er nurmehr ein kümmerliches Wässerchen. Diese Furt wäre auch mit einem normalen PW zu befahren gewesen.
Nun sind wir etwas nördlich von Mariental in einer hübschen Lodge, ein idealer Zwischenstopp auf unserer Weiterreise nach Swakopmund.
