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- Kategorie: Winterreise 17 / 18 - 1. Etappe: Namibia 17 mit Paul
Von der Wüste zum Fluss und zurück
Als ich heute morgen in Lüderitz erwachte, war der Himmel grau. Eine dicke Hochnebelschicht verdeckte die Sonne und liess heimatliche November-Gefühle aufkommen. Nur die Temperatur von 14° stimmte nicht ganz. Auf etwa halbem Weg bis Aus zeigte sich die Sonne und die Temperatur stieg langsam von 14° auf bis zum 34° am späteren Nachmittag.
Die ersten etwa 200 km fuhren wir heute auf Teerstrassen, da in einem Gebiet rund um Rosh Pinah Zink entdeckt wurde. Von hier aus werden jedes Jahr um die 150’000 t nach Lüderitz verschifft, von wo aus dieses dann zu den Hochöfen verschifft wird. Die Teerstrasse vereinfacht den Transport mit Lastwagen und vermindert die Staub-Produktion bei dem vielen Verkehr.

Anschliessend jedoch folgte unsere Strasse dem Oranje-River, dem Grenzfluss zwischen Namibia und Südafrika. Eine kurvenreiche Staubstrasse, die uns aber immer wieder mit fantastischen Ausblicken belohnte. Die ganze Gegend hier wirkt wie ein Abfallhaufen der Erdgestaltung. Alles, was anderswo übrig blieb, wurde hier abgeladen. Bevor die Strasse den Fluss erreicht, gibt es kaum Vegetation.

Das Bild änderte sich schlagartig, sobald wir den Fluss erreichten. Sogar Schilf wächst mitten in der Wüste!

Immer wieder wird der Fluss von Stromschnellen blockiert, die Breite des Flussbetts zeigt auf, wie viel Wasser hier zu gewissen Zeiten vorbei fliesst. Wenn der Fluss viel Wasser führt, ist die Strasse gesperrt. In Blickrichtung auf der linken Seite des Oranje liegt Namibia, rechts ist Südafrika. Der Fuss fliesst von links nach Rechts, hin zum Atlantischen Ozean. Und dieser jetzt gerade kümmerliche Fluss soll all die Diamanten ins Meer getragen haben? Er hatte dazu viel Zeit und die Regenfälle sind zeitweise sicher massiv.

Die Felsen am Grund des Flusses sind vom vielen Geschiebe im Laufe der Zeit glatt geschliffen worden. Auch sie Zeugen von grosser Aktivität zu anderen Zeiten.

Der Fish-River mündet hierin den Oranje, nachdem er den gleichnamigen Canyon geschaffen hat. Er muss sehr viel Geschiebe mitgebracht haben, was wir am späteren Nachmittag noch feststellen werden.

Immer wieder bin ich von offen da liegenden geologischen Formationen fasziniert. So auch von diesem Berg, der vermutlich jüngeren vulkanischen Ursprungs ist. So ohne bedeckende Vegetation lieg die Struktur offen zu tage, sie zeugt von massive Aktivitäten.

Als wir in die Nähe des südlichsten Punktes unserer Reise bei Aussenkehr kamen, zeigten sich auf der rechten Seite am Fluss die ersten Reben, welche hier mitten in der Wüste angebaut werden. Auf der linken Seite liegt eine Bergformation, welche fast wie die Kurfirsten aussehen.

Die Rebberge (wie nennt man diese in der Ebene?) sehen etwas unwirklich aus, vor allem, wenn man sich den Ort vor Augen führt. Mitten in einem der trockensten Gebiete Afrikas gedeihen saftig-grüne Reben! Das Wasser des Oranje vollbringt Wunder.

Wir machten uns am späteren Nachmittag noch auf zum Fish-River-Canyon, um etwas des Abendlichtes mit zu bekommen. Mitten in den Steinen blühen gerade viele dieser weissen Blümchen, vermutlich eine Zwiebel-artige Pflanze, welche nach den kürzlichen Regenfällen überall zwischen den Steinen hervorschauen.

Es ist verboten, für eine Tageswanderung in den Canyon hinunter zu steigen, genauso wie auch einfache Wanderungen innerhalb des Canyon Gebietes. Offenbar wird es unten im Canyon zu heiss und die Behörden haben Angst, dass sich jemand unten verirrt. Schlechte Presse wegen toten Trotteln will niemand! Geführte Wanderungen werden zeitweise angeboten.

Die Ost-Seite des Canyons wird am Abend von der bald untergehenden Sonne beleuchtet. Ganz unten gibt es noch etwas Restwasser, fliessende Strömung ist aber keine mehr auszumachen. Der Wasserlauf trocknet bis zu den nächsten Regenfällen flussaufwärts langsam ein.

Eindrücklich, wie sich der Fluss hier ins Plateau hineingefressen hat! Der Fish-River mändriert richtiggehend um die einzelnen Fels-Inseln herum. Bis diese Tiefe erreicht wurde, fiel viel Geschiebe an.
