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- Kategorie: Winterreise 17 / 18 - 1. Etappe: Namibia 17 mit Paul
Lüderitz und das Diamanten-Sperrgebiet

1908 fand ein Arbeiter im Sandboden einen seltsam glitzernden Stein und brachte diesem seinem Chef. Jener erkannte sofort, um was es sich handelte: Ein Rohdiamant! Die Stadt Kolmanskopp entstand innerhalb kürzester Zeit rund um die Fundstelle, hier siedelten sich die Diamantensucher an. Die deutsche Kolonialregierung liess den ganzen Küstenstreifen von Lüderitz bis zum Oranje-River, dem Grenzfluss zwischen Namibia und Südafrika für jedermann sperren. Daher der Name Sperrgebiet für die insgesamt 26'000 km2, welche noch heute nicht zugänglich sind. Nur mit einer Spezialbewilligung ist der Zutritt möglich.
Das besondere mit den Diamanten in diesem Sperrgebiet ist, dass diese einfach auf dem Boden liegen und nicht erst aus tiefen Schächten gehoben werden müssen. Die Diamanten entstehen in Vulkanschloten tief in der Erde und müssen an anderen Orten bergmännisch gehoben werden. Die Diamanten im Sperrgebiet wurden ursprünglich vom Oranje-River ausgewaschen und ins Meer transportiert. Zusammen mit dem Sand verfrachtete die Meeresströmung die Diamanen in Richtung Norden und dort blies sie der Wind zusammen mit dem Sand aufs Land, wo sie Dünen bildeten. Je weiter weg von der Oranjemündung Diamanten gefunden werden, desto kleiner sind diese.
Innerhalb von nur 6 Jahren wurden rund um Kolmanskopp eine Tonne (!) Diamanten aufgelesen! 90% davon in Schmuckstein-Qualität und nur 10% als Industrie-Diamanten. Bereits 1929 zogen die ersten Diamantensucher in den Süden zur Mündung des Oranje, weil dort die grösseren Diamanten gefunden wurden. Kolmanskopp wurde aber erst 1956 definitiv verlassen und dem Verfall überlassen. Heute kann die Stadt besichtigt werden, es braucht dazu aber eine Bewilligung der Diamantengesellschaft.

Einige der Häuser sind noch in bemerkenswert gutem Zustand. Die Luft ist äusserst trocken, nur der Sand verschüttet die Häuser ganz langsam.

In einem Haus wird der Besucher auf die Schlangen hingewiesen, welche in der Gegend leben. Mich faszinierte mehr die Aufforderung, die Türe zu zu hauen …

Dünen werden die Häuser wohl in einigen Jahren zugeschüttet haben, sofern der Sand nicht laufend weggeschaufelt wird. Gleichzeitig macht aber der Sand auch den besonderen Reiz der Landschaft aus.

In einigen Häusern füllen die Dünen schon ganze Zimmer. Hier blieben vom einstigen Dach nur noch einige Latten, welche ein schönes Muster auf den Sand zeichnen.

Einige Idioten-Touristen zeichnen ihre Namen auf den Verputz der Wände, welcher die Jahrzehnte relativ unbeschadet überstand. Wie doof muss man sein, wenn man glaubt, sich auf diesen historischen Wänden verewigen zu müssen?

Viele Gegenstände wurden aus den Häusern geklaut, diese Badewanne war dazu vermutlich zu schwer, also blieb sie einfach liegen. Das Haus ist das ehemalige Lehrer-Wohnhaus, welches nicht betreten werden darf, zu unsicher sind die Wände!

Anschliessend an die Diamanten-Geschichte machten wir eine kleine Rundfahrt auf der Halbinsel, auf welcher Cape Diaz liegt. Der portugiesische Seefahrer Bartholomeus Diaz betrat hier als erster Europäer am 25. Juli 1488 den Boden der Lüderitz-Bucht. Auf einem Granitfelsen errichtete er ein Kreuz zur Erinnerung.

Auf dem Weg zum Cape führte uns die Piste an einer Lagune vorbei, in welcher Flamingos im Wasser nach Nahrung suchten.

Die hübschen Vögel lassen sich von recht nahe fotografieren, ohne dass sie auffliegen.

Ein anderer Vogel, ein Oyster-Catcher, war etwas weiter weg, ich konnte ihn nur mit meiner langen Linse fotografieren.

Noch mehr Flamingos, diesmal am Strand, wo sie aus der Brandung ihre Nahrung suchen. Je mehr ich mich ihnen näherte, desto weiter weg gingen sie, immer auf die korrekte Fluchtdistanz achtend!

Am Cape Diaz gibt es einen Leuchtturm, der noch Betrieb ist, aber vermutlich bald wie die meisten seiner Kollegen wegen Nichtgebrauchs ausser Dienst gestellt wird.

Im Süden der Halbinsel gibt es einen Ort, wo das Wasser einen Bogen aus dem Felsen gefressen hat. Diesen wollten wir und selbstverständlich ansehen. Gerade als wir anhielten, bemerkte ich eine braune Hyäne, ein Tier, welches ich noch nie sah. Sie strich über die Felsen gegen den Strand hin.
Paul und ich waren zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, denn bald schon ging die Action los. Mehr dazu in einem separaten Beitrag.
