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- Kategorie: Winterreise 17 / 18 - 1. Etappe: Namibia 17 mit Paul
Namibia ist stolz!
Windhoek als Hauptstadt von Namibia ist auch die Stadt, in der das Kolonialerbe noch recht präsent ist. Obwohl das Deutsche Reich als Kolonialmacht über Deutsch-Südwestafrika nur von 1884 bis 1915 das Land beherrschte, hinterliess es doch einige Spuren. Die architektonischen sind noch heute gut sichtbar.

Zwischen 19017 und 1910 von den Deutschen erbaut, steht die Christuskirche immer noch prominent auf einem Hügel über dem Stadtzentrum. Sie ist heute das Wahrzeichen der Stadt. Auch wir haben sie uns heute angesehen, zumal sich der Parkplatz vor der Kirche gut als Ausgangspunkt für die übrigen Sehenswürdigkeiten in der Gegend eignet.

Hinter der Christuskirche steht das Unabhängigkeitsdenkmal, mit welchen die Namibier ihre Unabhängigkeit dokumentieren. Unmittelbar vor dem Denkmal steht die Statue des Staatsgründers des modernen Namibia, Sam Nujoma. Er war von 1990 bis 2005 Präsident des Landes. Davor führte er während des Unabhängigkeitskampfes die SWAPO, die grösste der Rebellenarmeen. Im Gegensatz zu vielen seiner afrikanischen Kollegen trat er nach drei Amtszeiten nicht noch einmal an und überliess das Ruder seinem Nachfolger. Er musste zu diesem Schritt jedoch gezwungen werden, sonst wäre er vermutlich auch heute noch im Amt und wohl weniger in Würde.

Das Denkmal ist voll von Ausstellungsstücken zur namibianischen Geschichte. Die Kriege gegen die Deutschen und auch jene gegen die Südafrikanische Schutzmacht werden ausgiebig dokumentiert. Im Lift wird darauf hingewiesen, dass in der Ausstellung weder Schädel noch menschliche Überreste ausgestellt werden. Mir ist es recht so!

Die Südafrikaner brachten die strikte Rassentrennung nach Namibia und setzten diese auch unerbittlich durch. Ein stummes Zeugnis dieser unmenschlichen Politik ist diese Sitzbank aus Walvisbay, auf welcher ausschliesslich Nicht-Weisse Platz nehmen dürfen. Heute ist die Apartheit aufgehoben und viele der Nicht-Weissen fahren mit luxuriösen Autos durch die Stadt. Grund für eine Trennung ist heute nicht mehr die Hautfarbe, sondern die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit oder der Zugang zu staatlichen Mitteln, welche durch Korruption in undurchsichtigen Machenschaften verschwinden.

Auf der Aufzugstüre steht ebenfalls ein Schild, welches auf eine Begrenzung hinweist. Zwar sind es nicht Colored People, welche hier ausgeschlossen werden, es dürfen sich nur nicht mehr als sechs Personen gleichzeitig darin aufhalten.

In der Nähe es Unabhängigkeitsdenkmales steht die "Alte Feste", ein Fort, in welchem sich die Deutschen gegen die Einheimischen verschantzten. Das Museum war heute wie schon bei meinen früheren Besuchen geschlossen. Schade! Es gibt schon lange Pläne, die Ausstellungen wieder zu eröffnen, doch diese stecken immer noch in irgend einer Schublade. Oder braucht vielleicht der Verantwortliche zuerst ein neues Auto?

Deutsche befestigten am alten Gemäuer eine Gedenktafel für die im Unabhängigkeitskrieg gefallenen "Kameraden".

Die Statue mit den beiden Gestalten ersetzt das berühme Reiterdenkmal, welches die Deutschen mit dem Anspruch der Ewigkeit hier errichteten. 2013 wurde dieses Standbild abgebaut und durch diese beiden Figuren ersetzt. Die originale Statue soll im Innenhof der Alten Feste wieder errichtet werden, danach sieht es freilich zur Zeit nicht aus.
Zur Einweihung 1912 sagte der deutsche Gouverneur: „Den Toten zur Ehre ist dieses Denkmal gesetzt, den Lebenden zum Ansporn, zu erhalten und auszubauen, was in einem schweren Kampfe von aufopfernder Vaterlandsliebe errungen wurde (...) Der eherne Reiter der Schutztruppe, der von dieser Stelle aus in das Land blickt, verkündet der Welt, daß wir hier die Herren sind und bleiben werden." Die Herren wurden schon bald vertrieben und die deutschen Kolonialträume blieben in Südwest-Afrika liegen.

Zur Zeit findet in Windhoek gerade ein grösseres Festival statt, für welches überall Bühnen aufgebaut werden. Morgen Sonntag soll es wohl ziemlich rund zu und her gehen. Paul und ich werden dieses verpassen, wir reisen morgen früh in Richtung Süden ab.

Als letzte Sehenswürdigkeit besuchten wir noch den Bahnhof, der an der gleichnamigen Strasse liegt. Von hier aus fahren noch wenige Züge nach Swakopmund am Atlantik sowie nach Keetmanshoop im Süden des Landes. Eine weitere Linie führt in den Norden nach Tsumeb.

Wo immer Touristen anzutreffen sind, finden sich auch typisch afrikanischen Souvenirs. Allerlei Schnitzarbeiten, diesmal sowie Schalen und ab und an auch Strausseneier.
