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- Kategorie: Winterreise 15 / 16 - Fünfte Etappe - Colombia
Ein für mich autofreier Tag in Cartagena
Heute Dienstag - meine Leser erinnern sich vielleicht noch an das Tagebuch von vor einer Woche - durfte mein Auto nicht in der Stadt unterwegs sein. Meine Autonummer endet auf „8“ und für diese Nummer ist jeweils der Dienstag der Tag des Fahrverbotes. Diese Praxis heisst hier Pico y Placa, sie wird fast jedes Jahr geändert und jeweils kurz vor der Änderung publiziert. So bleibt doch das Leben spannend. Die Kosten für eine Verletzung der Regel leigen 2016 bei 103 CHF, sehr viel Geld für einen ärmeren Kolumbianer. Die Motorräder und Roller trifft es noch härter: Jeden zweiten und letzten Freitag des Monats dürfen sie überhaupt nicht fahren, zudem jeweils nur je nach Nummer. Bei einer Nummer, die mit einer geraden Zahl endet, darf an geraden Tagen gefahren werden und dasselbe gilt für ungerade Nummern. Die Altstadt sowie ein weiteres Quartier dürfen überhaupt nicht befahren werden.
Die Regel gilt übrigens auch für Taxis. Also war ich einen Tag zu Fuss in der Stadt unterwegs. Unvorstellbar wie der Verkehr aussähe, gäbe es diese Einschränkungen nicht. Die Stadt ertrinkt schon so im Verkehr.
Zuerst fuhr ich mit einem Taxi nach Bocagrande, dem modernen Stadtviertel am süd-westlichen Strand. Genau schon wie bei meinem letzten Besuch erlahmte das Interesse bald und ich fuhr in die Altstadt.
Viele ambulante Händler verkaufen in der Altstadt Strohhüte, Taschen sowie Fussballer-T-Shirts. Alles Sachen, die zwar schön farbig sind, bei mir aber keinerlei Kaufreiz auslösen. Viele Touristen sind jedoch mit solchen Hüten unterwegs. Als Sonnenschutz leisten sie sicher gute Dienste.
Immer wieder faszinierend sind die alten Gemäuser, hier ein Seiteneingang der Kathedrale. Die offene Tür irritiert, den das Hauptschiff der Kirche wird gerade renoviert. Durch die Türe kann man nicht eintreten. Auch der Blick ins Innere bringt nicht viel, Bauschutt und Gerüste sind alles, was man sieht.
In einer anderen Kirche besuchte ich heute eine Ausstellung mit moderner Kunst. Ein Künstler stellte eine Installation mit Teebeuteln aus, welche zusammen mit moderner Malerei ein interessantes Bild abgaben.
Jeder einzelne Teebeutel war zudem noch mit einer Zeichnung versehen. Die Beutel wurden vor der Verzierung nicht für ihren eigentlichen Zweck verwendet.
Das Hauptschiff der Kirche ist wie so manch anderes in Kolumbien sehr schlicht gehalten. Lediglich der Altar und der rote Rahmen der Fenster bringen etwas Farbe in das Meer aus Weiss.
Kanonenkugeln können auch als Abschrankung der Fahrbahn bei einem öffentlichen Platz dienen. Immerhin richten sie so keinen Schaden an! Mir dienen sie als interessante Linie hinein ins Bild. Heute war ich übrigens wieder einmal ausschliesslich mit meinem iPhone unterwegs, die Nikon blieb im Hotel. Ich bin immer wieder erstaunt über die Qualität der Aufnahmen mit dieser kleinen Linse.
Am Nachmittag sah ich das Restaurant Bohemia, welches sehr vielversprechend aussah, so dass ich am Abend nochmals dahin zurückging.
Noch eine letzte Bemerkung zu Pico y Placa: Bei meiner heutigen Recherche lernte ich, dass mich mein Ausweis zur Fahrt legitimiert hätte. Der autofreie Tag gefiel mir aber ebenfalls.
