Die Strasse von San Isidro del General führt über einen höheren Pass ins nächste Tal bei Cartago, von wo aus sie wieder ansteigt, um uns am Fusse des Vulkans Turrialba nach Santa Cruz de Turrialba zu unserer Lodge zu bringen. Von hier aus wollen wir morgen den anderen Vulkan, den Irazù erkunden. Im Navi sah die Strasse schon furchterregend aus, als ich ein wenig hinein zoomte. Kurve an Kurve und dies über einen höheren Pass! Je weiter ich wieder hinauszoomte, desto weniger Kurven sah ich ...
Die Strasse gipfelte bei 3’334 m.ü.M., wo die Temperatur bis auf 11 Grad herunter gefallen war. Der Himmel war durch dichten Nebel verhüllt, die Sonne drang nur noch ganz gedämpft durch.
Auch auf dieser Höhe war die Vegetation noch äusserst dicht: Die Bäume waren mit Moosen, Flechten, Bromelien sowie vielen anderem Grünzeug überwachsen. Der hier oft herrschende Nebel verschafft diesen Pflanzen ideale Lebensumstände. Auch andere Pflanzen wuchsen sehr dicht, ausserhalb der Strasse war kaum ein Durchkommen durch die dichte Vegetation.
Für einen Botaniker wäre diese Gegend ein Traum, er könnte sich monatelang mit der Bestimmung der Arten beschäftigen und sicher sehr viel lernen. Allerdings wäre eine wasserdichte und wärmende Bekleidung angebracht. Die mystische Stimmung durch den Nebel gefiel mir sehr gut.
Viele Sträucher blühten in unterschiedlichen Farben. Das helle Grün der Blätter gibt den rosa Blüten einen idealen farblichen Hintergrund.
Die erste grössere Ortschaft war dann Cartago., welches auf 1’430 m.ü.M. liegt. 1563 war Cartago die erste spanische Siedlung in Costa Rica und dann auch Hauptstadt des Landes. 1823 verlor die Stadt diesen Status an San José, welches noch heute die Hauptstadt ist. Immer noch ist Cartago jedoch eine wichtige Stadt des Landes. Im Zentrum gibt es einen grossen Platz, von dem aus man dieses gut erkunden kann.
Cartago wurde im Laufe der Geschichte immer wieder von Erdbeben, welche von den nahegelegenen Vulkanen ausgehen, zerstört. Der letzte Ausbruch des Irazù fügt der Stadt 1963 ebenfalls grosse Schäden zu. Las Ruinas de la Parroquia de Santiago Apóstol liegen im Stadtzentrum. Sie stammen von der gleichnamigen Kathedrale, deren Bau bereits 1575 begonnen wurde. Immer wieder liessen Erdbeben den Bau einstürzen. 1662 war sie fertiggestellt, wurde aber immer wieder von Erdbeben beschädigt. 1910 dann kam das endgültige Aus. Ein grosses Erdbeben liess die Konstruktion einstürzen und die Kirche wurde aufgegeben. Heute ist sie ein geschütztes Wahrzeichen der Stadt.
Ausserhalb des Zentrums steht die Basilica de Nuestra Señora de Los Angeles, eine neue Kirche, welche eine schwarze Madonnenfigur enthält, welcher Heilkräfte zugesprochen werden. Sie wird sehr viel besucht.
Der Innenraum ist reich dekoriert, die ganze Holzkonstruktion vergoldet. Viele Leute waren auch am heutigen Dienstag anwesend.
Auf dem Weg zu unserer Lodge durchquerten wir ein sehr fruchtbares Gebiet an den Abhängen des Turrialbas. Die vulkanische Erde eignet sich gut zum Anbau von Kaffee, Zuckerrohr und auch allerhand Gemüse.
Von der Lodge auf etwa 1’800 m.ü.M. aus sieht der Vulkan mit seinen 3’325 m nicht mehr so beeindruckend aus. Einer seiner vier Krater ist zur Zeit aktiv, auch heute stieg immer wieder Rauch auf. Der letzte Ausbruch am 12. März 2015 führte zur Schliessung des Flughafens von San José für einen Tag, auch einige der Dörfer an seinem Füssen mussten evakuiert werden. Wir hoffen, dass er sich zumindest für unseren Besuch ruhig verhält!