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Sisal, Yucatans ehemaliger Reichtum
Im Norden von Yucatan, zwischen Merida und Valladolid stösst man immer wieder auf Zeugen des ehemaligen Reichtums von Yucatan. Felder von Agaven und Ruinen von Haziendas sind sehr präsent. Auf dem Weg von Merida nach Valladolid wählten wir heute - wie immer - eine Nebenstrasse, welche wirklich durchs Hinterland führte. Bereits nach einer Stunde Fahrt bemerkten wir auf der linken Strassenseite eine Fabrik, wo gerade Sisal hergestellt wurde. Wir hielten an und ich fragte den Vorarbeiter, ob wir die Anlage besichtigen und einige Fotos schiessen dürften. Beides wurde bejaht und so machten wir uns auf die Besichtigungstour.

Einige Felder von Agaven werden noch aktiv bearbeitet, d.h. die untersten, voll entwickelten Blätter werden bei den Stauden abgeschnitten. Dies kann nach 3 Jahren bei den neuen Pflanzen beginnen und dann bis etwa zum 25. Lebensjahr weitergeführt werden. Danach beginnt die Agave zu blühen und wird anschliessend ausgerissen. Eine Agave blüht nur ein einziges Mal in ihren Leben, danach stirbt der Wurzelstock ab.

Die geernteten Blätter werden auf Lastwagen verladen und dann zur zentralen Verarbeitung transportiert. Dort werden sie zu grossen Haufen aufgeschichtet.

Per Förderband werden sie anschliessend zur eigentlichen Verarbeitungsmaschine gesandt. Die einzelnen Blätter werden alle in die gleiche Richtung schauend auf das Band geladen.

Die Maschine walzt die Blätter flach und trennt die grüne Masse von den weissen Fasern. Letztere werden nun zu dicken Bündeln zusammengebunden und auf Wagen gelegt.

Die grüne Masse wiederum landet auf Lastwagen von Bauern, welche dieses Material gerne als Viehfutter verwenden.

Ein vollbeladener Laster verlässt das Gelände, sein Inhalt wird wohl in Kürze dem Vieh verfüttert.

Die weissen Fasern, das eigentliche Sisal, wird zum Trocknen und Bleichen auf grossen Ständern ausgelegt.

Eines der vielen Fertigprodukte aus Sisal, Brigitte kaufte sich in Valladolid eine Umhängetasche aus diesem Material. Die meisten Fasern werden nach Aussage des Vorarbeiters nach Europa und Japan verschifft. Dort werden aus ihnen allerlei Gebrauchsgegenstände hergestellt, Taschen, Körbe und vereinzelt auch noch Seile. Die meisten Fasern landen in der Teppichherstellung.

Bereits vor einigen Tagen fotografierte ich diese verfallene Hazienda, ein Zeugnis der untergegangenen Industrie. Von früher - nach Aussage des Vorarbeiters - 25 Haziendas in dieser Gegend arbeiten heute gerade noch 8, der Rest ist nicht mehr in Betrieb. Der halb verfallene Kamin steht wie ein Ausrufezeichen für den Untergang in der Landschaft. Sisal ist ein Beispiel für eine Industrie, deren Produkt durch chemisch hergestellte Fasern ersetzt wurde. Sisal war früher ein wichtiger Rohstoff bei der Herstellung von Seilen, welche auf Schiffen eingesetzt wurden.

In Valladolid sind wir einmal mehr in unserem "Stammhotel", dem Meson del Marques, direkt beim Zocalo. Diese beiden Jungen profitieren vom kostenfreien WiFi im Park und haben entsprechend nur noch Augen für den Bildschirm!
