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US-1 von Santa Barbara nach Monterey

Die US-1 ist für mich eine der schönsten Strassen der Welt, sie führt von Santa Barbara über 400 Kilometer entlang der Pazifik-Küste nach Monterrey. Auf der einen Seite meist der blaue Pazifik auf der linken eine Hügelkette mit jeweils wechselnden Namen. Das kalte Wasser ist höchstens für die in Taucheranzüge eingemummten Surfer verlockend, für uns normale Touristen ist es zu kalt. Wir begnügen uns mit der schönen Sicht aufs das Meer.

Bei Moro Bay machten wir nach etwa 100 km unseren ersten Stopp. Von Santa Barbara bis hier fuhren wir in schönstem Sonnenschein, kaum näherten wir uns jedoch Moro Bay, wurde die Sonne von dicken Wolken verhüllt. Wir trafen hier trotzdem allerlei lustige Tiere, an denen besonders Mira ihre helle Freude hatte. Dieser Ground Squirrel genoss die wärmende Sonne, welche zaghaft den Nebel durchbrach.

Eine grössere Gruppe von Harbour-Seals putzte sich im seichten Gewässer des Hafenbeckens. Sie liegen dazu jeweils auf dem Rücken im Wasser und mit den hochgehaltenen Pfoten sehen sie richtig putzig aus! Im dichten Kelp - den grossen Algen an dieser Küste, finden sie sehr viel Nahrung, von Muscheln über kleine Fische bis hin zu Crevetten fressen sie alles, was ihnen zwischen die Pfoten kommt.

Weitere 100 km nördlich liegen hunderte von grossen Elephant-Seals am Strand. Vor allem Weibchen, aber auch einzelne jüngere, männliche Tiere finden sich hier. Die grössten werden bis zu 3 m lang und wiegen gegen 2.5 t, die erwachsenen Männchen, welche bis zu 4.5 m lang werden und über 3.3 t auf die Waage bringen, sind zur Zeit noch bei den Aleuten, einer Inselgruppe westlich von Alaska auf der Jagd. Sie fressen sich voll, damit sie während der Brunstzeit genügend Kraft haben. Anscheinend ist diese Zeit so anstrengend, dass die viele danach vor Erschöpfung sterben.

Die Männchen messen immer spielerisch aus, wer wohl der grössere sei. Die Weibchen liegen derweil in der Sonne und lassen sich von der Sonnen den Pelz wärmen. Zur Zeit findet gerade die Mauser statt, während welcher die Tiere nicht ins Wasser gehen, da der Pelz nicht nass werden kann. Es bleibt damit genug Zeit, sich spielerisch zu messen und auf das Erwachsenenleben vorzubereiten.

Neben den gelegentlichen Kämpfen bleibt immer noch ausreichend Zeit für die Ruhe. Nach dem Gesichtsausdruck zu schliessen, ist diesen grossen Blubber-Säcken wohl in ihren Körpern. Ohne den Blubber könnten sich die Seals sicher nicht so lange im kalten Wasser aufhalten. Genau wie Wale sind sie Säugetiere und müssen sich entsprechend isolieren.

Tiere, deren Mauser bereits vorbei ist, tragen ihre Kämpfe in der Brandung aus. Dazu verursachen sie mit ihren Schreien einen infernalischen Lärm

Ab und zu sieht es so aus, als ob die grösseren Männchen einen Kriegsrat halten. Sie stecken ihre Köpfe zusammen und gestikulieren wild mit offenen Mündern. Dazu stossen sie für uns unverständliche Laute aus. Da sie sich ab und an auch mit den Köpfen in die Seite hauen, bin ich mir nich sicher, ob sie sich selber immer verstehen oder so wie in einigen südlichen Parlamenten zur Verstärkung der Argumente auch die Fäuste zur Hilfe nehmen.

Es gibt in der Gegend mehrere Strände, an denen die Seals sich aufhalten. Vor wenigen Jahren war die Zahl der Tiere an der Westküste bis auf etwa 40 Exemplare zurückgegangen, da sie für ihr Körperfett gejagt wurden, welches sich als Lampenöl ähnlich wie das Walfett eignete. Nun stehen die Tiere unter Schutz, 1990 siedelte sich eine Gruppe hier an und es soll alleine am hiesigen Strand um die 15’000 Exemplare geben. Leider alle von denselben 40 Individuen abstammend, was die genetische Vielfalt stark einschränkt und eine potentielle Gefahr für die Art darstellt.

Insgesamt hatten wir heute Wetterglück, bis auf die letzten 40 km vor Monterey schien meist die Sonne. Die letzten Kilometer legten wir dann aber wieder unter einer dichten Nebeldecke zurück.
Den Tag schlossen wir in einem hervorragenden italienischen Restaurant abseits der Touristenströme ab. Eines der besten italienischen Essen, die ich in den USA je hatte.
