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- Kategorie: Winterreise 14 / 15 - 2. Etappe Cuba
Tag der unterschiedlichen Flügel bei Cienfuegos

In der Gegend von Cienfuegos gibt es viele Gelegenheiten, Flügel zu beobachten. Hier ein schöner brauner Pelikan, der sich auf einem schon ziemlich verschissenen Poller ausruht. Wie alle Wasservögel trocknet er oft seine Flügel, bevor er wieder ins Wasser eintaucht.

Auf einer wenig befahrenen Nebenstrasse trafen wir eine Landkrabbe, welche die Fahrbahn überqueren wollte. Wir hielten an und warteten, bis sie beinahe auf der anderen Seite war, stiegen dann aus und fotografierten das Monster aus sicherer Warte. Angesichts der vielen Krabben, welche ich auf dieser Reise in Chile ass, hatte ich gehörigen Respekt vor ihr. Sie hätte mich aus Rache für ihre vielen Kollegen leicht angreifen können und das wollte ich doch nicht riskieren!

Auf einer Lagune liessen wir uns von einem kräftigen jungen Kubaner rudern. Da dieses Gewässer in einem Nationalpark liegt, ist der motorisierte Schiffsverkehr verboten, lediglich menschliche Kraft ist zugelassen. Das wiederum gibt einige Arbeitsplätze für junge Leute. Ein Night-Heron stach aus dem dichten Blätterdach eines Mangrovenwaldes hervor. Mir gefallen diese kleinen Vögel immer sehr gut, die weissen Federn am Hinterkopf geben ihnen ein gewitztes Aussehen.

Die Hauptattraktion der Lagune sind die vielen Flamingos, welche hier ganzjährig leben. Heute waren es einige Hundert, in der absoluten Hochsaison sollen es bis zu 3’000 Vögel sein. Offensichtlich gibt es hier genügend kleine Crevetten, welche den Vögeln ihr charakteristisches rosa Aussehen verleihen. Im Flug zeigen sich die schwarzen Unterseiten der Flügel sehr schön.

Die Lagune ist nur etwa einen halben Meter tief, die Vögel können im ganzen Gewässer überall problemlos stehen. Wenn wir mit dem Boot näher fuhren, ging ein riesiges Geschnatter los und die Vögel machten sich umgehend auf die Socken, Pardon, die Flügel, nur um einige 100 m weiter wieder zu landen.

Ganz weisse Flügel hat dieser weisse Ibis, lediglich der gebogene Schnabel und die langen Beine sind bei ihm rosa. Auch die Ibis flogen auf, sobald wir ihn ihre Nähe kamen. Für ein Fotoportrait reichte die Zeit aber allemal.

Über ganz andere Flügel verfügt dieser Strassenkreuzer. In den 50er Jahren hatten viele amerikanischen Schlitten diese Verzierungen. Der Apple-Kleber am hinteren Fenster ist wohl neueren Datums. Geräte dieses Herstellers sind jedoch in Kuba sehr selten, da sie für die Einheimischen unerschwinglich sind. Der offizielle Monatslohn eines Arztes beträgt 30 US$, damit könnte sich ein Arzt ein neues iPhone immerhin nach knapp 3 Jahren leisten, vorausgesetzt, er braucht sonst kein Geld. Die meisten Kubaner verfügen über andere Einkünfte, dank denen sie über die Runde kommen. Die grösste Einnahmequelle des Landes sind angeblich die Gelder, welche im Ausland lebende Familienmitglieder zur Unterstützung ihrer Verwandten ins Land schicken.
Was mich immer wieder schockiert sind die unterschiedlichen Währungen und deren Nützlichkeit: Es gibt in Kuba zwei Währungen, den CUC oder Peso convertible, welcher dem US$ entspricht. Mit diesem müssen die Touristen alles bezahlen, die Einheimischen verfügen lediglich über CUC, wenn sie entweder mit dem Tourismus verbunden sind oder über Verwandte im Ausland verfügen. Der kubanische Peso dient den übrigen Kubanern für ihre Einkäufe. Touristen können damit ab und zu Früchte auf dem Land kaufen, sonst ist er für sie nutzlos.
Die Kubaner erhalten vom Staat Rationierungskarten, mit denen sie sehr billig Reis, Kartoffeln, Poulet und andere Dinge des täglichen Bedarfs beziehen können. Bea und Simon erzählten uns, wie dies funktioniert und zeigten auch auf, dass diese Rationen überhaupt nicht ausreichen. So gibt es pro Familie und Monat ein halbes Poulet …
Nun gibt es in grösseren Ortschaften spezielle Geschäfte, in denen für CUC ziemlich alles erhältlich ist: Waschmittel, Seife, Mineralwasser, Bier, Wein, italienische Teigwaren und anderes liegt in den gut gefüllten Regalen. Ohne CUC jedoch ausser Reichweite. Soviel zum Sozialismus: Eine Zweiklassen-Gesellschaft als Ziel der Revolution? Ich kann mir kaum vorstellen, dass die vielen grossen Plakate, welche die Revolution mit markigen Worten rühmen beim gewöhnlichen Kubaner immer noch viel Stolz über das Erreichte auslösen. Gut ist die kubanische Variante des Sozialismus sicher im Verwalten des Mangels.

Den Apero genossen wir heute auf der Dachterrasse des Palacio del Valle, einem eindrücklichen Gebäude aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts. Ein reicher Spanier liess sich dieses Haus zwischen 1913 und 1917 für die damals ungeheure Summe von 1 Mio. US$ errichten. Darin lebte er zeitweise und richtete später ein Casino darin ein. Heute ist das Haus ein Restaurant, welches einen eher mässigen Ruf geniesst. Die Dachterrasse ist aber auf jeden Fall einen Besuch wert.

Der Blick geht über die Bucht von Cienfuegos und fällt auf der gegenüberliegenden Seite auf eine Ruine, welche auf die Sovietunion zurück geht. Kuba wollte bei Cienfuegos ein Atomkraftwerk bauen, welches die Sovietunion liefern sollte. Mit deren Zusammenbruch wurden die Arbeiten jedoch eingestellt und die Ruine verschandelt nun die Landschaft. Glücklicherweise strahlt sie nicht, da sie nie ihren nuklearen Betrieb aufnahm.
