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- Kategorie: Thailand und Burma 16
Die spektakulärste Landschaft auf dieser Flusskreuzfahrt

Heute stand der zweite Engpass des Irrawaddy auf unserem Programm. Schon kurz nach 7 Uhr sollten wir durch die Schlucht fahren. Ich machte mich schon kurz vor 6 Uhr auf den Weg zum Oberdeck zum Kaffee. Die aufgehende Sonne färbte die Landschaft und die aufsteigende Feuchtigkeit gab der ganzen Gegend ein mystisches Aussehen. Das schöne Wetter versprach eine spektakuläre Fahrt!

Nach dem kurzen Morgenessen war ich wieder auf Deck, um nichts zu verpassen. Der Engpass kam bald in Sicht, doch bis wir schliesslich dort waren, dauerte es noch einige Zeit. Der Fluss fliesst mit gegen 10 km/h und je näher wir der engsten Stelle kamen, desto mehr mussten sich die beiden Motoren anstrengen.

Die Fahrrinne war nicht einfach zu erkennen, unser Kapitän erhielt Unterstützung von der Crew und natürlich auch von an Bord gekommenen Lotsen. Ein solcher ist auf praktisch allen Streckenabschnitten präsent, wir wechseln ihn teilweise mehrfach am Tag auss. Obwohl unser Kapitän sehr erfahren ist, braucht es immer diese Unterstützung, da sich die Lage der Sandbänke unter der Wasserlinie jederzeit kurzfristig ändern kann.

Eine Felsnase wurde als Papageienkopf bemalt, diese Figur markiert die engste Stelle des Flusslaufes. Bei absolutem Hochwasser soll sogar das Auge im Wasser liegen. Heute war zwischen Auge und Wasseroberfläche noch ein guter Meter Platz.

Nach der engsten Stelle überspannt eine weitere Brücke den Fluss. Diese ist zwar immer noch lang, doch klein im Vergleich zu jene im Unterlauf, die teilweise um die 4 km lang sind.

Asiaten haben nie graue Haare! Mindestens meinte ich dies bisher, obwohl ich auch schon hörte, dass sich die Männer ihre Haare färbten. Beweise hatte ich aber keine. Das änderte sich heute: Vom Deck aus bemerkte ich einen älteren Mann, der sich mit einer Zahnbürste eine schwarze Farbe ins Haar strich.

So ganz genau hat er nicht gearbeitet, seine Stirne bekam auch noch etwas Farbe ab! Diese wird beim nächsten Kopfwaschen verschwinden und damit werden die Spuren der Fälschung ebenfalls verschwunden sein, und dieser Herr ein weiteres Exemplar eines nie ergrauten Asiaten sein.

Oberhalb des Engpasses weitete sich der Irrawaddy wieder zu einer grösseren Seenlandschaft. Bedingt durch den etwas behinderten Abfluss des Wassers, breitet es sich hier auf einer riesigen Fläche aus. Viele Inseln sind im Wasser, auf deren fruchtbarem Boden viel Landwirtschaft betrieben wird. Zuckerrohr, Mais und auch Viehzucht sah ich öfter.

In Bhamo, unserem nördlichen Wendepunkt, konzentrierte sich der Kapitän bei der Anfahrt zur Anlegestelle. Diese lag mitten in der Stadt, dort wo auch die öffentlichen Schiffe anlegen. In der Stadt leben gut 100’000 Menschen, das garantiert einen regen Verkehr auf dem Fluss. Für uns ist hier Endstation, denn nach 646 km seit Bagan ist der Irrawaddy für uns nicht mehr weiter schiffbar. Auch in der Regenzeit führt er dafür zu wenig Wasser. Morgen nachmittag beginnen wir die Rückfahrt in Richtung Mandalay, für die 446 km benötigen wir dann lediglich etwas mehr als zwei Tage!

In Bhamo besuchten wir zuerst den grossen lokalen Markt, der am Nachmittag vor allem viele Textilien, Schuhe und sonstige Gegenstände des täglichen Bedarfs feil hielt. Die Farben der Stoffe war nicht unbedingt nach meinem Geschmack, also liess ich den Kauf.

Auch die Schuhe sahen nicht sehr „anmächelig“ aus. Für das Stapfen im Schnee sind sie ohnehin nicht geeignet.

Natürlich durfte auch heute eine Pagode nicht im Reiseprogramm fehlen. Eine für das bisherige Myanmar ungewöhnliche Form zeichnet diesen Bau aus. Angeblich soll sie einen Maiskolben symbolisieren. Mit viel Phantasie vielleicht …

Zurück an Bord bemerkte ich ein einheimisches Paar, welches sich auf dem Landesteg unseres Schiffes mit diesem im Hintergrund auf dem Handy ablichten liess. In Bhamo bemerkte ich auf unserer Rundfahrt eine Vielzahl von Smartphone-Händlern, welche alle asiatischen Telefone anboten: Neben Samsung sind hier Vivo, HTC und viele chinesischen Marken vertreten. Die Netzabdeckung auf der ganzen bisherigen Fahrt ist ausgezeichnet, kaum je hatten wir kein Signal. Sogar 3G funktioniert praktisch überall. Auf meiner letzten Reise war das noch ganz anders. Nur an ganz wenigen Orten war das Netz überhaupt vorhanden, von 3G ganz zu schweigen.

Was ist eine grössere Wasserfläche ohne einen Sonnenuntergang! Bei Bhamo ging die Sonne heute spektakulär vom Himmel, gerade rechtzeitig als Markierung unseres Wendepunktes.
