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- Kategorie: Winterreise 14 / 15 - 1. Etappe Südamerika
Schönheit ist anders und ich bin nicht der einzige Krabbenliebhaber
Von Puerto Montt machte ich mich kurz vor Mittag mit meinem neuen Mietauto auf den Weg in Richtung Süden zur Insel Chiloé. Natürlich so weit wie möglich auf Nebenstrassen.

Schon oft sah ich in Chile Kiebitze, doch kaum je konnte ich sie fotografieren, meist waren sie weg, wenn ich die Kamera bereit hatte oder gar aus dem Auto ausgestiegen war. Diesmal war es anders, diese Exemplare liessen sich nicht verjagen, nur ihr typisches Gezetter liessen sie hören.

Mein erstes Ziel lag in Ancud im Nordwesten der Insel. Dort hatte ich ein einfaches Hotel gebucht, da ich in der Umgebung einiges ansehen wollte. Bessere Unterkünfte waren nicht vorhanden, meines was aber ausreichend. Alles andere als luxuriös, aber sauber und zweckmässig. Am anderen Morgen dauerte der Zahlprozess zwar eher lange, da Kopfrechnen offensichtlich nicht eine Stärke der beiden Damen am Empfang war. Ich liess die beiden etwas rechnen und amüsierte mich heimlich: Zu Zahlen: 42’402 Pesos, ich gab 50’502 Pesos, da ich gerade soviel Münz hatte. Nach gut 5 Minuten hatte ich mein Rückgeld und konnte abziehen.
Ancud liegt am Pazifik, der Dorfkern wird durch eine Mauer vom rauhen Meer geschützt. Ich kam erst gegen 15 Uhr im Hotel an und wollte unbedingt noch einen Ausflug in Richtung Süden machen, wo es einiges zu sehen gab. Ich checkte schnell im Hotel ein und machte mich gerade wieder auf den Weg.

An meinem Zielort war das Wetter nicht wirklich gut und ich musste in ein Boot umsteigen, um rund um die Inseln im Meer zu schippern. Zu Fuss sind diese unzugänglich und auch absolut verboten für Menschen. Zum Glück mussten die Passagiere des Bootes nicht durch das kalte Wasser gehen, die Veranstalter fahren die Touristen mit einem Wagen vom und zum Boot, ganz ohne nasse Füsse - für die Touristen!

Das Ziel des Ausfluges waren Vögel. Hier ein erstes Exemplar, eine Gaviota Cahull, zu deutsch eine Patagonienmöve. Hübsche rote Füsse und ein gleichfarbiger Schnabel passen gut zur schwarzen Kappe.

Wo immer Wasser ist, gibt es Fische und dort fehlt auch der Kormoran nicht. Ab und zu muss auch er sich ausruhen und sein Gefieder trocknen.

Selbstverständlich reiste ich nicht wegen einigen Mögen und Kormoranen an dieses Ort, das eigentliche Ziel war eine grosse Kolonie von Humboldt- und Magellan-Pinguinen, welche auf diesen Inseln brüten. Die grosse Mehrzahl sind Humboldt-Pinguine, nur wenige Brutpaare sind von der anderen Sorte. Magellan-Pinguine sind ganz schwarz, während die anderen eher grau bis dunkelgrau sind. Die Grösse ist bei beiden nahezu identisch. Diese beiden Gesellen wollen gerade ins Meer springen, um etwas fressbares zu ergattern.

Eine grössere Gruppe steht bei einem Felsen, etwa 5 m über der Meeresoberfläche.

Sehr hübsch sind diese Pinguine nicht, zumindest nicht nach meinem Verständnis. Trotzdem faszinieren sie mich immer wieder, dies mag damit zusammenhängen, dass diese Vögel nie nördlich des Äquators vorkommen.

Noch eine Gruppe von Pinguinen, die unschlüssig herumstehen: Sollen wir schlafen gehen, oder sollen wir nochmals etwas zum Fressen suchen?

Plötzlich tauche in der Distanz eine Nutria del Mar, ein Seeotter auf. Er musste Luft holen und dazu taucht er von Zeit zu Zeit auf. So wie er auftauchte, so verschwand er wieder, nur um …

… kurz danach wieder zu erscheinen, diesmal aber mit einer Krabbe, die er sich eben vom Meeresgrund geholt hatte. Fasziniert schaute ich ihm zu, wie er ich das Ungetüm einverleibte. Nun folgen einige Bilder ohne Kommentar, nur soviel: Ich brauche heute Abend auch eine Krabbe, es ist sicher noch eine verfügbar.







Diese beiden Pinguine schauten interessiert dem Schauspiel zu, dies obwohl sie es vermutlich häufiger zu sehen bekommen, als ich. Krabben essen sie zudem wohl kaum. Mit ihren Flügeln können sie das Ungetüm nicht halten und mit dem Schnabel kaum die Schale knacken.

Dieser versteinerte Riese mit seinen Wulstlippen ist schon ziemlich stark eingesunken, nur mehr der Kopf und die Schultern ragen aus dem Sand hervor. Und seine Haare könnte er sich auch mal wieder scheiden lassen!

Den Abschluss der Pinguin-Tour macht dieser einzelne Geselle, hätte er gekonnt, hätte er sicher gewinkt!

Zurück am Ufer sah ich diese Überreste eines Walkopfes, oder obere Teil des Schädels lag hier in der Wiese. Lieber wäre mir ein lebendiger Wal gewesen, aber ich musste mich mit dem halben Schädel zufrieden geben. Noch gibt es ja einige Tage Zeit, ein Exemplar zu sehen.

Die Landschaft erinnert auch hier an mitteleuropäische Szenen. Wenn nun aber einer meiner Leser glaubt, ich hätte schon Heimweh nach diesen, täuscht sich. Es dauert noch, bis ich wieder in der Schweiz bin. Zuerst muss der Winter abziehen und der hat ja noch nicht mal richtig begonnen.
