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- Kategorie: Winterreise 14 / 15 - 1. Etappe Südamerika
Zurück nach Calama zum Flughafen
Den letzten Tag in Bolivien verbrachten wir bis zum Mittag noch auf der Hochebene auf gut 3’700 m.ü.M. und näherten uns langsam der Landesgrenze mit Chile.

Das Hotel de Piedra liegt bei einer kleinen Ortschaft, San Pedro de Quemez, nahe beim Salar de Uyuni. Wie schon letzte Nacht standen unsere Betten auf 3’700 m und erlaubten damit einen guten Schlaf. Das Haus selber ist einfach, aber zweckmässig eingerichtet.

Bei der Wegfahrt vom Hotel machten wir noch eine kleine Tour durch das Dorf: Hier wird für Kochsalz mit Jod geworben, welches in den meisten Ländern zugegeben wird. Es verhindert unter anderem, dass Leute am Kropf erkranken und soll auch andere Krankheiten unterdrücken. Neueren Datums ist die Werbung für einen Anbieter von Mobil-Telefondiensten.

Das Kirchlein mitten im Dorf steht auch am heutigen Sonntag leer, Valerio meinte, es sei nur einmal pro Jahr Betrieb. Ein Dorffest bringt auch einen Pfarrer ins Dorf. Gratis Essen und Bier?

Bei einer Wasserstelle trafen wir zum zweiten Mal Strausse, diesmal aber nahe genug, dass wir sie beobachten konnten. Die Vögel sind sehr scheu und machen sich sehr rasch aus dem Staub, wenn ein Auto anhält. Die Nandus, wie sie hier genannt werden, sind kleiner als ihre afrikanischen Verwandten.

Den morgendlichen Durst löschten sich auch einige Lamas, bevor sie sich wieder dem kargen Futter widmeten. Bei den dürren Gräsern und sonstigen Pflanzen ihrer Diät, brauchen sie sicher recht viel Wasser für die Verdauung.

Dieses Lama stand gerade schön im Licht, zudem spiegelte es sich im Wasser.

Auf 3’700 m Höhe trafen wir auf eine versteinerte Armee, zumindest wird diese Formation hier so genannt. Da erinnerte ich mich gerade an die Schweizer Luftwaffe, welche nur zu Bürozeiten operiert. So ähnlich nutzlos ist wohl diese Armee hier. Die Formation besteht nicht aus Soldaten, sondern aus uralten Korallen, welche aus einer Zeit stammen, als diese Gegend noch unter dem Meeresboden des Pazifik lag. Erst durch die Plattentektonik wurden diese Korallen auf diese Höhe hinauf gehoben. Unvorstellbar! Vor ungefähr 45 Mio. Jahren begann die Auffaltung der Anden, als die sogenannte Nasca-Platte unter dem Pazifik sich unter die südamerikanische Platte schob und so diese anhob. Viele Erdbeben und extremer Vulkanismus waren die Folge. Beides hält noch heute an. Der Aconcagua ist heute mit seinen 6'920 m der höchste Berg ausserhalb der Himalaya-Kette.

Der Grenzübergang wird nicht nur vom Lastwagen, Autos und Reisebussen genutzt, auch die Eisenbahn muss hier durch. Einige Wagen stehen aber schon lange verlassen hier und sind ziemlich verfallen. Der Grund für ihre Strandung an dieser Stelle war auch unserem Fahrer nicht bekannt.

Das Fahrgestell dieses alten Wagens verspricht nicht sehr viel Komfort, die Federung ist eher minimal und die kleinen Räder werden vermutlich stark über die Geleise rumpeln. Eine Heizung gibt es im Wagen auch nicht, nur mit dicken Kleidern ist die Fahrt in dieser Höhe einigermassen angenehm zu überstehen.

Ein Blick zurück in Richtung Bolivien zeigt die Staubfahnen, welche die Fahrzeuge hinter sich her ziehen, wenn sie auf der Piste in Richtung Grenze sausen. Wie ich schon früher schrieb, sind in Bolivien nur gerade 16% der Strassen geteert. Unsere ganze Reise in diesem schönen Land fand auf Staubstrassen statt. Entsprechend sah unser Reisegepäck aus. Eine erste Aktion in Calama war es deshalb, das Gepäck zu reinigen.

Die meisten Busse, welche von Einheimischen und Touristen gleichermassen benützt werden, dürfen die Grenze nicht überqueren. Zuerst müssen im einen Land die Ausreiseformalitäten erledigt werden, dann fährt der Bus - und auch wir - in einen etwa einen km breiten Grenzstreifen, wo bei der Landesgrenze die Fahrzeuge nebeneinander stehen und die Passagiere mit ihrem Gepäck umsteigen. Nach der Weiterfahrt in Richtung Zielland muss beim Zoll das Gepäck nochmals ausgeladen werden, dieses wird minutiös kontrolliert.
An den beiden Reisebussen zeigt sich der Entwicklungsstand der beiden Länder Bolivien und Chile. Der rechte Bus stammt aus Chile, das Modell links aus Bolivien. Die beiden Fahrzeuge trennen geschätzte 20 Jahre Entwicklung, etwa so viel wie auch die beiden Länder trennt.

Auch wir durften nur bis zum Grenzstein fahren. Unser bolivianischer Landcruiser links auf der bolivianischen Seite des Grenzsteins in der Mitte, das Fahrzeug für den Weitertransport nach Calama auf der rechten Seite. Am chilenischen Zoll mussten auch wir unser Gepäck nochmals ausladen und einzeln vorzeigen. Jeder Koffer wurde geöffnet, jedoch nur oberflächlich inspiziert.

Dann kam die Zeit des Abschiedes: Lourdes, unsere Reiseleiterin der vergangenen Tage und Valerio, unser Fahrer zeigten uns die Schönheiten dieser Ecke ihres schönen Landes. Während Valerio jederzeit sehr angenehm fuhr, erläuterte uns Lourdes die Besonderheiten mit einem eindrücklichen Fachwissen. Lourdes sprach sehr gut Deutsch, ich konnte mit ihr jedoch Spanisch sprechen und sie korrigierte meine Fehler auf mein Verlangen. Die beiden mussten von hier wieder zu ihren entsprechenden Wohnorten zurückkehren, während wir noch knappe 4 Stunden vor uns hatten. Der chilenische Fahrer war viel mühsamer, er blochte teilweise wie ein Spinner durch die Landschaft und wir waren froh, als wir wohlbehalten in Calama ankamen.

Entlang der Strecke bemerkte ich diese Düne, welche fast silbern im Licht schimmerte. Ich habe keine Idee, was dieses Phänomen verursachte, aber man kann sich ja auch nur am schönen Phänomen erfreuen ohne alles zu verstehen.

Unten in der Atacama-Wüste herrschte heute ein sehr starker Wind, an einer Stelle entstand eine eindrückliche Windhose, welche den Staub aufsaugte.

Kurz vor Calama liegt eine gigantische Open-Pit Mine, wo rund um die Uhr Kupfer aus dem Boden geholt wird. Die riesigen Abraumhalden auf beiden Seiten zeugen von den Unmengen an Gestein, welches aus dem Loch geholt wird. Leider konnten wir die Anlage nicht besichtigen, so blieb mir nur der Blick aus der Ferne. In der NZZ vom 14. Januar 2014 (Klick mich!) gibt es einen hervorragenden Artikel zum Thema.
