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- Kategorie: Winter 19 / 20: Australien
Die Geburtsstätte des Flying Doctor Service RFDS - Cloncurry
Cloncurry ist eine kleine Ortschaft mit etwas mehr als 2’700 Einwohnern und liegt 110 km östlich von Mount Isa auf unserem Weg. Früher war der Ort auch ein bedeutender Produzent von Kupfer, heute läuft im Minensektor nicht mehr sehr viel. Es gibt immer noch Kupfer, doch die grossen oberirdischen Vorräte sind erschöpft, nun wird bergmännisch weiter abgebaut. Seit 2011 wird hier auch Eisen gefördert, dies als Magnetit, einem Eisenerz. Die Mine gehört dem schweizerischen Konzern Glencore aus Zug.

Einige dutzend Kilometer westlich des Ortes steht ein Denkmal, welches an eine der wichtigsten Expeditionen Australiens erinnert. Am 22. Januar 1861 überquerten die beiden Explorer Burke und Wills hier den kleinen Fluss auf ihrem Weg von Melbourne an den Golf von Carpinteria. Diese Expedition nahm ein tragisches Ende und ist trotzdem für Australiens Geschichte sehr bedeutend. Mehr Informationen zum Thema gibt es zB. hier bei Wikipedia (Klick mich!).

Ebenso wichtig in der Geschichte Australiens ist eine andere Institution, welche 1928 in Cloncurry ihren Anfang nahm. Der Pfarrer John Flynn gründete diesen Dienst, als er die Notwendigkeit einer medizinischen Versorgung für die abgelegenen Ranches und Aboriginal-Gemeinden sah. Mit einer solchen Maschine wurden die ersten Einsätze ab Cloncurry geflogen. Auch hier für Interessierte mehr Infos (Klick mich!).

Einige Instrumente, welche hier ausgestellt waren, erinnerten mich an meine erste Operation als etwa 5 jähriger Lümmel. Mir wurden damals die Mandeln entfernt und mit einem solchen mit Watte gefülltem Metallkorb mit Äther wurde ich narkotisiert. Kein besonders schönes Erlebnis.

Im Museum ist ebenfalls eine andere wichtige Erfindung ausgestellt. Dieses Funkgerät hatte links und rechts des Kastens je eine Pedale, über welche die benötigte Elektrizität erzeugt werden konnte. Ähnliche Geräte hatten auch die Bewohner der abgelegenen Orte, mit denen sie mit der Zentrale des RFDS in Verbindung treten konnten. Strom war damals noch eine eher seltene Erscheinung.

John Flynn zeichnete auch seine privaten Karten des Landes und vermerkte darauf die jeweiligen Bevölkerungszahlen. 1915 war das Land offenbar noch viel leerer als heute. Das Gebiet in Western Australia, welches auf der Karte mit Nil ausgewiesen wird, ist noch heute sehr, sehr dünn besiedelt. Ganz im Nordwesten des Rechtecks gibt es mittlerweile etwas mehr Leute, die Eisenminen von Tom Price und anderen Ortschaften ziehen viele Mineure und ihre Familien an.

Das Postbüro wurde 1885 erbaut und ist noch heute in Betrieb. Ein solches Gebäude ist in Australien bereits eine „historical Landmark“.

Das Post Office Hotel stammt aus 1932 und ist auch heute noch aktiv.

Zum Abschluss unseres Besuchs des Ortes wollten wir noch einen Kaffee trinken. Im Post Office Hotel wurden wir abgewiesen, dort wird vor allem Bier ausgeschenkt und an einarmigen Banditen gespielt, sowie auf Sieger im Pferderennen gewettet. Der Barman meinte, wir sollten es in der Bäckerei versuchen, die hätten normalerweise Kaffee. Als wir dort eintrafen, meinte die nette Dame, sie würden die Kaffeemaschine jeweils um 15.30 ausschalten und der Barista sei um 15:45 natürlich auch nicht mehr da. Na dann, kein Kaffee.
