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- Kategorie: Winter 19 / 20: Chile - Teil II
Dritter Landgang: Ushuaia - die weltweit südlichste Stadt
Ushuaia liegt auf 54° 48’ südlicher Breite und gilt damit als die südlichste Stadt weltweit. Sie liegt auf Tierra del Fuego - Feuerland - einer grossen Insel an der Südspitze von Südamerika. Das mit der südlichsten Stadt stimmt nicht ganz, Puerto Williams, eine chilenische Kleinstadt liegt auf der anderen Seite des Beagle-Kanals und damit noch einige Kilometer südlicher.

Direkt am Hafenquai vermarktet sich Ushuaia als „Fin del Mundo“ - das Ende der Welt. Alle Geschäfte verkaufen entsprechende T-Shirts und Kappen mit dem Slogan. Dagegen kommt die Kleinstadt Port Williams kaum mehr an. Zudem ist Ushuaia der Hauptausgangspunkt für Cruises in die Antarktis und eine wichtige Basis für die Forschungsstationen auf jenem Kontinent.

Um 04:45 hiess es heute früh für mich „Aus den Federn!“. Der Tag beginnt hier schon früh, die Sonne geht kurz vor 5 Uhr aus und unser Kurs führte uns an einigen Gletschern vorbei. Diese wollte ich im Morgenlicht fotografieren.

Die Sonne ging leider hinter den Wolken auf, nur ab und zu drang ein Strahl durch die Decke. Auf dem obersten Deck des Schiffes gab es eine wunderbare Rundumsicht, die jedoch hart erkämpft werden musste. Der extreme Gegenwind kam zum bereits starken Fahrtwind hinzu und dies machte das Stehen sehr schwierig. Nimmt man noch die Temperatur von nur wenigen Graden über dem Gefrierpunkt dazu, kann man sich vorstellen, wie unangenehm dies war.

Einer der Gletscher kommt fast bis zum Meer hinunter, die letzten Eismassen liegen vielleicht 100 m über der Wasseroberfläche.
Nach einer guten Dreiviertelstunde war ich so durchfroren, dass ich mich schleunigst wieder ins Zimmer aufmachte und dort eine warme Dusche genoss. Anschliessend ab zum Frühstück.

Ushuaia liegt am Fuss der Ausläufer der Andenkette, welche hier endet. Die schneebedeckten Gipfel der Berge lagen teilweise im dichten Nebel, es fiel auch ein leichter Regen, dazu knapp 8°. Das soll Sommer sein? Wir konnten heute direkt am Pier anlegen, so dass wir nicht mit den Tenderbooten ans Ufer mussten.

Die Stadt selber hat nicht viel Schönes zu bieten, sie ist fast ausschliesslich vom Tourismus abhängig. Die meisten Geschäfte bieten entweder Trecking-Ausrüstungen an oder dann kann man hier Touren in die Umgebung und in die diversen Nationalparks buchen.

Zu ihrer Gründungszeit war die Stadt eine Strafkolonie, ein grosses Gefängnis beherbergte viele Sträflinge, welche auch am Aufbau der Infrastruktur mithelfen mussten. Dieses Geschäft versucht aus dieser Vergangenheit Kapital zu schlagen.

Eine weitere Einnahmequelle der Stadt sind die Meeresfrüchte. Viele grosse Fischerei-Schiffe legen am Pier an und löschen ihre Fänge, welche sie auf ihren teilweise wochenlangen Fischzügen im Südatlantik gemacht haben. Eine Spezialität dieses Meeres sind die Meerspinnen, hier Centolla genannt. Diese können bis zu einem Meter lange Arme entwickeln. Daraus werden allerlei hervorragende Gerichte hergestellt, mir schmeckt das Pastel de Centolla am Besten. Heute wollten wir diese aber nicht essen, da wir bereits um 16 Uhr wieder auf dem Schiff sein mussten.

Der wohl berühmtesten Argentinierin, Evita Perón, wird hier ein Denkmal gesetzt. Sie war die Ehefrau des populistischen Präsidenten Juan Perón und verstarb mit nur 33 Jahren. In Argentinien gilt sie heute noch als eine der bedeutendsten Frauen.

Das Endziel unserer Cruise liegt noch weit entfernt, 3’094 km bis nach Buenos Aires!

An der Strandpromenade gibt es Liegestühle, welche aber wohl kaum je zum Einsatz kommen. Jetzt ist hier Sommer und bei 8° möchte ich nicht auf den kalten Beton liegen!

Kurz vor dem Einsteigen machte ich noch ein Bild unseres Schiffes vom Boden aus. Der Bud sieht aus dieser Warte eindrücklich aus! Mit vielen Taus ist das Schiff am Quai befestigt, diese werden heute gegen Abend gelöst, wenn wir wieder in See stechen. Zuerst werden wir morgen am Kap Horn vorbei fahren und uns dann im Atlantik auf den Weg in den Norden und damit wieder in wärmere Gefilde machen.
