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- Kategorie: Winter 19 / 20: Chile - Teil II
Ins Tal des (chilenischen) Pisco Sour

In der Nähe unseres Hotels in La Serena steht ein Leuchtturm, der 1950 erbaut wurde und schon wieder einer grösseren Renovation unterzogen wird.

Wir machten uns nach dem Frühstück auf den Weg ins Tal des Pisco Sour, des wohl bekanntesten Getränks von Peru und Chile. Davon später noch mehr. Etwa 40 km von der Küste entfernt staut ein grosser Staudamm viel vom Wasser, welches von den Anden herunter kommt. Er fängt es auf und stellt es der Landwirtschaft zur Verfügung. Der imposante Damm kann besichtigt werden und ein Spazierweg führt vom einen Ende zum anderen.
Unser Tagesziel hiess Vicuña, die grösste Ortschaft im Elqui-Tal. Die Ortschaft ist einerseits bekannt für die Pisco-Produktion und andererseits für die chilenische Dichterin und Nobel-Preisträgerin Gabriela Mistral.

Die Iglesia de la Immaculada Conceptión stammt aus dem Jahr 1909, der Kirchturm ist ganz aus Holz gebaut.
Das Innere der Kirche ist vor allem wegen der imposanten hölzernen Säulen interessant. Die Decke bröckelt an einigen Stellen gefährlich, wir waren auf jeden Fall froh, als wir unbeschadet wieder nach draussen gehen konnten.

Auf der linken Seite der Kirche steht der Torre Bauer, der 1905 in Deutschland vorgefertigt und anschliessend hier aufgestellt wurde. Der damalige Bürgermeister von Vicuña, ein gewisser Adolfo Bauer, liess ihn dort herstellen und nach Chile transportieren. Im roten Gebäude ist heute noch das Bürgermeister-Amt zu Hause.

Es gibt im ganzen Dorf viele gut erhaltene Gebäude, welche heute Wohnhäusern, aber auch Hotels und günstigen Herbergen Heimat bieten.

Etwa einen halben Kilometer von der zentralen Plaza de Armas entfernt liegt das Museo Gabriela Mistral, welches wir uns heute ansehen wollten. Leider mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass die Anlage wegen eines allgemeinen Streiks der Staatsangestellten heute geschlossen war und wir vor vergitterten Eingängen standen.

Im zentralen Brunnen auf der Plaza de Armas gibt es eine grosse Plastik der Dichterin, welche die Totenmaske der Nobel-Laureatin darstellen soll. Immerhin war diese trotz des Streiks zugänglich.

Ein lokaler Bildhauer hat die Dichterin in einem grossen Baumstrunk verewigt. Sie geniesst in Chile offenbar grosse Beliebtheit, ich kannte ihren Namen bisher nicht.

Im Tal werden viele Muskat-Trauben angebaut. Die Weingärten ziehen sich bis weit die kahlen Hänge empor. Sobald aber keine Bewässerung mehr stattfindet, ist es mit der Vegetation vorbei. Nur noch wenige stachlige Kakteen überleben die Trockenheit.
Zum Pisco noch eine Geschichte: Der Schnaps selber wird aus den Muskat-Trauben gemacht und dieser wird im Restaurant oder der Bar anschliessend mit verschiedenen Zutaten verfeinert. Meist kommt Zitronen- oder Orangensaft dazu, es gibt aber auch Varianten mit Mangosaft.
Sowohl in Peru als auch in Chile wird Pisco getrunken, die Chilenen finden jedoch, sie seien die Erfinder, da bei ihnen schon viel länger Trauben angebaut würden. Die Chilenen behaupten zudem, ihr Pisco sei erstens viel besser und sie würden viel mehr konsumieren und exportieren. Zudem hat ein ehemaliger Präsident eine Ortschaft im Elqui-Tal von La Unión in Pico Elqui umbenennen lassen. Die Markenrecht-Organisation der UNO gab in einem ersten Urteil schon mal Peru das Recht auf den Namen, der Streit geht jedoch munter weiter.

Hoch über der Bucht von La Serena ragt ein Betonkreuz bis auf 270 m über den Meeresspiegel hoch. Nicht sehr schön, doch so imposant, dass wir es besuchen.

Im Innern führt ein Aufzug bis in die Querbalken, von wo aus sich ein schöner Ausblick über die Bucht ergibt. Die Querbalken sind begehbar und weisen viele Fenster auf allen Seiten auf.

Da die Scheiben wohl noch nie geputzt wurden, sind sie von aussen ziemlich verschmutzt, so dass sich eine Foto nicht lohnt. Interessanterweise sind die Fensterbügel nicht nur verschlossen, sie sind zusätzlich mit verschweissten Metallbügeln gesichert. Offenbar will man hier auf keinen Fall Selbstmörder zu ihrem schändlichen Tun ermutigen.
