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- Kategorie: Winter 19 / 20: Argentina
Über London nach Belén
Eine weitere Etappe in den Norden Argentiniens führte uns heute entlang der Berge zur Endstation Belén, etwas mehr als 220 km über sehr wenig befahrene, aber ausgezeichnete Strassen.

Noch nirgends sah ich soviele alte Autos wie in dieser Gegend Argentiniens. Ein Beispiel eines ausserordentlich gut erhaltenen Oldtimers ist dieser Deux-Chevaux, der liebevoll gepflegt wurde. Daneben sahen wir auch viele alte Peugeots, darunter einen 404 und diverse 405. Auch fahren noch viele Renault 12 durch die Gegend, viele davon ziehen aber eine intensiv stinkende Rauchfahne hinter sich her.

Gleich ausserhalb der Stadt Chilecito gab es viele Berghänge, welche von grossen Cardones überwachsen waren. Statt in der Ebene, wo ab und zu eine Flut droht, wachsen diese riesigen Kakteen an den Berghängen. Hier gibt es zwar keine Sturzfluten, dafür aber auch kaum Wasser. Den Kakteen scheint dies egal zu sein. Auch wenn es hier nur sehr selten zu grossen Regenfällen kommt, zeugen die Flusstäler von grossen Aktivitäten.

Auf weiten Strecken begleiteten uns hohe Berge zu unserer Linken. Die meisten davon zwischen 3 und 4’000 m hoch. Dahinter liegt ein Tal und daran anschliessend schliesslich die Anden mit den höchsten Gipfeln der westlichen Hemisphäre. Die Luft war heute ausserordentlich klar bei einer Temperatur von bis gegen 38° am Nachmittag.

Als sich die vorgelagerte Bergkette absenkte, kamen die majestätischen Anden ins Blickfeld. Teilweise waren die Gipfel sogar noch schneebedeckt. Diese Cordiliera ist der Hauptgrund, dass es in dieser Gegend kaum je regnet. Die Wolken, welche vom Pazifik kommen, regnen schon an der westlichen Seite der Berge aus.

Kakteen können nicht nur riesige Cardones sein, die bis gegen 6 m Höhe erreichen, es gibt auch solche eher speziellen Gestalten. Kleine „Bölleli“ mit 2 bis 3 cm Durchmesser, welche aufeinander gestapelt sich. Die Natur vermag uns immer wieder zu verblüffen.

Gegen das Ende unserer heutigen Etappe führte die Strasse an einer Stelle direkt auf die hohen Anden-Gipfel zu. Unterschiedliche Höhen und Entfernungen der Gipfel sorgten für ein interessantes Lichtspiel. Ich konnte hier übrigens sehr gut in der Mitte der Strasse stehen, als ich dieses Bild schoss. Die nächste Kurve ist von meinem Standpunkt aus in beiden Richtungen sicher 10 km entfernt und Verkehr gab es heute praktisch keinen.

Unsere nächste Ortschaft nach der Abreise aus Chilesito war London oder hier eben Londres. 1558 wurde die Stadt gegründet und so genannt, da damals der spanische König mit einer Mary Tudor aus England verheiratet war. Die östlichste Inka-Hauptstatt lag auf dem heutigen Gemeindegebiet, Shincal de Quimivil ist eine archäologische Ausgrabung, welche leider nur ab 16 Uhr Nachmittags und nur mit einem Führer besucht werden kann. Zudem ist sie sehr weitläufig. Die Anlage selber ist nicht sehr beeindruckend, es haben nur wenige Bauten die Zeiten und die Spanier überlebt.

Wir entschlossen uns deshalb, die Ausgrabungen links liegen zu lassen und besuchten statt dessen das lokale Museum, welches einige Artefakte ausstellte. Zudem gab es hier noch Interessantes zum täglichen Leben zu sehen.

Teile der Inka-Kultur waren bekannt für ihre Töpfereien. Dieser grosse Topf mit etwa einem halben Meter Durchmesser hat die Form eines Gesichtes mit Augen, Ohren, Nase und Mund.

Eine zeitlich etwas spätere Töpferei zeigt ebenfalls ein Gesicht mit Augen und stark ausgeprägten Augenbrauen. Ob es ich bei den beiden Teile weiter unten wohl um entweder zwei Hände oder einen Schnauz handelt? Ich fand keine Erklärung dazu in den Beschreibungen des Topfes. Die Schlitzaugen scheinen mir auch nicht ganz in die Gegend zu passen. Die Inkas waren sicher nicht mit den Chinesen verwandt und deren Kulturen mischten sich meines Wissens auch nicht. Das Karo-Muster der Kleidung hat vermutlich auch nichts mit den Schotten zu tun.

Die Dorf-Kirche sieht mit ihrer gelben Farbe speziell aus, das Innere ist aber gemäss den knapp 2’000 Einwohnern des Dorfes eher einfach.

Am letzten Wochenende wurde in Argentinien gewählt, die Wahlwerbung wurde heute an vielen Stellen mit weisser Farbe übermalt. Für die nächsten Slogans steht nun wieder genügend Platz zur Verfügung. Nun können wieder Verwünschungen der eben gewählten Politiker aufgesprayt werden.

Die Malvinas sind bei uns als die Falkland-Inseln bekannt, welche noch heute eine britische Kolonie sind. Sie liegen 395 km östlich des argentinischenFestlandes im Südatlantik. 1982 besetzten die Argentinier die Inseln, welche sie schon seit 1833 als Teil ihres Landes beanspruchen. Die Besetzung löste den Falkland-Krieg aus, dem mehr als 1’000 Menschen zum Opfer fielen. Noch heute beanprucht Argentinien den Archipel und die Engländer wollen um keinen Preis nachgeben. Als ob jene nicht schon genügend Probleme hätten.

Die 50 Pesos Note zeigt die Malvinas.

In Belén sah ich einen grossen Cardon, der gerade voll in Blüte stand. Schöne gelbe Blüten schmückten den Kaktus auf knapp 2 m Höhe. Mit dem iPhone liessen sich diese aber noch gut fotografieren.
