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- Kategorie: Winter 19 / 20: Chile
Pinguine und eine Überraschung verbunden mit einer Planänderung
Heute Sonntag fanden wir zuerst keine geöffnete Vulcanisadora - eine Pneuwerkstatt, wo wir unseren gestrigen Plattfuss flicken lassen konnten. Wir machten uns deshalb auf den Weg nach Norden, wo in knapp 100 km Entfernung eine kleine Insel etwa 20 m vom Ufer entfernt liegt. Darauf nistet eine Kolonie von Humboldt-Pinguinen, denen wir heute einen Besuch abstatten wollten.

Der Morgen empfing uns mit einer wunderbaren Sicht auf Valpo und Vigña, zuerst noch unter Hochnebel, bald brannte die Sonne aber den restlichen Dunst weg und die Städte erstrahlten in schönstem Licht.

Schon auf dem Weg entlang des Meeres trafen wir auf einen grossen Felsen, auf welchem viele Robben die Sonne genossen. Wie immer bei diesen Tieren war ein recht grosser Lärm die Begleiterscheinung.

Die Pinguin-Insel war dann auf den ersten Blick eine Enttäuschung. Die Wohnhöhlen der Vögel waren leer und ohne Feldstecher war kein einziger zu sehen. Lediglich oben auf der Insel standen viele Pelikane nahe beieinander. Auf den toten Ästen brüteten einige wenige Kormorane in ihren Nestern. Die braune Farbe auf den Steinen stammt vom Guano, dem Kot, den die Vögel hinterlassen. Dieser wurde früher in Chile und anderen Ländern an der Westküste Südamerikas abgebaut und nach Europa exportiert, wo er als Dünger sehr beliebt war. Im ausgehenden 19. Jhdt. wurden um die Ressource sogar Kriege geführt.

Mit dem Feldstecher und der grossen Linse an der Kamera waren dann doch noch einige Pinguine zu sehen. Hier ist noch nicht die Zeit der Mauser, während derer die Vögel während einiger Wochen nicht ins Wasser können. Dann sind sie hier zu Tausenden den ganzen Tag über zu beobachten. Während der Nacht wären sie auch jetzt hier, aber leider wir nicht.

Viele Pelikane nutzen die Insel auch für ihre Ruhepausen. Die Insel ist für die Vögel aus Sicherheitsgründen sehr interessant. Da sie vom Festland abgetrennt ist, kommen Katzen und andere Räuber nicht an die Vögel und Nester.
Als wir auf den Rückweg entlang dem Strand zum Parkplatz waren, kam uns ein Polizist entgegen und fragte mich, ob wir ein Auto am Parkplatz stationiert hätten. Ich dachte schon, ich hätte einen grossen Mist gebaut und er wolle mich büssen. Weit gefehlt: Er sagte, unser Auto sei aufgebrochen worden und wir sollten doch möglichst schnell hinkommen.

Gesagt, getan. Als wir ankamen, sahen wir den Schaden. Die Scheibe auf der Beifahrerseite hinten wurde eingeschlagen. Auf dem Parkplatz waren mehr als 20 Autos abgestellt und sehr viele Leute waren präsent. Offenbar hat sich jemand zwischen zwei Autos gestellt und die Scheibe eingeschlagen. Er wurde aber sofort bemerkt und musste unverrichteter Dinge abhauen. Es gelang dem Übeltäter nicht, die Türe zu öffnen oder etwas zu stehlen. Die Umstehenden alarmierten sofort die Polizei, welche mit zwei Mann anrückte. Trotzdem war es eine böse Überraschung!

Die Polizei fuhr mit mir zum Polizeiposten, wo ein Rapport aufgenommen wurde. Das dauerte recht lange, da der Polizist einen ganzen Roman schrieb und ich diesen anschliessend noch lesen und unterschreiben musste.

Dies ist Ulisses, der Mann, der den Übeltäter bemerkte und auch auf dem Polizeiposten auftauchte, um seine Aussage zu machen. Ich bedankte mich bei ihm, bevor er wieder verschwand.
An einem Sonntag eine Scheibe zu ersetzen ist unmöglich. Wir entschieden uns deshalb, nach Santiago zurück zu fahren und es dort bei der Vermietung zu machen. Ein unmögliches Ansinnen, auch die haben keine Ersatzscheiben. Und das Auto können wir auch nicht austauschen, da unsere Erlaubnis für den Grenzübertritt nach Argentinien genau auf dieses Fahrzeug ausgestellt ist und bei der Änderung des Fahrzeuges eine neue Bewilligung mit neuen Kosten und einer fünftägigen Wartefrist nötig wäre.

Also suchten wir uns ein Hotel und werden morgen Montag in aller Frühe eine Nissan-Garage aufsuchen, um den Schaden zu ersetzen. Der Mitarbeiter des Hausdienstes klebte mir die Türe mit einem Plastik zu, damit das leere Auto nicht ganz so einladend aussieht. Sichderheitshalber haben wir aber alle persönlichen Gegenstände ins Zimmer genommen.
Wir hoffen, dass wir am späteren Nachmittag wieder mobil sein werden und dann nach Argentinien losbrausen können. Damit werden wir einen Tag später als geplant in Mendoza ankommen. Eine gute Seite hatte unser heutiges Pech dennoch: Wir können morgen unseren Pneu gleichzeitig mit der Scheibe reparieren lassen. Getreu meines Lieblingsmottos: Always look at the bright side! Aber trotz allem, langsam habe ich die Schnauze voll von den Einbrüchen und Diebstählen!
