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- Kategorie: Winter 19 / 20: Chile
Chaos in Santiago de Chile
Jeden Sonntag ist die Avenida Paulista in São Paulo für den Autoverkehr gesperrt. Das hiess für uns, dass wir unser Taxi in eine Nebenstrasse bestellen mussten und unser Gepäck bis dort tragen mussten.

Wo wochentags der Verkehr rauscht, sind heute ausser einigen Velofahren vor allem Fussgänger unterwegs. Die gefühlte halbe Stadt schlendert auf der Strasse.

An vielen Stellen haben Musikgruppen ihre Instrumente aufgestellt und spielen ihre Konzerte. Einige Hard-Rock-Formationen machten einen Höllen-Lärm. Trotzdem hatten sie Zuhörer.

Ein Seifenblasen-Artist gab sein Können zum Besten. Ab und an gelang ihm eine sehr grosse Blase, welche von den Umstehenden mit Applaus quittiert wurde.

Zu lauter Musik fand vor dem Eingang einer Bank eine Aerobic-Stunde im Freien statt. Die TurnerInnen waren von unterschiedlichem Kaliber, die meisten hatten aber ein gutes Gefühl für Rhythmus.

Unser Flug nach Santiago de Chile wurde heute um 4 Stunden verschoben. Der Flieger konnte offenbar in Santiago nicht rechtzeitig starten. Zudem hatte der Flieger ausser Kaffee und Mineralwasser keinerlei Esswaren an Bord. Doof für uns, da wir mit mindestens einem Sandwich rechneten. Die Airline sandte mir bereits am frühen Morgen eine entsprechende Mitteilung, so dass wir erst später vom Hotel losfuhren und nicht zu lange am Flughafen warten mussten. Der Flug selber war relativ unruhig, vor allem kurz vor dem Anflug auf Santiago beim Sinkflug über den Anden gab es starke Turbulenzen. Santiago liegt am westlichen Fuss der Anden, die höchsten Gipfel in der Gegend sind gegen 5’000 m hoch.
Nach der Landung in Santiago ging das Chaos aber erst richtig los. Es begann bei dem bestellten Rollstuhl, der nicht bereit stand. Ich musste deshalb die sehr lange Strecke bis zur Passkontrolle und zur Gepäckausgabe zu Fuss gehen.
Bei der Passkontrolle warteten vor den wenigen offenen Schaltern lange Schlangen von Passagieren auf die Abfertigung. Uns drohte mindestens eine Stunde Wartezeit, für mich sehr mühsam, da ich schlecht so lange stehen kann. Ich fragte deshalb einen offiziell aussehenden Beamten, ob es für Behinderte keinen speziellen Schalter gäbe, auch wenn diese ohne Rollstuhl unterwegs seien. Er lotste uns umgehend zu einem solchen Schalter, wo die Abfertigung dann entsprechend schneller ging. Aber zu früh gefreut!

Unser Gepäck wurde erst nach knapp zwei Stunden ausgeliefert, angeblich war niemand von der Airline vor Ort, um das Ausladen des Gepäcks zu überwachen. Im Flughafen von Santiago herrschte ein riesiges Durcheinander.
In der Stadt herrscht nach den Unruhen der letzten Tage der Ausnahmezustand mit einer Ausgangssperre, viel Personal kann deshalb nicht zur Arbeit erscheinen und auch viele der Flüge wurden annulliert. Der öffentliche Verkehr ist mehr oder weniger eingestellt und überall ist die Polizei präsent.
Als ich ein Taxi bestellte, hiess es, wir müssten mit zwei Stunden Wartezeit rechnen, da die meisten Taxis ausgebucht seien. Nichtsdestotrotz machten wir uns auf den Weg nach draussen zu den Taxiständen. Ich hörte einen Taxifahrer rufen, er suche Passagiere nach Las Condes, unserem Quartier. Innerhalb von zwei Minuten sassen wir im Taxi und nachdem noch zwei Passagiere zugestiegen waren, ging es los. Über verkehrsfreie Strassen war die Fahrt sehr schnell und wir kamen kurz vor Mitternacht doch noch im Hotel an. Natürlich war das Restaurant mittlerweile geschlossen.

Unser Nachtessen nach Mitternacht im Hotel: Zwei Bier, ein Säcklein mit Nüssen und einige Chips. Dick wird man davon nicht.

Im Fernsehen laufen Live-Berichte über die Unruhen und den Ausnahmezustand. In einigen Orten brannte es, es gab auch einige Tote. Die Schulen sind morgen eingestellt.
Wir werden morgen Montag sehen, ob wir wie geplant eine Stadtbesichtigung machen können, oder ob wir den ganzen Tag im Hotel verbringen müssen.
