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- Kategorie: Winter 18 / 19: 2. Etappe Namibia mit Ruth
Über die zweifelhafte Quelle zur Damara Mopane Lodge
Als wir heute morgen in Hentiesbaai aufwachten, lag dichter Nebel über der Gegend und das Thermometer erreichte nur 14°. Unser Auto war vom Nebel ganz nass, was während der nächsten 100 km zu einem grösseren Farbwechsel unsers Toyota führen sollte. Sobald wir knappe 20 km von der Küste entfernt waren, klarte der Himmel auf und die Temperatur steig bald auf angenehme 25°.

Der Blick zurück auf die Küste zeigte das Nebelband, voraus war fast ausschliesslich ein blauer Himmel.

Bald schon kam der Brandberg auf der linken Seite der Piste ins Blickfeld. Dies ist mit 2’574 m Namibias höchster Berg. Für heute liessen wir ihn links liegen, die berühmte Zeichnung „White Lady“ wäre für mich ohnehin nicht erreichbar, da sie viel zu weit vom Parkplatz entfernt ist.

Das Damara-Land ist ein sehr schöner Teil Namibias, Eine nahezu menschenleere Landschaft mit interessanten Bergen unter einem immensen, afrikanischen Himmel.

Einige der interessanten Berge.

Das Hauptziel unserer heutigen Fahrt lag etwas weiter westlich der Strasse von Hentiesbaai nach Khorixas: Die zweifelhafte Quelle oder auf Afrikaans Twyfelfontein. In diesem Talkessel gibt es sehr schöne Felskunst der San oder anderer früherer Bewohner dieser Gegenden. Die Gravuren sind sehr alt, über das genaue Alter gehen die Meinungen jedoch auseinander. Rund um die Quelle haben aber vermutlich schon seit ein paar tausend Jahren immer wieder Menschen gelebt.

Auf relativ weichem Sandstein gibt es sehr viele Gravuren. Die meisten stellen Tiere dar, auch menschliche Hände sind dargestellt. Die runden Symbole mit einem Punkt in der Mitte sollen wohl ganzjährig wasserführende Quellen darstellen. Kreise ohne Punkt stellen saisonale Quellen dar. Ähnliche Symbole brauchen wir noch heute auf unseren Karten. Da sich das Klima im Lauf der Jahrtausende verändert hat, sind diese Karten heute wertlos, die Lage der Quellen kann nicht mehr eruiert werden.

Die Gravuren dürfen nicht ohne Führer besucht werden, Die meisten Führer nehmen jeweils eine kleinere Gruppe auf die Wanderung mit, wir waren heute zu acht. Unser Führer war sehr interessant, er sprach ein gutes Englisch, so dass seine Erklärungen gut verständlich waren. Immer wieder wies er auf die dargestellten Tiere hin und erzählte spannende Geschichten. Hier sind neben Tierfiguren auch Tierspuren dargestellt.

Dieses Tier wäre auch ohne Führer klar erkenntlich. Neben der Giraffe sind auch menschliche Füsse eingeritzt. Über deren Bedeutung gehen die Meinungen auseinander: Einerseits könnten es Signaturen der Künstler gewesen sein, andererseits aber auch Gebietsansprüche. Jede Theorie ist so gut wie die nächste, fragen kann man niemanden mehr.

Der Weg zu den Gravuren führt buchstäblich über Stock und Stein. Zwischen grossen Felsbrocken gibt es ab und zu Treppenstufen, oft aber auch gar nichts. Ohne Ruths Unterstützung wäre der Rundgang für mich unmöglich gewesen. So war es zwar streng, aber möglich und erst noch lohnend!

Ein Elefant muss natürlich auch sein, diese sahen vor langer Zeit schon so aus wie heute. Lediglich die Stosszähne waren grösser, da die Tiere nicht wegen des Elfenbeins gejagt wurden.

Offenbar wanderten die Künstler damals schon bis zur Küste, auf direktem Weg immerhin gute 110 km durch baumlose Wüste mit wenig Wasser. Sie zeichneten jedenfalls Robben und Pinguine neben Giraffen, Rhinos und anderem Getier.

Eine der bekanntesten Figuren in Twyfelfontein ist dieser Löwe, dessen Schwanzspitze eine menschliche Hand darstellt. Auch diese Figur bietet Raum für Spekulationen. Es könnte sein, dass sie einen Schamanen darstellt, eine Mischung zwischen Mensch und Tier oder auch das Resultat einer Zeichnung in einem Rausch sein. Auch hier bleibt der Spekulation Tür und Tor geöffnet.
Als wir bei unserer Lodge ankamen, war unser Auto rötlich gelb statt weiss. Der aufgewirbelte Sand auf den Pisten klebte an der Feuchtigkeit vom Nebel und sorgte für den Farbwechsel. An einigen Stellen ist die Schicht ziemlich dicht. Das wird die Autowascher freuen, wenn wir zurück in Windhoek sein werden.
