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- Kategorie: Winter 18 / 19: 1. Etappe Johannesburg - Windhoek mit Paul
Mit ein Grund für den Besuch in Swakopmund: eine urtümliche Pflanze
Nordöstlich von Windhoek lebt eine seltsame Pflanzenart, welche nur an wenigen Orten zu finden ist. Die Welwitchia mirabilis. Für uns eine Rundfahrt durch eine auch sonst interessante Landschaft allemal wert.

Während am Meer heute den ganzen Tag über ein Hochnebel lag, war das Landesinnere weitgehend wolkenfrei. Der Swakop hat sich hier tief in die Landschaft eingegraben und eine mond-ähnliche Landschaft hinterlassen. In dieser Gegend liegt der jährliche Regenfall bei weniger als 20 mm / Jahr, wobei in vielen Jahren überhaupt kein Regen fällt. Der Fluss fliesst über 460 km und entwässert ein Gebiet von 30’100 km2. Eine gigantische Fläche und dennoch ist er meist trocken.

Weil hier so wenig Regen fällt, gibt es kaum gross Vegetation. Ganze Landstriche sind mit Flechten bewachsen. Diese erhalten ihre Feuchtigkeit durch den Dunst während der Nacht. Dieser wird vom Meer her hierhin geweht. Die Flechten wachsen sehr langsam und Spuren, welche Fahrzeuge hier im Sand hinterlassen, sind noch nach Jahrzehnten sichtbar. Deshalb sollte abseits der markierten Pisten nicht gefahren werden, doch auch hier halten sich nicht alle dran.

Eine andere extrem Trockenheits-resistente Pflanze ist der sogenannte Dollar Bush, welcher wegen der Form seiner Blätter so genannt wird.

Unten am Swakop-Fluss oder in seinem Flussbett, so er denn mal Wasser führt, liegt eine kleine Lodge, wo wir uns heute einen Kaffee und einen Tee genehmigten. Scheissende Hunde sind hier nicht erwünscht, sie werden entsprechend behandelt. Eigentlich sollte dies eher mit den Haltern geschehen, welche sich einen Dreck um den Auswurf ihrer Lieblinge kümmern.

Im Garten beim Restaurant liefen unterschiedliche Hühner herum. Ein so interessant gefärbtes Tier sah ich noch nie!

Wieder auf der Höhe des Plateau gab es nochmals einen schönen Rundblick über die Mondlandschaft.

Dann endlich, die erste Welwitschia auf dem heutigen Ausflug. Eine unscheinbare Pflanze, deren Vorkommen zudem auf den schmalen Küstenstreifen von Swakopmund bis hinauf in den Süden von Angola beschränkt ist. Ein Stamm mit einer Pfahlwurzel trägt zwei Blätter, welche aber im Laufe der Zeit ausfransen und es häufig so aussieht, als ob es sich um mehrere Blätter handelt.

An einer Stelle liegt eine interessante geologische Formation zu Tage: Heisses Magma, sogenannter Dolerit, drang durch vulkanische Aktivitäten in eine Spalte des umliegenden Granits ein. Der Granit verwitterte schneller als der Dolerit, so dass letzterer nun gut als schwarzes Band zu sehen ist. Das Band läuft lange entlang einiger Bergketten.

Ein Verbotsschild steht wohl schon lange im trockenen Flussbett des Swakop, die Sonne hat die Farbe schon fast vollständig abblättern lassen. Wasser floss hier auch schon länger keines mehr. Der Boden sieht genau so aus wie die Farbe.

An einigen Stellen wachsen sehr viele Welwitschia. Sie wachsen offenbar gerne in Schuttkegeln, welche von den Wassermassen aus den Bergen getragen werden.

Die Welwitschia ist eine sogenannt zweihäusige Pflanze, jedes Individuum ist entweder männlich oder weiblich. Hier ein männliches Exemplar.

Die weibliche Pflanze ist lediglich an der Form der Fruchtstände zu erkennen. Dem Laien helfen diese metallenen Hinweise bei der Geschlechterbestimmung. Wenn kein Schild da steht, fällt mir die Bestimmung schwer, zumal zur Zeit die Geschlechtsorgane nicht sehr ausgeprägt sind.

Ein schönes Exemplar, bei dem es schwer fällt, die Theorie mit den zwei Blättern zu glauben. Die Steine wurden als Kreis rund um die Pflanzenstandorte gelegt, damit die Touristen nicht das feine Wurzelwerk zertrampeln. Darüber nimmt die Welwitschia das wenige verfügbare Wasser auf, das sie zum Leben braucht. Es gibt leider immer wieder viele Idioten, die sich nicht bekümmern, und am liebsten noch auf den Pflanzen selber herumtrampeln würden.

Eines der ältesten Exemplare ist eingezäunt, eine Beobachtungsplattform erlaubt es dennoch, einen guten Blick auf die geschätzt 1’500 Jahre alte Pflanze zu werfen.

Auch hier gibt es nur zwei Blätter, die aber schon sehr stark gespalten sind. Einige Teile sind abgestorben, andere sehen noch sehr grün aus.

Die letzte Welwitschia für heute, wir werden vielleicht morgen nochmals einige wenige Exemplare antreffen, wenn wir entlang der Küste in den Norden nach Cape Cross fahren.
Mehr Infos zu dieser interessanten Pflanzenart gibt es hier (Klick mich!).

Nach einer längeren Rundfahrt sind auch wir recht müde und freuen uns auf den Apéro und das anschliessende feine Nachtessen im Restaurant unteres Hotels. Die Jungs der Strassenreinigung ruhen sich in ihren Schubkarren aus, bevor auch sie den wohlverdienten Feierabend antreten.
