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- Kategorie: Winterreise 16 / 17: Fünfte Etappe - Vietnam 17
Ein Tag mit Problemen, die sich aber lösen liessen. Und ich konnte Vietnamesisch lesen!
Der heutige Tag fing nicht sehr gut an. Als wir uns um 09:30 im Hotel meiner Bekannten treffen wollten, hatte Pete’s Mofa einen Platten. Er erhielt aber umgehend einen neuen Roller und wir konnten ein wenig verspätet losbrausen.

Bei einem Leuchtturm in der Nähe der Inselhauptstadt trafen wir einen Vietnamesen und seine Frau, beide verliessen Vietnam einen Tag, bevor die Nordvietnamesen damals Saigon überrannten. Er arbeitete als Elektroingenieur für die südvietnamesische Luftwaffe und war froh, das Land noch rechtzeitig verlassen zu können. Nun lebt er in der Nähe von Los Angeles, besucht aber seine alte Heimat öfter. Er war so nett und schoss einen Aufnahme von uns dreien, links Larry aus San Diego, in der Mitte yours truly, rechts Pete aus England und seit fast 40 Jahren in Frankfurt.

Der nächste Besuch galt der Fischsaucen-Fabrik. Die eigentliche Herstellung war tabu, den Lagerraum der fertigen Saucen konnten wir hingegen besichtigen. Hier war der Geruch zwar präsent, aber nicht ganz so schlimm.

Alle Asiaten stürmten das Geschäft und kauften teilweise mehrere Flaschen der Sauce. Das hiesige Produkt gilt als das beste in ganz Asien und ist dementsprechend weitherum gesucht. Ich las, dass die Asiaten in vielen Gerichten kein Salz verwenden und stattdessen Fischsauce zugeben. Verständlicherweise ist der Transport der Flaschen an Bord der Flugzeuge der Vietnam-Airline verboten, es wird aber vermutlich nicht ganz so strikt kontrolliert.

Im Gepäckfach des Reisebusses lagerten die Käufer ihre Produkte während der Fahrt. Nahezu der ganze Unterraum des Busses war mit den Flaschen vollgestellt. Das erinnert mich irgendwie an den unsrigen Kult mit dem Extra vergine Olivenöl, einem Produkt, dass in Asien wiederum gänzlich unbekannt ist.

Um die Mittagszeit stoppten wir bei einem Fruchtbaum, Larry wollte wissen, um welche Art es sich handelte. Als wir wieder losfahren wollten, streikte sein Roller. Die Batterie war zu schwach, um den Motor zu starten. Einmal gelang es uns, mit dem Kickstarter den Motor wieder zum Leben zu erwecken, beim nächsten Halt war aber nicht einmal das mehr möglich. Wenige m neben unseren Stopp war eine Reparaturwerkstätte, der Mechaniker wollte aber seinen A. nicht heben und weigerte sich, uns zu helfen. Larry entschied, seinen Roller stehen zu lassen und zum Vermieter zurück zu fahren. Dieser sollte den Roller abholen und ihm einen Ersatz geben.

Nach wenigen 100 m fand sich eine weitere Werkstätte und dieser Mechaniker war sofort bereit, sich das Problem anzusehen. Nachdem er die Batterie für 15 Minuten am Strom geladen hatte, konnten wir weiterfahren. Seine Werkstatt war sauber aufgeräumt und alle Werkzeuge waren ordentlich abgelegt. Der Faulpelz hatte dementsprechend eine Sauerei. Ein gutes Beispiel einer funktionierenden Marktwirtschaft: Gute Arbeit wird belohnt und erlaubt Wachstum, schlechter Kundenservice wird bestraft. Eine gute Belohnung liess den hilfsbereiten Mechaniker straheln. Zurück beim Vermieter erhielt Larry einen anderen Roller.

Pete und ich machten uns dann alleine auf den Weg in den Osten der Insel, wo ein langer Pier ins Meer hinaus geht. Links und rechts des Piers gab es viele schwimmende Restaurants.

Im Angebot waren vor allem Meeresfrüchte: Fische, Krabben, Muscheln und weiteres Getier aus dem Wasser war in den Körben im Wasser direkt bei der Küche. So bleiben die Tiere frisch und kommen direkt aus dem Wasser in die Pfanne und auf den Tisch. Für uns war es hier zu früh um zu essen und abends leider zu weit um nochmals hin zu fahren. Wir begnügten uns mit den Bildern.

Zurück am Land gab es viele Marktstände, an denen allerhand Sachen gehandelt wurden. In diesem Becken waren es lebendige Seepferdchen.

Hier gab es getrocknete Seepferdchen und ähnliche getrocknete Kreaturen. Ich verspürte keine Lust, ein solches Trockenfutter zu probieren. Anscheinend werden die Tiere wegen ihrer vielen Stacheln und Knochenplatten nicht ganz gegessen, sondern zermahlen und dann als Medizin oder zur Potenzsteigerung konsumiert.

Riesige Zunderschwämme gab es hier, ob die wohl noch als Zunder gebraucht werden? Offensichtlich verkaufen sie sich aber sehr gut, denn mehr als ein Markstand hatte sie im Angebot.

Rinde eines Strauches, der in Asien recht verbreitet ist, findet auch bei uns vielfache Verwendung. Es ist die äusserste Rindenschicht des Zimtstrauches. In einigen lokalen Gerichten wird Zimt häufig eingesetzt.

Hier konnte ich zum ersten Mal ein vietnamesisches Wort lesen und verstehen. Ich kam mir wie ein Weltenbummler vor, der sich schon in die Kultur eingearbeitet hat. So schwierig ist die Sprache dann doch nicht. Allerdings waren es nur zwei Wörter.
