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- Kategorie: Winterreise 16 / 17: Vierte Etappe - Cambodia 17
Tour zum Dorf Kompong Phluk am Tonlé Sap-See
Statt den ewigen Tempeln und Ruinen wollte ich heute etwas anderes sehen. Knapp 30 km südöstlich meines Hotels gibt es ein Dort am Tonlé Sap See. Ein Besuch dieses Dorfes war heute auf meinem Programm. Der See selber ist sehr interessant. In der Trockenzeit misst er um die 3’000 km², wenn er voll ist, werden daraus bis zu 10’000 km². Mit dieser Flächen-Zunahme geht auch eine Zunahme der Tiefe einher. Aus 3 m werden dann bis zu 14 m! Das stellt für die Bewohner der Ufer eine grosse Herausforderung dar, denn der See nimmt ja nicht gegen unten in der Tiefe zu. Diese Auswirkungen wollte ich mir heute ansehen.

Auf der Fahrt zum See fuhren wir immer wieder an kleinen Essenständen vorbei. Als ich mir einen davon näher ansah, bemerkte ich die seltsamen Spiesse. Hier werden ganze Frösche grilliert und von den Passanten gekauft und als eine Art Snack gegessen. Nicht mein Ding.

Die Gegend rund um den See ist äusserst fruchtbar. Der steigende Pegel überflutet weite Gebiete und lässt wertvolle Nährstoffe zurück. Deshalb kann hier Reis angebaut werden und dies sogar für zwei Ernten pro Jahr! In nur 90 Tagen ist die Aussaat jeweils erntereif.

Der See und die umliegenden Flüsse gelten als die fischreichsten Binnengewässer der Erde. Mit solchen Reusen werden die Fische gefangen. Der See soll im Juni ein einzigartiges Phänomen zeigen. Sein Abfluss heisst genau wie der See auch Tonlé-Sap. Er mündet in Phnom Penh in den Mekong. Letzterer führt im Frühjahr jeweils soviel Wasser, dass er die Flussrichtung des Tonlé-Sap umdreht und dieser nun seinerseits den See auffüllt!

Die Fischerboote verrichten in der Trockenzeit die Aufgabe als Touristenshuttle, welche diese von einem Parkplatz aus zum See führen. 300 Boote sollen hier zu diesem Zweck eingesetzt werden, heute waren aber höchstens 10 davon im Einsatz.

Kurz vor der Ortschaft steht das Schulhaus am Ufer. Bei Hochwasser reicht dieses bis knapp unter die Geländer.

Alle Häuser in der Ortschaft stehen auf teilweise abenteuerlichen Stelzen. Diese sind jetzt eher unnütz, doch bei Hochwasser können die Schiffe direkt neben den Häusern angebunden werden. Dann gilt die Ortschaft als sogenannt schwimmendes Dorf, als das sie auch angepriesen wird. Ohne Hochwasser sieht das eher seltsam aus und von schwimmen natürlich keine Spur.

Auch in dieser einfachen Umgebung hat der Mobilfunk Einzug gehalten. Hohe Sendemasten verbreiten ein starkes 3G-Signal, welches zudem sehr günstig eine gute Leistung bringt. Die meisten Leute sind auch hier ständig an ihren Händys, entweder für ein Gespräch, öfter aber auch um einen Film zu schauen. Viele Tuk-Tuk Fahrer verbringen die Wartezeit auf Youtube.

Auf der Dorfstrasse werden auf grossen Blachen kleine Crevetten zum trocknen ausgelegt. Auch diese selbstverständlich mit einer entsprechenden Geruchsemission.

Kaum vorstellbar, wie diese Strasse bei Hochwasser aussieht, ich möchte mir dies mal ansehen. Der Verkehr im Dorf ist dann ausschliesslich mit Schiffen möglich. Dann sind sicher auch mehr der nun trockenliegenden Schiffe im Einsatz.

Mit den kleinen Reusen, welche hier zum Trocknen ausgehängt sind, werden die Crevetten in den Mangroven gefangen.

Nach einer 10-minütigen Bootsfahrt erreichten wir schliesslich den offenen See. Hier gab es nun ein schwimmendes Etwas. Zwar kein ganzes Dorf aber immerhin ein schwimmendes Restaurant. Hier stiegen wir auf ein kleines Boot um, welches von einer lokalen Frau gerudert wurde. Sie machte eine kurze Tour durch die Mangroven und zeigte uns einige der Crevetten-Reusen im Einsatz.
