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- Kategorie: Winterreise 15 / 16 - Fünfte Etappe - Colombia
Die Altstadt von Cartagena zu Fuss

Nachdem ich gestern im Abendlicht von dieser Stelle aus ein Bild der modernen Skyline schoss, zeigte sich die Stadt heute im schönsten Sonnenschein am anderen Ufer des Meeresarms- Ich machte mich nach dem Frühstück auf den Weg in die Altstadt, um diese zu Fuss zu erkunden.
Mit dem Taxi liess ich mich zum Stadttor fahren, welches als Puerta del Reloj (Uhrtor) bekannt ist. Die Stadtmauer selber stammt noch aus der Zeit der Spanier, der Turm wurde erst 1888 hinzugefügt.
Eine der vielen Kirchen in der Altstadt Cartagenas, welche am heutigen Sonntagmorgen so wie die meisten anderen geschlossen war. Erst gegen 11 Uhr öffneten sie ihre Tore.
In der Plaza de Bolivar steht - wie könnte es auch anders sein - eine Statue von Simón Bolívar. Der Freiheitskämpfer ist eine Ikone in vielen Südamerikanischen Ländern, er führte den Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier an und starb 1830 unter unklaren Umständen. Offiziell an Tuberkulose, wahrscheinlicher aber an einer Arsen- Vergiftung, die jedoch nicht mit Bestimmtheit nachgewiesen werden konnte.
An derselben Plaza steht auch der ehemalige Palacio de la Inquisición. Die Ausstellung im Innern verrät nur wenig über jene grässliche Institution der katholischen Kirche, welche ab 1610 die Gegend unter der Knute hielt. In Lima besuchte ich auf einer früheren Reise das dortige Museum der Inquisition, welches viel aufschlussreicher war. Auf der Seite des hiesigen Palastes gibt es ein kleines Fenster, die Ventana de la Denuncia, wo die Bewohner Cartagenas ihre Mitbürger bei der Inquistions-Behörde anzeigen konnte, welche dann ihre Ermittlungen aufnahm. Darüber, wieviele unliebsame Konkurrenten und Ehepartner so aus dem Weg geschafft wurden, kann nur spekuliert werden. Kapitale Verbrechen im Buch der Kirche waren zB. Abfall vom Glauben, Hexerei, Judentum und andere böse Taten.
Einige Frauen in schönen Gewändern verkauften allerhand Früchte wie Bananen, Mangos sowie Fruchtsäfte an die Passanten. Sie fanden regen Zuspruch. Ich kaufte einen Sack mit Mangostücken, welche hervorragend schmeckten.
Eine der vielen schmucken Gassen in Cartagenas Innenstadt. Immer wieder sind Kirchtürme zu sehen, welche die übrigen Gebäude überragen. Die meisten Gebäude in der Stadt innerhalb der spanischen Stadtmauern sind lediglich ein oder zwei Stockwerke hoch. Am heutigen Sonntag war nicht sehr viel Verkehr, was das Gehen in den engen Gassen gut möglich machte.
Der Turm der Kathedrale Cartagenas ragt hier über die Dächer der umliegenden Häusern. In vielen Innenhöfen wachsen Sträucher wie Bougainvillea und andere blühende Pflanzen, welcher der Stadt einen hübschen Anstrich geben.
Einer der grossen kolumbianischen Künstler ist Fernando Botero, dessen Werke auch in der Innenstadt von Cartagena präsent sind. Seine Figur Gertrudis vor der Iglesia del Santo Domingo zählt zu den am meisten fotografierten Kunstwerke der Stadt. Sie ist auch das einzige Original von Botero.
Der grosse Erfolg Boteros zieht natürlich auch allerhand Nachahmer nach: Nicht nur der Künstler selber stellt in Cartagena aus, auch viele Strassenhändler versuchen mit vielen an seine typischen Figuren angelehnten Kopien ihre Geschäfte zu machen. Es ist eben immer noch einfacher, statt eigene Ideen zu entwickeln, jene von den Erfolgreichen zu kopieren und so als Trittbrettfahrer doch noch etwas vom Ruhm zu profitieren. Ob letztere wohl Urheberrechts-Abgaben leisten?
Auch selbsternannte Kunstmaler kopieren seine charakteristischen Bilder. Ob diese jemals gekauft werden, bezweifle ich. Sie sind weder besonders originell noch gut gemacht. Und der Transport auf einer längeren Reise ist alles andere als praktisch.
Von der Stadtmauer aus ergibt sich ein interessanter Kontrast: Einerseits die Mauern aus der Kolonialzeit, welche die Altstadt umschliesst und direkt dahinter die moderne Skyline der modernen Stadt. Dieses Bild konnten sich die Spanier zu ihrer Zeit wohl kaum vorstellen.
Natürlich darf in einer grösseren kolumbianischen Stadt auch diese Figur nicht fehlen. Die Statue an zentraler Stelle verkörpert Cristóbal Colón, bei uns als Christoph Kolumbus bekannt, welcher 1492 als vermutlich erster Europäer auf der suche nach Indien irrtümlich einen neuen Kontinent entdeckte. In Cartagena war er allerdings nie.
Das Castillo San Filipe de Barajas wurde ab 1536 von den Spaniern erbaut und immer wieder erweitert. Der grosse Hügel erlaubt einen guten Überblick über die Stadt und einen Blick auf das Meer, wo angreifende Schiffe entdeckt werden sollten. Die Festung selber allerdings hat nicht viel zu bieten. Einige Schiessscharten sowie die Gänge, durch welche die Soldaten innerhalb der Anlage verkehrten sind die Höhepunkte. Meine Füsse freuten sich über die Ruhepause, als ich mich auf der Festungsmauer hinsetzte.
