- Details
- Kategorie: Winterreise 15 / 16 - Vierte Etappe - Costa Rica
Tortuguero Nationalpark - Tag 2
Heute wiederholten wir die gestrige Bootsfahrt, diesmal allerdings gerade nach dem Frühstück. Am Morgen sollten mehr Tiere zu sehen sein, da sich diese in der Frühsonne aufwärmen. Leider war dem nicht so, denn schon als wir losfuhren, waren viele Boote unterwegs, in den kleinen Kanälen dann auch einige Kanuten, welche sich laut schreiend unterhielten. Auch der lokale Führer der einen Gruppe vollführte einen Höllenlärm - ein schlechtes Vorbild für die anderen. Wenn der Besucherstrom so zunimmt wie seit meinem letzten Besuch hier, lohnt sich der Besuch kaum mehr: Zu viele Leute und zu wenig Ruhe für die Tiere. Die Beobachtung wird so verunmöglicht.
Was sich auch vom vielen Verkehr nicht verscheuchen lässt, ist der schöne Regenwald, welcher zum Wasser hin eine teilweise undurchdringliche Wand bildet. Gigantische Bäume bieten Heimat für viele Tiere wie Affen und eine Vielzahl von Vögeln.
Einen gänzlich unerwarteten Vogel sah ich in einer eher ungewöhnlichen Pose: Dieser Tiger Heron lüftete gerade sein Gefieder an der Sonne. Bisher kannte ich diese Art nur aus Mexico, wo sie als Garza tigre mexicana bekannt ist. Hier heisst sie lediglich Garza tigre ohne den nationalistischen Zusatz. Interessant ist dieser imposante Vogel aber trotzdem.
In den Regenwäldern, welche ich bisher besuchte, ist diese Blume immer mal wieder anzutreffen. Ihren Namen kenne ich nicht, doch fasziniert mich ihre Grösse: die Kugel misst gut und gerne 30 cm im Durchmesser. Die Knospen der Blüte sind rechts im Bild als braune Stengel zu sehen. Diese brechen während der Nacht auf und am Morgen zeigt sich die Blüte, welche im Laufe des Tages verwelkt. Gut sichtbar ist sie jeweils nur am Morgen.
Einen weiteren unerwarteten Gesellen entdeckte unser Führer in einem Baum. Bisher kannte ich den Garza pico de bote oder Boat billed Heron lediglich aus Mexico, wo ich ihn in Yucatan schon mehrfach antraf. Offenbar schläft dieser nachtaktive Vogel öfter in derselben Gegend, so dass er relativ einfach zu finden ist, wenn man den Park gut kennt. Ich fragte unseren Führer auf der gestrigen Tour, ob diese Art auch hier vorkomme und er bemühte sich heute, einen zu finden.
Der Green Heron ist dagegen viel einfacher zu finden. Allein auf dieser Reise sahen wir in Florida schon einige Exemplare, auch hier im Tortuguero gingen mir schon einige vor die Linse. Immer wieder gern gesehen und fotografiert.
Die drei Zehen am den Vorderbeinen weisen dieses Tier als Vertreter der Dreizehen-Faultiere aus. Perezoso in Spanisch. Wenn ich seine äusserst langsamen Bewegungen sehe, denke ich immer an „Just hangin’ around“, was diese Tiere ja auch meist tun. Einmal pro Woche steigen sie aus ihren Bäumen hinunter um sich zu entleeren, dann geht es wieder hoch in die Bäume. 20 Stunden pro Tag wird geschlafen, die restlichen vier gehen für das Fressen der Blätter und Früchte drauf.
Den Abschluss unseres heutigen Besuches im Park machen diese beiden Schildkörten, der Park heisst schliesslich auch Tortuguero, die Tortuga ist die spanische Schildkröte. Ein hübscher Schlusspunkt. Beim Näherkommen liess sich eine der beiden Schildkröten ins sichere Wasser fallen. Mit all den lärmigen Booten und Menschen war es heute ein Wunder, dass wir überhaupt so viele Tiere sahen.
Der lokale Manager unserer Lodge im Tortuguero Nationalpark hiess Ever, er bastelte sich ein eigenes, einfaches Fitness-Studio mit etwas Holz für das Gestell, Stahlrohren sowie Zememt für die Gewichte. Damit trainierte er täglich und hatte schon beachtliche Muskeln aufgebaut.
Erstaunlich, mit wie wenig Material und etwas Erfindergeist sich ein gut funktionierendes Fitness-Studio errichten lässt, welches erst noch gute Dienste leistet!
