- Details
- Kategorie: Florida 22
Die Ostküste Floridas von Miami bis Titusville (Cape Canaveral)
Wir machten uns am frühen Dienstag-Morgen auf den Weg in den Norden. Wir wollten der Ostküste bis zur Grenze zwischen Florida und Georgia folgen. Einerseits könnte man dort dem I-95 folgen, der im Landesinnern verläuft, oder dann auf den dem Festland vorgelagerten schmalen Inseln fahren. Wir entschlossen uns für letzteres, zwar viel langsamer, dafür interessanter. Zudem sollte es auch viel zu sehen geben.

Nicht nur wir waren gespannt, was es hier alles zu sehen gab, auch dieser lustige Geselle schaute gespannt über die Küste. Diese ikonischen Feldstecher gab es an einigen Stellen. Für 25 US-Cents kann man mit ihnen einen Blick in die Ferne werden. Mich faszinierte mehr das stilisierte Gesicht. Die Okulare sind auf der anderen Seite, jene sind aber bei weitem nicht so fotogen.

Von Miami bis nach Cape Canaveral besteht die Ostküste Floridas aus einem langen Sandstrand nach dem anderen. Die meisten Ortschaften sind auf den Tourismus ausgerichtet, grosse Hotels stehen wie an einer Kette aufgereiht nebeneinander. Direkt am Strand gibt es Promenaden, wo sich Fussgänger und Fahrradfahrer um den Platz streiten. Einige Strände sind breiter, mache aber auch nur schmal.

Einige Ortschaften verfügen über sogenannte Boardwalks, die weit ins Meer hinausführen. Auf vielen Stegen frönen Fischer ihrem Hobby. Wir spazierten darauf weit hinaus um einen etwas anderen Blick auf die Küste zu werfen.

Der Blaureiher genoss eine Pause vom anstrengenden Fischfang und liess sich von mir zuerst nicht beirren, er blieb auf der Planke stehen. Erst als ich ihm zu nahe kam, flog er davon, liess sich aber vorher noch portraitieren.

Unter einem bedrohlich aussehenden aber harmlosen Himmel lag dieser etwas schmalere Strand, der aber am Donnerstag sehr gut besucht war. Der Donnerstag war der Thanksgiving-Tag, welcher einer der grossen Festtage in den USA ist. Unser Nachtessen fiel deshalb flach, sämtliche Restaurants waren geschlossen. Uns blieb nicht anderes übrig, als uns in einem Tankstellen-Shop Sandwiches und Bier zu kaufen und dieses Luxusdinner im Hotelzimmer zu geniessen.

Ein anderer Strand, in Richtung Norden gesehen ohne grosse Wolken. Auch hier viele Familien am Baden und in der Sonne bräteln.

Am Strand nahe der Wasserlinie stiess ich auf eine kleine Portugiesische Galeere, eine interessante Tierart. Zwar handelt es sich dabei nicht um eine eigentliche Qualle, doch ihre Nesselzellen können ebenfalls sehr schmerzhafte Verletzungen auslösen. Wer mehr über diese Tiere wissen will, findet bei Wikipedia einen informativen Artikel.
Nun muss ich etwas von meinem Frust loslassen. Florida ist Trump-Land und dementsprechend sind Abfall-Trennen und Energie- sowie Ressourcen-Sparen etwas für Weicheier. Das macht man hier einfach nicht. Sonnenzellen gibt es trotz nahezu 300 Tagen vollem Sonnenschein praktisch keine, dafür auf jedem Dach grosse Klimaanlagen, welche rund um die Uhr dröhnen. Die meisten Häuser, Hotels und Geschäfte werden auf etwa 20° C gekühlt. Elektroautos? Fehlanzeige: Einige wenige Teslas sonst meist riesige SUV mit 5-Liter Motoren, gigantischen Reifen und ebensolchen Auspuffen. Mit diesen Monstern kann man offenbar nicht normal beschleunigen, der Auspuff muss dröhnen und die Reifen quitschen, wenn ein solches Monster vom Rotlicht losprescht. Kurze Zeit später muss dann natürlich ebenso abrupt gebremst werden, auch wieder mit entprechender Geräusch-Kulisse.

In vielen Hotels Floridas wird ein Frühstück serviert. Dabei gibt es kaum je weder richtiges Geschirr noch Besteck. Stattdessen liegen Papierteller, Plastikgeschirr und Pappbecher für den Kaffee bereit.

Immerhin werden Geschirr und Besteck als „rezyklierbar“ und "erneuerbar" angepriesen. Überall heisst es recyclable und sustainable, alles soll perfekt sein und dem Gast soll so ein gutes Gefühl vermittelt werden. Die Quelle des Holzes für den Karton ist sogar "certified" und zudem gibt es offenbar eine "nachhaltige Fortwirtschafts-Initiative". Also alles im Grünen Bereich, kein Grund zur Sorge.

Die Resten unseres Frühstücks sehen dann so aus. Plastik, Karton und Pappbecher. Die Bananenschale ass ich nicht, die wird ja kompostiert. Der ganze Rest wird nun rezykliert.

Rezykliert wird dann so: Eine grosse Tonne, in welcher alles zusammen entsorgt wird und von hier geht es zuerst in den grossen Container hinter dem Hotel und von dort mit der Abfuhr direkt in die Kehrichtdeponie. Verbrannt wird der Mist nicht, alles fliegt in die Natur.
Die Welt kann sich wirklich nur ein Amerika leisten, der hirnlose Verbrauch an Gütern und Natur ist schockierend.

Das findet auch dieser Squirrel, der von seinem Hochsitz auf der Palme mit ungläubigen Augen auf die Sache schaut.
Heute übernachten wir in Titusville, dem Ort auf dem Festland, welcher der Insel mit Cape Canaveral gegenüber liegt. Morgen soll von dort aus am frühen Nachmittag eine Falcon 9 Rakete von SpaceX eine Raumkapsel mit Nachschub für die ISS in den Erdorbit befördern. Das möchte ich mir natürlich ansehen.
