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- Kategorie: Costa Rica 22
Zum Volcán Poás
Nach der gestrigen Bootsfahrt in der Laguna Caño Negro war es heute Zeit, den Weg zurück nach San José unter die Räder zu nehmen. Unser Ziel war es, ein Hotel in der Nähe des Volcán Poás zu finden und dann am nächsten Tag den Vulkan zu besuchen.

Die Gegend im Norden Costa Ricas wird stark landwirtschaftlich genutzt. Neben riesigen Ananas-Plantagen und endlosen Zuckerrohr-Feldern ist auch Viehzucht ein grosses Thema. Die Kühe standen schon vor dem Mittag im Schatten unter den Bäumen, da die Sonne erbarmungslos vom Himmel brannte.

Die Strasse war gegenüber den Feldern etwas erhöht und auf beiden Seiten gab es schmale Wasserstellen. In diesen hausten immer wieder kleinere Kaimane. Die Kühe können ohne Gefahr das Wasser trinken, die Kaimane sind maximal einen Meter lang und damit auch für Kälber gefahrlos.

An einer wichtigen Kreuzung von vier Strassen, je Ost-West und Nord-Süd machten wir Pause, um etwas zu trinken, und dabei fiel mir dieser Stand auf. Hier kommen viele Leute vorbei und die Gesundheitsbehörde hat hier einen mobilen Impfstand eingerichtet. Ich habe mit der Dame gesprochen und sie meinte, ihr Angebot werde gut genutzt. Sowohl Moderna als auch Pfizer wird hier gespritzt. Sie fragte mich, ob ich auch einen Stich wolle, in Costa Rica sei die Impfung für alle - inklusive Touristen - gratis. Ich verzichtete auf die Impfung, da mein nächster Termin gerade nach meiner Rückkehr in die Schweiz ansteht.

Ein letzter Blick auf den Arenal, dessen Pyramide am Ende des abgeernteten Feldes gut zu sehen ist.

Mein Navi leitete uns auf der Hauptstrasse um eine Ortschaft herum. Plötzlich fehlten auf der Strasse aber die Markierungen und es gab auch keinen Verkehr mehr. Nach etwa zwei Kilometern war der Grund klar: Die Strasse war gesperrt und dies wohl schon seit langer Zeit. Im Navi war das aber noch nicht nachgetragen, auch die Signalisation auf der Strasse liess nichts dergleichen erahnen. Umdrehen und durch die Ortschaft weiter fahren war die Lösung.

Wir fanden ein Hotel auf knapp 2000 m.ü.M., ein guter Ausgangspunkt für den Besuch des Vulkans. Ein ehemaliges Herrschaftshaus wurde vor fünf Jahren in ein Hotel verwandelt, und wir waren zwei von insgesamt sechs Gästen.

Das Zimmer war sehr gross mit einer grandiosen Aussicht auf die Gegend rund um San José. Leider war das Zimmer aber nicht geheizt, was während des Tages kein Problem war, die Nacht war aber mit 11° sehr kalt. Alle verfügbaren Decken auf dem Bett halfen etwas, ich würde aber schleunigst eine Heizung einbauen.

Die Sonne ging unter und der Nebel kam vom Vulkan herunter und bedeckte langsam die ganze Gegend.

Am nächsten Morgen buchte ich einen Besuch beim Vulkan um 09:40 Uhr. Die Anzahl gleichzeitig anwesender Besucher ist auf 50 Personen beschränkt und die Buchung muss über die Webseite der Nationalpark-Behörde erfolgen. Bis vor kurzem war der Vulkan ganz gesperrt, da er immer mal wieder kleine Ausbrüche macht und da insbesondere immer ungesunde Gase austreten. Rauchen ist für die Besucher im ganzen Park verboten. Rauchen darf nur der Poás.

Im Wald auf dieser Höhe wachsen viele dieser grossen Pflanzen (Gunnera insignis). In Costa Rica sind diese auch als Poor Mans Umbrella bekannt. Die Blätter können bis zu 1.5 m gross werden, ein hübscher, nachwachsender Regenschirm, der zudem problemlos rezykliert werden kann.

Der Kraterrand, der für Besucher zugänglich ist, liegt auf 2570 m.ü.M. und die Temperatur erreicht gerade mal 10°. Lange Hosen - zum ersten Mal in Costa Rica - und eine Faserpelzjacke helfen. Später dann auch noch eine weitere Jacke gegen den starken Wind.

Auf dem Weg gibt es immer wieder solche Hinweis-Tafeln, welche die Besucher auf die Unterstände verweisen, in denen man bei Asche oder Steinschlag Schutz suchen soll.

Am Kraterrand steht einer dieser Unterstände, ein dickes Betondach soll die Steine abhalten. Wir waren froh, dass sich der Vulkan heute diesbezüglich zurückhielt. Seine Präsenz markierte er hingegen mit einem feinen Schwefelgeruch.

Ohne den Schwefelgeruch in der Luft hätten wir den Vulkan nicht erkannt. Dicker Nebel blockierte jede Sicht in den Krater, immer wieder schien es, als ob die Sonne durchbrechen würde, doch es reichte nicht. Nach knapp 20 Minuten am Kraterrand wurden wir unmissverständlich aufgefordert, uns auf den Rückweg zu machen.

Die Besucher erhielten im Besucherzentrum farbige Helme, wir waren Teil der grünen Gruppe, nach uns kamen weisse Helme und dann blaue und rote. So erkennen die Ranger, wann die Zeit einer Gruppe abgelaufen ist.

An einigen Stellen des Weges sind Einschlaglöcher von Steinen markiert, diese stammen vom letzten Ausbruch 2017. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn man von einem solchen Stein getroffen wird, da nützt der Plastikhelm wohl nicht viel, und es resultiert eine weiche Birne.

Auch das Metallgeländer hat einige Bomben abbekommen. Die stark korrodierenden Gase lassen auch das Metall schnell rosten, diese sind auch ein Grund für die Begrenzung des Aufenthaltes auf 20 Minuten.

So hätte sich der Krater präsentiert, wenn der Nebel nicht gewesen wäre. 1746 m N-S und 868 m O-W und eine Tiefe von 260 m sind enorme Ausmasse. Der See im Krater hat einen PH von 0.2 - 2 und wird bis zu 70° heiss. Nicht zum Baden geeignet, man würde hier umgehend aufgelöst.

Auf der Fahrt zurück zum Hotel gab es eine schöne Sicht auf die Gegend von San José, die sehr stark besiedelt ist.

Am Nachmittag besuchen wir noch eine Kaffeefarm, die Starbucks hier betreibt. Dabei wird die Ernte und Verarbeitung des Kaffees erklärt und es gibt auch eine Möglichkeit, diesen zu verkosten. Leider röstet Starbucks hier den Kaffee nur schwach und der daraus resultierende Kaffee ist dann auch eine eher laue Brühe. Zwar 100% Arabica, aber wegen der Röstung kaum geniessbar.

Die ganze Anlage ist richtig amerikanisch aufgezogen: Viele Erklärtafeln und auch viel Merchandise wie Tassen, T-Shirts und sonstigen Kram. Auf dieser Farm wird auch Forschung betrieben, aktuell bedroht ein Pilz die Kaffeesträucher, und es wird eine Sorte gesucht, welche gegen die Pilze resistent ist. Starbucks behauptet, dass sie die resistenten Samen an ihre Vertragsproduzenten gratis abgeben. Ich hoffe, dass dem auch so ist.
