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- Kategorie: Thailand und Burma 14 - Teil Burma
A severe case of Buddha-Overdose
Den letzten Tag in Myanmar wollten wir heute nochmals mit Pagoden und Buddhas verbringen. Derselbe Chauffeur, mit dem wir gestern unterwegs waren führte uns heute auf die andere Seite des Irrawaddy und dann etwa 135 km in die kleine Stadt Monywa. Wir versprachen uns von der Fahrt mit dem Auto auch einen Einblick in die lokale Lebensart und die Landwirtschaft. Vom Schiff aus sahen wir mit Ausnahme der kurzen Landausflüge lediglich die Ufer des Irrawaddy, an denen nicht sonderlich viel Abwechslung zu sehen war.

Bei Sagaing, etwa 20 km südlich von Mandalay am Irrawaddy gelegen, besuchten wir als erstes die Kaunghmudaw Pagoda. Wir sahen dieses imposante Bauwerk schon von unserem Schiff auf dem irrawaddy aus, hatten aber während der Ausflüge vom Schiff keine Zeit für einen Besuch. In den Reiseführern und auch auf den meisten Webseiten wird die Pagode mit einer weissen Kuppel abgebildet. Kürzlich wurde sie aber vollständig vergoldet und bildet so eine eindrückliche Ansicht. Die grossen Löwenfiguren am Eingang von der Hauptstrasse aus begrüssen die Besucher nicht gerade freundlich. Sie waren aber trotz ihres furchterregenden Aussehens harmlos.

Die Kuppel hat eine Höhe von 46 m und einen Umfang von 274 m. Mit dieser Grösse ist sie von Weitem aus schon gut zu sehen. Aus der Nähe wirkt sie schlicht überwältigend.

Nach einer interessanten Fahrt in Richtung Westen stiessen wir bei Monywa auf die Bodhi Tataung-Pagode. Diese ist für die beiden gigantischen Buddha-Figuren bekannt. Im Vordergrund ein sogenannter „Reclining Buddha“, mir seinen 90 m Länge eine beeindruckende, liegende Figur. Gleich dahinter ein stehender Buddha, den ich schon vom Irrawaddy aus mit dem Feldstecher sah.

Vom der Terrasse aus schweift der Blick über die grosse Ebene westlich des Irrawaddy. Eine sehr fruchtbare Gegend wo allerlei landwirtschaftliche Produkte wie Baumwolle, Reis, Mais aber auch Tomaten und andere Gemüse produziert werden. Ab und zu gucken einige kleine Pagoden aus der Lanschaft.

Die eindrückliche stehende Buddha-Statue misst inklusive ihres Fundamentes 127 m und ist damit die grösste stehende Buddha Figur Südostasiens. Die Höhe entspricht einem Haus mit 31 Stockwerken! Sie wurde ab 1990 erbaut und wartet immer noch auf die Fertigstellung. So ist der geplante Aufzug hinter der Statue immer noch nicht funktionstüchtig. Eigentlich sollte er bis in den Kopf der Statue führen und den Besuchern dort den Überblick über die Region ermöglichen.

Eine Gruppe von jungen Novizinnen besuchte heute die Statue, im Schatten ruhen sie sich aus, bevor sie in die Stadt zurückkehrten. Einige machten, was junge Mädchen auch bei uns machen: Sie nutzten ihr Smartphone für einen Chat oder einfach zum Surfen im Internet. Internet ist auf den Smartphones relativ günstig verfügbar: Pro Minute Nutzung fallen lediglich einige Rappen an Kosten an. Das Surfen ist jedoch eher langsam, Myanmar verfügt lediglich über ein 3G Netz. Emails uns SMS lassen sich damit jedoch gut nutzen. Für uns Ausländer ist das Netz leider nicht zugänglich, unsere Handys funktionieren in Burma nicht und wir können keine SIM-Karten kaufen. Auf dem Schiff stand jedoch ein Internetzugang über 3G zur Verfügung, welches ab und zu sogar Verbindung hatte.

Von unten gesehen wirkt der Kopf der Statue sehr beeindruckend. Jedes der kleinen Vierecke am Körper ist ein Fenster, durch welches der Besucher die die Gegend betrachten kann. Die meisten Fenster sind jedoch sehr schmutzig, so dass sich der Aufstieg ins Innere Buddhas eigentlich nicht lohnt. Zumal die Luft sehr heiss und mit der Höhe zunehmend stickig ist. Ich stieg lediglich bis zur ersten Plattform auf, Thomas wagte sich noch weiter vor, kehrte jedoch schon bald enttäuscht zurück.

Kurz vor der Ortschaft trafen wir auf das andere Ziel unseres heutigen Trips. Die Thanboddhay-Pagode ist für ihre schiere Zahl an Buddha-Figuren bekannt. Jemand hat mal 582 357 Figuren und Figürchen gezählt. Wir wollten dies nicht wiederholen, ich kann mir diese Zahl auf jeden Fall sehr gut vorstellen. Diese Gruppe von Einheimischen hat sich für den Pagodenbesuch entsprechend gekleidet: Unterschiedliche Farben und lange, traditionelle Röcke, hier Longhis genannt. Diese werden auch von vielen Männern getragen, werden jedoch in den Städten zunehmend von westlichen Hosen verdrängt.

Das Dach des Haupttempels ist von unzähligen kleinen Pagödchen übersät. Kaum ein Quadratmeter der Aussenflächen ist ohne Schmuck: Eine Nische mit einer Buddha-Figur, eine Schrifttafel mit einer Belehrung, ein Ornament oder wenn das nicht ausreicht auch noch eine farbige Flagge. Für einmal nicht nur Gold, Rot, Pink und auch Orange sind die meist verwendeten Farben.

Die unzähligen Säulen sind mit kleinen Nischen versehen, in welcher jeweils eine ebenso kleine Buddha-Figur steht. Ab und zu steht auch eine Löwenfigur unter den übrigen Bildnissen. Soviel ich sah, sind diese Tierfiguren Buddha-frei.

Eine wahre Farborgie an diesem Bauteil. Ein kleines Dach bringt hier einen grünen Tupfer ins rot-gelb-orangene Farbmeer.

Im Innenraum geht der Buddha-Rausch ungebremst weiter. Auch hier steht an jedem freien Platz eine grössere Statue und in den Wänden gibt es kleine Nischen, welche weitere Figürchen aufnehmen. So sehr ich mich auch anstrengte, so wenig fand mein Auge einen Ruhepunkt in diesem Buddha Ozean. Vom Hauptgang gehen unzählige Quergänge ab, jeder ist wie dieser ausgeschmückt.

Der Hauptgang zieht das Auge ins Innere des Tempels, vorbei an Buddha-Figuren, schliesslich endet der Blick an einer für einmal schwarzen Buddha-Figur. Ich kann mich nicht an eine solche schwarze Figur in Burma erinnern. Und auf dieser Reise habe ich schon sehr, sehr viele gesehen.

Der schwarze Buddha am Ende des Hauptganges. Auch um ihn herum stehen weitere Figürchen. Die Bedeutung der beiden goldenen Statuen erschloss sich mit nicht. Ihre Handhaltung scheint aber so etwas wie Verehrung anzudeuten.

Eine Gruppe von Novizinnen sass im Halbkreis um eine Buddha-Figur und sang ihre Gebete. Ich erlaubte mir einige Aufnahmen zu machen, auch wenn ich normalerweise bei Menschen sehr zurückhaltend bin.

Ein weiterer Seitengang. Jeder Kommentar erübrigt sich hier. Lediglich die schmückenden Blumen bilden bei dieser Figur eine Ausnahme. Offenbar ein Mönch, der hier verehrt wird.

Ich verspreche es: Bald ist es aus mit den Buddha-Figuren. Doch soll mein geneigter Leser mit mir etwas mitleiden. Offenbar liegt bei diesem Tempel die Wirkung in der Repetition. Genauso wie die Gesänge über Lautsprecher für meine Ohren repetitiv klingen, sind die meisten Figürchen in dieser Anlage weitgehend identisch.
Nach dieser Buddha-Orgie war es Zeit für die Rückfahrt, die wiederum gute 2 1/2 Stunden dauerte. Das Grün der Landschaft half glücklicherweise beim Entspannen der Augen. Der Pool am Schluss des Tages entwickelte einmal mehr seine entspannende Wirkung.
Morgen werden wir kurz nach Mittag aus Mandalay abreisen und nach Phuket im südlichen Thailand weiter fliegen. Dort wird das türkisblaue Meer die Augen weiter entspannen und uns wieder an das Buddha-freie Leben gewöhnen. Um die Entzugserscheinungen zu mildern werden wir jedoch auch in Phuket eine grosse Statue besuchen. Doch davon später mehr.
