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- Kategorie: Fast ein Tagebuch
Verona 22: Carmen und Willy, das klappt nicht!
Nach längerem Unterbruch wegen Corona wollten Ruth und ich dieses Jahr wieder einmal eine Oper in Verona besuchen. Nur unsere Freunde aus Österreich begleiteten uns diesmal, da wir sehr kurzfristig mit der Planung begannen.
Nachdem ich schon zweimal Tickets für Carmen gebucht hatte, diese Oper aber jedesmal ins Wasser fiel, hoffte ich natürlich, dass es diesmal klappt.
Wir buchten uns das Agriturismo Delo, welches ich seit über 10 Jahren für meine Verona-Aufenthalte benutze. Auch diesmal wieder ein voller Erfolg!
Auch das traditionelle Dinner im Bacco d’Oro durfte nicht fehlen, auch hier waren einmal mehr alle Erwartungen erfüllt.

Statt an den Gardasee zu fahren, machten wir einen Ausflug in die Gegend des Valpolicella. Die Terrasse vor einer Kirche in den Bergen bot einen grossartigen Ausblick über den Südteil des Lago di Garda und die Weinberge, welche hier die ganzen Berghänge überziehen.

Als wir dann nach einem feinen Nachtessen an der Piazza Bra in die Arena gingen, waren noch etliche Plätze frei. Doch noch bevor die Vorstellung begann, füllten sich die Ränge. Im Gegensatz zu früheren Jahren waren schlussendlich nur noch wenige Reihen frei. Das Bühnenbild war mit farbigen Vorhängen vor neugierigen Blicken geschützt, so dass sich die Sänger und Schauspieler gut aufstellen konnten.

Im Laufe des dritten Aktes kam der nahezu volle Mond hinter den Mauern der Arena hervor, leider von ziemlich dichten Wolken bedeckt. Wenn das nur gut kommt! Die Sänger waren für mein iPhone zu weit weg, ich konnte lediglich einen Überblick über die Bühne fotografieren.
Kaum hatte ich diese Aufnahme im Kasten, wurde die Bühne für den Schlussakt umgebaut, dies aber ohne, dass eine Pause angesagt gewesen wäre. Nach knapp 10 Minuten ging das Schauspiel weiter. Leider aber nicht nur auf der Bühne, sondern auch am Himmel mit grossen Blitzen und bald schon intensivem Regen. Die Vorstellung wurde unterbrochen und alle Besucher suchten in den Gängen der Arena Zuflucht. Da der Regen immer intensiver wurde, entschlossen wir uns bald, die Arena zu verlassen. Carmen starb für uns also nicht! Später wurde die Aufführung offiziell abgebrochen.
Unsere Freunde fuhren am Freitagmorgen ab in Richtung Wien, Ruth und ich wollten über das Südtirol in die Schweiz zurückfahren und uns auf dem Weg noch Meran und einige andere Orte ansehen.
Unseren ersten Halt legten wir in einer kleinen Ortschaft zwischen Bozen und Meran ein, wo wir ein hübsches kleines Hotel fanden. Nach dem Essen erhielt ich eine Nachricht von der Arena di Verona, wo sie sich für die abgebrochene Veranstaltung entschuldigten und uns anboten, am Samstag neue Tickets für Turandot zu buchen. Dies für den symbolischen Preis von € 2.50.
Wir entschlossen uns, dieses Angebot anzunehmen und die 150 km zurück zu fahren und nochmals zwei Tage in Verona zu verbringen. Unser Agriturismo war leider ausgebucht und erst am Sonntagabend verfügbar. Wir buchten in einem Hotel etwas ausserhalb von Verona die Nacht von Samstag auf Sonntag und dann noch eine Nacht im Agriturismo.

Auf dem Weg nach Verona besuchten wir noch Bozen, eine Stadt, die ich nur flüchtig kannte und auch Ruth nicht sehr gut. Die Innenstadt ist sehr ansprechend, viele ältere, schön restaurierte Häuser geben ein intaktes Stadtbild.

Auf einem der wichtigsten Plätze steht eine Statue von Walther von der Vogelweide, einem um das Jahr 1170 geborenen Minnesänger, der von Burg zu Burg zog, und seine Kunst zum Besten gab. Im 19. Jhdt. vermuteten die Einheimischen, dass Walther aus Bozen sei, was sich aber nicht mehr nachweisen lässt. Alles spricht für eine Herkunft aus Süddeutschland.

Eine Kirche muss selbstverständlich auch in der Stadt stehen, Walther schaut von seinem Pedestal direkt in ihre Richtung.
Am Abend machten wir uns dann wieder auf den Weg zur Arena, um Turandot zu geniessen. Die Wetterprognosen waren besser und so freuten wir uns auf einen schönen Abend.

Auch hier verdecken Vorhänge das Bühnenbild, bis die Vorstellung um 20:45 beginnt.

Auch bei dieser Oper ein riesiges Spektakel mit sehr vielen Leuten auf der Bühne. Grosse Chöre unterstützten die Solisten mit ihren Stimmen. Diese spektakuläre Oper eignet sich gut für Verona, da die Musik über weite Strecken eher laut ist und auch die Chöre in diesem grossen Raum mit guter Akustik wunderbar zur Geltung kommen. Die Geschichte selber ist etwas seltsam, da die brutale Prinzessin, welche viele ihrer Verehrer köpfen liess, sich am Schluss eher unmotiviert und schnell in den Prinzen verliebt, den sie am frühen Morgen noch köpfen lassen wollte.

Das Bühnenbild soll einen chinesischen Palast darstellen, auch einige Teile der Musik erinnern an fernöstliche Musik. Ein Gigantismus, wie er nur in einer offenen Arena gespielt werden kann!

Die Schlussszene, bei der sich die beiden in die Arme fallen, fand im chinesischen Tempel ebenfalls bei schönstem Wetter statt. Der Mond machte rechtzeitig seine Aufwartung, um dem Schluss beizuwohnen. Die Wolke vor dem Mond blieb diesmal glücklicherweise harmlos.

Als wir aus der Arena an die frische Luft kamen, genossen wir zuerst noch ein kühles Bier, bevor wir ins Hotel zurück kehrten. Als wir dann die Bar verliessen, war die Piazza Bra fast menschenleer, so dass ich noch ein Bild von der Arena mit dem Mond machen konnte.
Den Sonntagabend verbrachten Ruth und ich dann nochmals im Bacco d’Oro, wo wir nochmals wunderbar spiesen. Nun zurück in der Schweiz ist zuerst wieder mal Schmalhans Küchenmeister, sonst müssen wir uns neue Kleider beschaffen!
