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- Kategorie: Fast ein Tagebuch
Eine überraschende Entdeckung in einem französischen Schloss
Ende Juli 18 besuchten wir die Familie Gasser, Freunde von uns, welche seit vielen Jahren ein Ferienhaus im französischen Jura haben und dort jeweils ihre Sommerferien verbringen. Anlässlich dieses Ausflugs besuchten wir das Schloss Du Pin in der Nähe von Lons-le-Saunier. Neben schönen Ansichten der Schlossanlage erhielten wir auch interessante Einsichten in die mittelalterlichen Tischsitten. Davon aber später mehr.
Nach einigen unnötigen Kurven fanden wir den Eingang zur Anlage doch noch. Das Navi und der Fahrer waren einigermassen verwirrt, da der Parkplatz etwas unterhalb der Anlage in einem Wald lag und so schickte es uns auf einen Rundkurs ums Schloss. Beim zweiten Versuch klappte es und der Audi fand den Parkplatz.

Der trutzige Wohnturm ist neben dem Innenhof der einzige Teil der Anlage, welcher besichtigt werden kann. Die restlichen Gebäude dienen einer Familie als Wohnhaus und sind deshalb für Besucher ein Sperrgebiet.

Durch dieses Tor gelangt der Besucher in den Innenhof. Die Schiessscharten werden heute glücklicherweise nicht mehr verwendet, der Burggraben wurde ebenfalls schon vor vielen Jahren zugeschüttet.

Auf der linken Seite des Hofes liegen die renovierten und aktuell bewohnten Teile des Schlosses, rechts steht noch ein Teil der Wehranlage. Der Rest wurde während einer der vielen Belagerungen in der Schlossgeschichte zerstört und nicht wieder aufgebaut. Durch die Lücke haben die Bewohner heute daher eine schöne Sicht auf die umgebende Landschaft. Die Wehranlage wäre den heute möglichen Bedrohungen wohl ohnehin nicht mehr gewachsen.

Das Innere des Wohnturms kann wie schon erwähnt besichtigt werden, insgesamt gibt es fünf Geschosse. Die unteren beiden sind schon vollständig renoviert, das dritte ist noch in einem ziemlich schlechten Zustand. Das vierte Geschoss darf überhaupt nicht betreten werden, da die Deckenbalken vermodert und an einigen Stellen schon durchgebrochen sind. Das fünfte und oberste Geschoss kann nur ganz am Rand betreten werden, auch hier ist die Decke durchgebrochen. Aus den Fenstern ergibt sich aber von hier ein schöner Rundblick über die Gegend sowie in den Innenhof der Anlage.

in der zweiten Etage steht ein Esstische, wie er wohl in vergangenen Zeiten verwendet wurde. Das Cheminée im Hintergrund wärmte während der kalten Zeit die Esser. Zentralheizung war damals noch unbekannt und vermutlich zog es im Winter jämmerlich durch die Ritzen der Fenster. Lieber im Rauch sitzen und einen warmen Hintern haben, als in klarer Luft zu frieren!

Hier trafen wir dann auch auf die interessanten Tischsitten. Ein Nachdruck einer im Mittelalter offenbar weit verbreiteten Anleitung, wie die Essenden sich bei Tische zu verhalten haben, hing an der Wand. Ich machte einige Bilder davon, weil ich diese Sitten interessant fand und diese in meinem Tagebuch veröffentlichen wollte. Da das Gesamtbild nur schlecht zu lesen ist, habe ich die einzelnen Seiten ebenfalls fotografiert. Einige der Regeln hätten auch heute noch ihre Gültigkeit, obwohl ...



Nun, auf der letzten Seite fiel mir erst zu Hause die Bildunterschrift auf: „Zufinden bey Johannes Meyer / in Zürich.". Während des Besuchs fiel dies niemandem auf, so genau lasen wir die Texte. Kein Wunder, dass die Tischsitten verrohen! Tatsächlich stammt dieser Text aus dem ersten Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Zürich aus dem Jahr 1645. In Zürich wird der Verfasser aber als Conrad Meyer erwähnt, es handelt sich aber offenbar um dieselbe Person. Bei der Zentralbibliothek in Zürich findet sich mehr Information zum Thema (Klick mich!). Eine interessante Entdeckung an einem völlig unerwarteten Ort und ein insgesamt lohnender Ausflug.
