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- Kategorie: Fast ein Tagebuch
Besuch im Disney- äh Buddha-Land bei Chiang Rai, Thailand
Etwas südlich von Chiang Rai steht der sogenannte weisse Tempel, in Thai Wat Rong Khun genannt. 1997 wurde mit dem Bau begonnen, 2070 soll er schliesslich fertiggestellt sein, noch sind erst einige der geplanten Bauten fertig. 2014 zerstörte ein grosses Erdbeben Teile der Anlage, sie wurde aber umgehend wieder aufgebaut. Ein lokaler Künstler errichtet den Tempel mit seinem eigenen Geld auf, er akzeptiert auch Spenden, jedoch nicht mehr als 10'000 Baht pro Person. Er will nicht von einzelnen Spendern abhängig sein.
Auf dem Weg von Chiang Mai nach Chiang Rai lag die Anlage heute auf unserem Weg. Wir erwarteten einen Ort der Stille, wie in anderen Tempelanlagen in Thailand üblich. Aber weit gefehlt! Doch der Reihe nach.

Bei den Parkplätzen stand eine Säule, welche die Weiterfahrt verhinderte. Schon mal nicht sehr religiös. Aber effektiv.

Im Innern dann die ersten Vorboten eines Tempels. Hier noch im üblichen Gold. Allerdings etwas gar stark verziert, doch ein beliebtes Fotosujet für Selfies. Ich musste länger warten, bis ich einen kurzen Augenblick ohne Personen fotografieren konnte.

Für 30 Baht, etwa CHF 1.20 konnten die Gläubigen hier eines der kleinen Plättchen erstehen und dann mit bereitstehenden Filzstiften Wünsche oder Botschaften drauf schreiben. Ein offenbar sehr beliebter Brauch.

An einem grossen Gestell konnten die Tafeln aufgehängt werden. Hunderte davon hingen schon hier, und immer noch fügten Einheimische weitere hinzu. Sobald eine gewisse Menge zusammenkam, wurden diese jeweils hier entfernt und an anderen Stellen aufgehängt.

Ein gedeckter Weg führte vom Eingang zum Haupttempel, der ganze Himmel hing voll von solchen Botschaften. So waren sie jedoch nicht mehr lesbar, zumindest nicht für mich als Normal-Sterblichen. Vielleicht hat Buddha hier bessere Möglichkeiten.

Der Haupttempel von der Seite gesehen. Fast vollständig in Weiss gehalten, gibt er einen schönen Kontrast zum blauen Himmel. Die Wolken zogen gerade zur richtigen Zeit auf, so dass nicht einfach ein weisses Gebäude vor einem unnatürlichen Blau stand.

Auf den ersten Blick sieht dieses Gebäude wie ein weiterer Tempel aus, es ist jedoch viel profaner: Ein öffentliches WC mit dem Eingang für die Frauen auf der linken, die Männer gehen auf der rechten Seite ein und aus. Was sich in den oberen Stockwerken verbirgt, war nirgends zu entdecken.

Der Haupteingang in den Tempel führt über eine schmale Brücke vorbei an der buddhistischen Hölle. Im Tümpel vor dem Tempel schwammen grosse Zierfische ihre Runden. Sie sollen wohl die Mückenlarven fressen, damit die Pilger von diesen Plagegeistern nicht ihrerseits aufgefressen werden.

Vor der Brücke muss der Besucher an der Hölle vorbei gehen. Hier werden die Pilger in möglichst grässlichen Bildern vor der Hölle gewarnt, in welcher die Ungläubigen oder Nicht-gut-Tuer schmoren werden. Halbverweste Schädel und Hände sind neben vielen anderen Knochen im Schlamm dargestellt. Diese Bilder werden wohl einigen Kindern schlaflose Nächte bescheren. Ob sie dadurch jedoch zu besseren Menschen werden, bleibe dahingestellt.

Eine weitere detailgetreue Darstellung der Qualen, welche die Sünder erwarten. Auch hier nicht viel Hoffnung!

Direkt neben dem Steg strecken sich unzählige Hände um Almosen flehend dem Besucher entgegen. Einige Pilger legen auch tatsächlich Münzen in die Opferschalen, wie wenn mit weltlichem Geld in der Unterwelt etwas bezahlt werden könnte. Das Purgatorium muss ein grässlicher Ort sein, die Darstellungen lassen auf jeden Fall keinen beschaulichen Ort erwarten.

Das Innere des Haupttempels ist dann eher enttäuschend. Recht schmucklos präsentieren sich zwei Buddha-Gestalten, der Rest sind gemalte Darstellungen des Himmels. Der Boden ist mit goldenen Keramikplättchen ausgelegt.

Ein hübsche Darstellung von Kopfschmerzen zeigt dieser Schädel. Ohne effektives Kopfweh-Medikament sind die Qualen gut vorstellbar. Was hat dieser arme Kerl wohl verbrochen?

Wie im echten Disney-Land gibt es auch hier einige Stelle, wo die Besucher lange anstehen, um ein Bild mit der Figur zu schiessen. Nicht Donald Duck, aber eine andere Phantasiegestalt sitzt auf der Bank.

Alkohol scheint des Teufels zu sein, diese Skulptur bereitet die Pilger jedenfalls mit drastischen Bildern auf die kommenden Qualen vor. Glücklicherweise steht Whiskey im Fokus aber weder Wein noch Bier, diese beiden Getränke scheinen von der Verdammnis ausgenommen zu sein.

Zigaretten führen ebenfalls direkt in die Hölle, auf jeden Fall, wenn man dieser Darstellung Glauben schenkt.

Was wäre ein Erlebnispark ohne die unzähligen, viel versprechenden Souvenir-Shops. Leider gab es hier nichts, für das es sich gelohnt hätte, Geld auszugeben.
